Komet Tschuri entstand bei Zeitlupen-Kollision

Wie eine Ente sah der Komet Tschuri auf den ersten Bildern aus, die die Sonde "Rosetta" zur Erde funkte. Nun haben Forscher seine außergewöhnliche Form erklärt.

ESA/ Rosetta/ Navcam

Die Landung der Sonde "Philae" auf dem Kometen "67P/Tschurjumow-Gerassimenko" im November vergangenen Jahres war ein Meilenstein der Raumfahrtgeschichte. Manche Forscher verglichen den Moment sogar mit der Mondlandung. Die Sonde sollte den Kometen untersuchen und dabei Einblick in die Entstehung unseres Sonnensystems erhalten.

Doch in den Blickpunkt der Öffentlichkeit trat das außergewöhnliche Aussehen des Kometen. Erste Bilder der Sonde "Rosetta", die "Philae" zum Kometen transportierte, ließen den Kometen wie eine Ente aussehen. Tschuri besteht demnach aus einem kleinen Kopf und einem größeren Körper, die über einen schmalen Hals miteinander verbunden sind.

Forscher spekulierten, woher der Komet seine spezielle Form habe. Manche vermuteten, Erosion habe den Komet in der Mitte ausgedünnt, andere vermuteten, dass Tschuri aus zwei Gesteinsbrocken entstand. Jetzt haben Anhänger der zweiten Theorie das Rätsel für gelöst erklärt.

In der Fachzeitschrift "Nature" lieferte ein Team um Matteo Massironi von der Universität Padua Belege, dass Tschuri aus zwei einzelnen Objekten entstand, die nun den Kopf und den Körper des Kometen bilden. Vor einigen Milliarden Jahren sei Tschuri aus einem sanften Zusammenstoß entstanden, bei dem sich zwei kilometergroße Gesteinsbrocken mit geringer Geschwindigkeit aufeinander zubewegten.

Zwiebelartiger Aufbau verrät Entstehungsgeschichte

Die Forscher stützen ihre Studie auf Daten des Bildgebungssystems "Osiris" an Bord der Raumsonde "Rosetta", die die geologischen Strukturen des Kometen offenbaren. Demnach haben beide Teile des Kometen einen zwiebelartigen Aufbau, wobei die einzelnen geologischen Schichten bis zu 650 Meter dick sind. Wäre Tschuri als Ganzes entstanden, müssten sich diese Schichten durch seinen ganzen Aufbau ziehen und nachverfolgen lassen. Dies ist aber nicht der Fall: Sie hören am sogenannten Hals auf. Daraus schließen die Forscher, dass beide Teile in einem frühen Stadium des Sonnensystems durch einen relativ langsamen und sanften Zusammenstoß miteinander verschmolzen sind.

Schon vor einiger Zeit war Wissenschaftlern aufgefallen, dass die Strukturen am Hals des Kometen sich deutlich vom Rest unterscheiden. Im Gegensatz zu Kopf und Körper, die mit Furchen und Kratern überzogen sind, weist er eine glatte Oberfläche auf. Insgesamt waren die Forscher überrascht, wie abwechslungsreich es auf dem Kometen aussieht. Tschuris Landschaften prägen Staubdünen, hohe Klippen und gleichmäßige Ebenen, bis zu 300 Meter breite Löcher und Geröllhalden. Vielerorts bedeckt Staub die Oberfläche, an einigen Stellen existiert auch eine Eisschicht, die, je näher der Komet der Sonne kommt, nach Sonnenaufgang direkt verdunstet, ohne vorher flüssig zu werden.

Offen bleibt, wann genau die beiden Objekte miteinander kollidierten. Über die Entstehung der beiden Einzelteile können die Daten ebenfalls keinen Aufschluss geben. Ausschließen können Forscher bisher lediglich, dass magnetische Kräfte beteiligt waren, da Tschuri kein Magnetfeld aufweist. Die "Rosetta"-Mission wird voraussichtlich noch bis September 2016 dauern.

mls/dpa



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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
Oberleerer 29.09.2015
1.
Aus was besteht das Ding? Ich stelle mir das vor wie zusammengebappten Staub. Das Eis schmilz und dringt in den Boden ein. Dieser erwärmt sich und das Wasser verdampft. Dabei entstehen die Staubfontainen. Könnte ein Mensch dort laufen? Würde ein Sprung ausreichen, um ins All zu fliegen?
Engywuck 29.09.2015
2.
@Oberleerer: die Fluchtgeschwindigkeit von Churi liegt bei deutlich unter 1 m/s (3,6km/h), da solltest du sicherheitshalber nicht mal zu schnell *gehen* - zumal du schon vorher du in eine Umlaufbahn einschwenken oder zumindest extrem weite Sätze machen würdest. Deswegen ist Philae ja auch dreimal gelandet :-)
postit2012 29.09.2015
3. Einmal
Zitat von OberleererAus was besteht das Ding? Ich stelle mir das vor wie zusammengebappten Staub. Das Eis schmilz und dringt in den Boden ein. Dieser erwärmt sich und das Wasser verdampft. Dabei entstehen die Staubfontainen. Könnte ein Mensch dort laufen? Würde ein Sprung ausreichen, um ins All zu fliegen?
geht das schon :-D
knuty 29.09.2015
4.
Zitat von OberleererAus was besteht das Ding? Ich stelle mir das vor wie zusammengebappten Staub. Das Eis schmilz und dringt in den Boden ein. Dieser erwärmt sich und das Wasser verdampft. Dabei entstehen die Staubfontainen. Könnte ein Mensch dort laufen? Würde ein Sprung ausreichen, um ins All zu fliegen?
Im Vakuum des Weltalls gibt es kein flüssiges Wasser. Wasser kann dort nur in Form von Eis oder Gas vorliegen.
ANDIEFUZZICH 30.09.2015
5. Anywhere the wind blows
Zitat von knutyIm Vakuum des Weltalls gibt es kein flüssiges Wasser. Wasser kann dort nur in Form von Eis oder Gas vorliegen.
Vor allem kann man im Weltall keine Windräder installieren, da dort kein Wind weht... Desderwegen hat die ISS auch keine Windräder, sondern Solarmodule...
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