Prognose für unkontrollierten Fall Chinesische Raumstation wird über Ostern zur Erde stürzen

Die kaputte chinesische Raumstation "Tiangong-1" wird wahrscheinlich am Osterwochenende unkontrolliert abstürzen. Trümmerteile könnten auf die Erdoberfläche treffen.

Chinesische Raumstation "Tiangong-1"
DPA / CMSE / Europa Press

Chinesische Raumstation "Tiangong-1"


Seit März 2016 reagiert die chinesische Raumstation "Tiangong-1" nicht mehr auf Funkkommandos. Sie lässt sich nicht mehr steuern und wird deshalb unkontrolliert abstürzen. Nach Einschätzung von Experten werden Teile des Raumlabors zwischen dem 30. März und dem 2. April auf die Erde treffen, berichtet die Europäische Weltraumbehörde Esa.

Eine genauere Vorhersage ist bislang nicht möglich. Im Laufe der Woche wird die Esa aber zumindest den Tag eingrenzen können. Am Absturztag hoffen Experten dann, den Absturzzeitpunkt bis auf wenige Stunden bestimmen zu können.

Der Himmelspalast, wie "Tiangong-1" auch genannt wird, ist 8,5 Tonnen schwer und zwölf Meter lang. Die Station sinkt derzeit mit ihrer Umlaufbahn immer weiter Richtung Erde. Beim Eintritt in die Erdatmosphäre wird sie innerhalb kurzer Zeit abgebremst, und der größte Teil verglüht in der Reibungshitze. Nur Bauteile aus Titan und Edelstahl halten der Hitze stand.

Verletzungsrisiko extrem gering

Experten gehen davon aus, dass ungefähr 1,5 bis 3,5 Tonnen Material den Eintritt in die Atmosphäre überstehen. Sie könnten auf Festland stürzen. Dass Trümmer Deutschland, Österreich oder die Schweiz treffen, ist allerdings ausgeschlossen. Dafür fällt der Großteil der südlicher gelegenen Bereiche in die Risikozone. Alle Regionen zwischen dem 43 Grad südlich bis zum 43 Grad nördlich des Äquators könnten von Trümmern getroffen werden.

Absturzzone
ESA

Absturzzone

Das umfasst alle Ozeane und Kontinente bis auf die Antarktis. Auf dem 43. Grad nördlicher Breite liegt etwa das südfranzösische Marseille. Das Risiko, als Mensch von einem Trümmerteil getroffen zu werden, ist dennoch gering: "Die Wahrscheinlichkeit, von einem Trümmerteil verletzt zu werden, ist so hoch, wie die Möglichkeit zwei Mal in einem Jahr von einem Blitz getroffen zu werden", sagte Holger Krag von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA in Darmstadt.

In der Absturzregion befindet sich viel Wasser und Wüste. Experten sind daher skeptisch, ob man im Nachhinein überhaupt Teile der Station auf der Erde wird finden können. "Es fällt nicht alles auf einen Fleck, sondern verteilt sich über eine Schleppe von 1000 bis 1200 Kilometern", so Krag.

Auch auf der Erdoberfläche wird der Absturz wohl keine Spuren hinterlassen. Die Trümmer fallen ab etwa 30 Kilometer Höhe mit normaler Fallgeschwindigkeit. Ein Krater wird deshalb - anders als bei einem Meteoriteneinschlag - nicht entstehen.

Allzu ungewöhnlich ist es nicht, dass ausgediente Weltraumtechnik unkontrolliert auf die Erde trifft. "70 bis 80 Tonnen Raumfahrtschrott kommen durchschnittlich in einem ganzen Jahr unkontrolliert runter", sagt Krag.

China hatte "Tiangong-1" im September 2011 ins All geschossen, wo das Raumlabor über die Jahre sechs Kopplungsmanöver mit chinesischen Raumschiffen der "Shenzhou"-Reihe absolvierte. Seit 2016 umkreist auch der Nachfolger der "Tiangong-1" die Erde.

In dem neuen chinesischen Raumlabor können zwei Astronauten länger als im Vorgängermodell leben. Zudem hat "Tiangong-2" eine höhere Ladekapazität und lässt sich erstmals auftanken. Die Labors dienen der Vorbereitung für den Bau und Betrieb einer größeren, eigenen chinesischen Raumstation, die um 2022 fertig werden soll.

jme/dpa



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