Satellitenbild der Woche Eruption der Farben

Dieses Satellitenfoto zeigt einen Vulkan im Norden des Tschad, bekannt für eine trockene, karge Landschaft. Woher kommen also die Farben?

ESA/ Copernicus Sentinel-2B


Natur, die aussieht wie Kunst? Oder Kunst, die aussieht wie Natur? So ganz sicher sein kann man sich in diesem Fall nicht.

Aber, liebe Leserinnen und Leser, Sie haben ja auf einen Artikel aus dem Wissenschaftsressort geklickt. Das ist schon ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass Sie hier keine Rezension über ein Gemälde von Gerhard Richter oder über irgend einen Vertreter des abstrakten Expressionismus lesen werden. Und dass es sich eher um aus der Luft fotografierte Natur handelt.

Das Foto, aufgenommen vom Esa-Satelliten "Sentinel-2B", zeigt einen der Vulkane im Norden des Tschad - eine der entlegensten Regionen der Erde, bekannt für ihre trockene und karge Landschaft. Es handelt sich um den Emi Koussi, er ist mit 3445 Metern nicht nur der höchste Berg des in der Region liegenden Tibesti-Gebirges, sondern auch die höchste Erhebung in der Sahara.

Fotostrecke

33  Bilder
Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Der Schildvulkan hat einen typischen, sehr flachen Gipfel, der von zwei großen, sich überlappenden Calderen gebildet wird. So nennen Geologen kesselförmige und wulstartige Gesteinsstrukturen, die durch die Eruption von Magma entstanden sind oder durch das Einstürzen der Oberfläche in die teilweise geleerte Magmakammer.

Durch den Mangel an Vegetation an den kargen Vulkanwänden haben Wind und Wasser tiefe Rillen in den Fels eingearbeitet - auch das zeigt das Bild sehr deutlich. Kaum irgendwo auf der Erde ist Winderosion so ausgeprägt wie hier. Die Windgassen aus der Sahara haben bis zu 30 Meter tiefe und mehrere Kilometer lange Spalten entstehen lassen.

 Caldera des Emi Koussi - in der Mitte ein kleinerer Krater mit Soda-Feld
AFP/ NASA

Caldera des Emi Koussi - in der Mitte ein kleinerer Krater mit Soda-Feld

Gebiete um Vulkane sind für besonders fruchtbare Böden bekannt. Doch für die Einheimischen ist der Emi Koussi aus einem anderen Grund wichtig: Auf dem Grund der inneren Caldera des Vulkans befinden sich Soda-Ablagerungen, lockeres salzhaltiges Gestein. Die Menschen aus der Region verladen die Mineralblöcke auf Esel und Kamele und transportieren sie in anstrengenden Märschen vom Vulkan herunter. Dann werden die Stücke etwa als Lecksalz für Tiere verwendet.

Bleibt noch eine Frage: Was hat es mit den Farben auf sich?

Es handelt sich um ein Falschfarbenbild, das am Computer erzeugt wird. Die "Sentinel-2"-Erdbeobachtungssatelliten haben hochauflösende Multispektralkameras mit 13 Spektralbereichen an Bord. Damit schicken die "Wächter" Daten zur Erde, die Analysen zum Zustand von Landschaften, Pflanzen, Wäldern sowie der Entwicklung von Ernten oder der Ausbreitung von Megastädten ermöglichen.

In diesem Fall zeigen die Farben Unterschiede in den Mineralien des Gesteins an. Zum Beispiel ist das Grün um den Kegel des Vulkans alte Lava, während Sandstein in der Umgebung in Rot und Gelb erscheint. Auf einem normalen Foto sieht der Emi Koussi eintöniger aus - vor allem braun, so wie auf dem Nasa-Foto oben.

joe



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.