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14. Dezember 2017, 16:58 Uhr

Seltene Beobachtung

Lehrer fotografiert Ariane-Rakete über Deutschland

"Ein kleines, schnelles Wölkchen war zu sehen": Eine Schulklasse hat in Süddeutschland eine Rakete beobachtet, die am Dienstagabend in der Karibik gestartet war.

Eigentlich habe er mit seinen Schülern nach Sternschnuppen Ausschau halten wollen, schreibt Physiklehrer Till Credner von der Schule in Rosenfeld bei Tübingen an SPIEGEL ONLINE. "Stattdessen ging uns dieses kuriose Objekt ins Netz."

Er meint sein Foto, das vier mal mehrere Sekunden belichtet wurde und vier seltsame weiße Streifen zeigt. Die lange Belichtungszeit sollte die Spur von Sternschnuppen aufzeichnen. Doch sie zeigt nun etwas ganz anderes: Spuren einer Rakete.

Am Dienstag um 19:36 Uhr deutscher Zeit hob in Kourou in der Karibik eine Ariane-5-Rakete ab. Sie sollte vier Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo ins All schießen.

"Kleines Wölkchen"

Um 19:53 Uhr hätten er und seine Schüler Ungewöhnliches beobachtet, berichtet Credner: "Ein kleines Wölkchen war am Sternenhimmel zu sehen, welches sich rasch über den Himmel bewegte."

Im Abstand von jeweils 50 Sekunden belichtete Credner seine Kamera. Die ungewöhnlichen Streifen habe er seinem Lehrerkollegen Antonio Schmusch von der Astronomie-AG am Progymnasium Rosenfeld im Zollernalbkreis gezeigt.

"Schmusch konnte unsere Beobachtung mit seiner eigenen Himmelsüberwachung von Dotternhausen aus bestätigen", berichtet Credner.

Zustimmung kommt auch aus den Niederlanden vom Satellitenbeobachter Marco Langbroek: 20 Minuten nach dem Ariane-Start habe der Hobbyastronom Klaas Jobse ähnliche Fotos aufgenommen, berichtet Naturforscher Langbroek auf seiner Website.

Langbroek hat aus den Daten der Esa auch eine Karte mit der mutmaßlichen Flugbahn der Ariane-Rakete von Kourou bis über Europa erstellt.

Abgeworfene Raketenstufe

Wie aber sind die Spuren am Himmel entstanden? Offenbar handele es sich um die Treibstoffwolke einer ausgebrannten Ariane-Raketenstufe in mehreren Hundert Kilometern Höhe, meinen Langbroek und Credner übereinstimmend. "In dem Wölkchen ist jeweils eine gestrichelte Spur, der rotierende Raketenüberrest", erklärt Credner.

Raketen zünden auf ihrem Weg ins All Treibstoff aus mehreren Tanks, sie leeren sich nacheinander. Ist ein Tank leer, wird er abgeworfen, damit sich die Masse der Rakete verringert - mithin weniger Treibstoff benötigt wird, um sie gen Himmel zu befördern.

Nachdem die Ariane den Atlantik überquert hatte, sei der Tank wohl abgefallen, glaubt Langbroek. Mitunter können abgeworfene Raketenstufen eindrucksvolle Leuchtspuren an den Himmel malen - wie an Weihnachten vor sechs Jahren.

boj

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