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Trinken im All: Die unerträgliche Leichtigkeit des Weins

Falls Astronauten heimlich getrunken haben, mussten sie sich viel einfallen lassen - nicht nur wegen der Alkohol-Kontrollen am Boden: Im Orbit fallen die alltäglichsten Sachen schwer. Cola schwebt klebrig durch die Kabine, und das Brauen und Zapfen von Bier gerät zum wissenschaftlichen Experiment.

Blutalkohol oder gar eine leichte Fahne - nie werden US-Astronauten wohl so genau auf Nüchternheit überprüft werden, wie die Besatzung der kommenden "Endeavour"-Mission. Ob der Shuttle am Dienstag kommender Woche starten kann, ist unsicher. Gerade untersuchen Experten ein Leck in der Kabine des Raumschiffs. Gleichzeitig laufen hinter den Kulissen der US-Raumfahrtbehörde Nasa die Untersuchungen zu Vorwürfen, Astronauten seien in der Vergangenheit betrunken geflogen.

Die Presse kalauerte: "Houston, wir haben ein Promille" ("Süddeutsche Zeitung"), "Sternhagelvoll" ("Der Tagesspiegel"), "All-kohol bei der Nasa" ("B.Z.") und "Prall im All" ("Frankfurter Allgemeine Zeitung"). Gar von "Allkonauten" ("Berliner Kurier") war die Rede.

Noch sind keine Namen bekannt, konkrete Vorwürfe nicht bestätigt. Generell aber gilt: Trinken außerhalb terrestrischer Gefilde ist gar nicht so einfach. Aus leidvoller Erfahrung wissen russische wie US-amerikanische Raumfahrer: Außer öde angerührter Pulverbrühe verursacht so gut wie alles, was auf Erden angenehm den Durst löscht, im All allerhand Probleme. Die Liste der Negativerfahrungen reicht von schaumigem Schlamassel bei kohlesäurehaltigen Getränken bis hin zu feuchten Rülpsern aus gravitationsverwöhnten Astronauten-Mägen.

Das populärwissenschaftliche Magazin "New Scientist" berichtet auf seiner Website von Versuchen, im Orbit zu brauen und in der Schwerelosigkeit ein ordentliches Bier zu zapfen. Für Bastler, Brauer und Ingenieure dürfte das interessant klingen. Angesichts von rund 20.000 US-Dollar Kosten für jedes Kilogramm Material, das in die Erdumlaufbahn transportiert wird, scheinen dergleichen Getränke-Experimente hingegen fragwürdig - auch deshalb, weil es an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) nicht einmal einen ordentlichen Kühlschrank gibt. So viel aber ist gewiss: Gelänge eines Tages die Produktion schäumenden Biers an Bord, es wäre warm und hätte keine Schaumkrone.

stx

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