Furioses Schauspiel: Schwarzes Loch verschlingt Riesensonne

Astronomen waren Zaungäste bei einem kosmischen Drama: Sie haben in Echtzeit beobachtet, wie ein gigantisches Schwarzes Loch einen Stern verschlingt. Offenbar kam die Rote Riesensonne dem Vielfraß gleich zweimal zu nahe - und wurde nach einem letzten Aufflammen einfach zerrissen.

DPA / NASA / JHU / UC Santa Cruz

London - Im Zentrum der meisten Galaxien vermuten Astronomen gigantische Schwarze Löcher mit der Masse von Millionen Sonnen. Solange sie sich keine Materie einverleiben, befinden sich diese Schwarzen Löcher in einer Art Schlafzustand, in dem sie kaum nachweisbar sind. Doch kommt ein Stern ihnen zu nahe, kann er von den gigantischen Gezeitenkräften zerrissen werden.

Die Sternenmaterie wirbelt dann um das Schwarze Loch, erhitzt sich und leuchtet hell auf , bevor sie verschwindet. Genau solch ein Schauspiel haben Astronomen um Suvi Gezari von der Johns Hopkins University in Baltimore (US-Bundesstaat Maryland) beobachtet. Im Fachblatt "Nature" berichten sie nun von den Messungen, die sie 2010 in einer knapp drei Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie unternommen haben.

"Wir haben den Tod eines Sterns und seine Verdauung in Echtzeit beobachtet", sagt Co-Autor Edo Berger vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts). Wegen der enormen Entfernung war der glücklose Stern zwar nicht direkt zu sehen. Doch aus dem Aufflammen seiner Materie konnten die Forscher die Art des Sterns, den Zeitpunkt seines Zerreißens und die Masse des Schwarzen Lochs bestimmen. Es besitzt demnach rund drei Millionen Mal so viel Masse wie unsere Sonne. Damit ist es etwa so groß wie das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße.

Die Beobachtungen zeigten außerdem, dass das Schwarze Loch der fernen Galaxie von dem zerrissenen Stern eine Menge Helium verspeiste, aber keinen Wasserstoff. Vermutlich handelte es sich bei der Mahlzeit um den Kern eines Roten Riesensterns, dem seine Wasserstoffhülle bereits bei einem früheren Umlauf entrissen worden war. "Dieser Stern hat nur knapp die erste Begegnung mit dem Schwarzen Loch überlebt, in der zweiten Runde kam dann sein unglückliches Ende", erläutert Ryan Chornock, einer der beteiligten Forscher.

Es ist nicht das erste Mal, dass Astronomen Zeugen werden, wie ein Schwarzes Loch einen Stern verschlingt. Meist werden diese seltenen kosmischen Dramen jedoch erst bemerkt, wenn sie schon fortgeschritten sind. Das Besondere an der aktuellen Beobachtung ist, dass die Forscher den Prozess von Anfang an beobachten konnten. Daher konnten sie den Zeitpunkt, an dem der Stern zerrissen wurde, auf zwei Tage genau datieren.

chs/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 77 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
SchizoidMan 03.05.2012
Zitat von sysopDPA / NASA / JHU / UC Santa CruzAstronomen waren Zaungäste bei einem kosmischen Drama: Sie haben in Echtzeit beobachtet, wie ein gigantisches Schwarzes Loch einen Stern verschlingt. Offenbar kam die Rote Riesensonne dem Vielfraß gleich zweimal zu nahe - und wurde nach einem letzten Aufflammen einfach zerrissen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,830903,00.html
Liest man den Artikel, könnte man meinen der Stern wäre tatsächlich erst in den letzten paar Tagen vom schwarzen Loch verschlungen worden
2.
Stäffelesrutscher 03.05.2012
"Wir haben den Tod eines Sterns und seine Verdauung in Echtzeit beobachtet", sagt Co-Autor Edo Berger vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts). Echt jetzt? Obwohl das alles vor rund drei Milliarden Jahren passiert ist?
3. richtig lesen
vostei 03.05.2012
Zitat von SchizoidManLiest man den Artikel, könnte man meinen der Stern wäre tatsächlich erst in den letzten paar Tagen vom schwarzen Loch verschlungen worden
Mit der Entfernungsangabe von drei Milliarden Lichtjahren ist Ihr Einwand ziemlich klar gedeckelt, das Wörtchen Echtzeit wiederum bezieht sich auf die Chronologie des Phänomens.
4. ...tierisch gut!
hr_schmeiss 03.05.2012
Nun, die Diskussion um die Unsinnigkeit des Wörtchens "Echtzeit" in kosmischen Zusammenhange hatten wir hier schon mal. Man hat hier nichts 'beobachtet', und schon gar nicht in "Echtzeit". Erst gewaltige mathematische Modelle und technische Apparaturen haben die "Beobachtung" möglich gemacht. Dass man das Ganze dann in ein anthropozentrisches Sprachspiel kleidet (verschlungen, verdaut, glückloser Stern) machts nicht besser. Warum nicht gleich: das schwarze Loch tat seinen Schlund weit auf und sog den sich verzweiflend wehrenden Stern in sich hinein, fast wie ein Chamäleon, das seine Zunge nach einem fetten Käfer ausrollt...
5.
Irek 03.05.2012
Zitat von sysopDPA / NASA / JHU / UC Santa CruzAstronomen waren Zaungäste bei einem kosmischen Drama: Sie haben in Echtzeit beobachtet, wie ein gigantisches Schwarzes Loch einen Stern verschlingt. Offenbar kam die Rote Riesensonne dem Vielfraß gleich zweimal zu nahe - und wurde nach einem letzten Aufflammen einfach zerrissen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,830903,00.html
Eigentlich gibt es keine "Schwarze Löcher" mindestens nicht solche an die Physiker glauben. Unendlichkeits-Symbol in Zentrum der Milchstraße | READERS EDITION (http://www.readers-edition.de/2011/07/24/unendlichkeits-symbol-in-zentrum-der-milchstrasse/)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS
alles zum Thema Schwarze Löcher
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 77 Kommentare
Trainieren Sie Ihr Gedächtnis!

Fotostrecke
Superschwer: Zehn Milliarden Sonnenmassen