Tunguska-Ereignis Explosion wurde von Komet verursacht

1908 verwüstete eine Detonation eine riesige Waldfläche in Sibirien. Die genaue Ursache des Tunguska-Ereignisses ist bis heute unklar. Der Start eines Space Shuttle hat nun Hinweise darauf geliefert, dass wohl ein Komet der Auslöser war.


Ithaca - Was hat der Abgasstrahl einer US-Raumfähre mit Tausenden umgeknickten Bäumen zu tun? Viel mehr als man denkt. US-amerikanische Forscher haben nämlich Beobachtungen nach dem Start eines Space Shuttle mit Berichten aus dem Jahr 1908 verglichen - und dabei verblüffende Parallelen festgestellt.

Zerstörter Wald: Auch 1953 liegen noch viele Bäume am Boden - 45 Jahre nach dem Tunguska-Ereignis
AP

Zerstörter Wald: Auch 1953 liegen noch viele Bäume am Boden - 45 Jahre nach dem Tunguska-Ereignis

Bei dem damaligen Tunguska-Ereignis wurden über 2000 Quadratkilometer Wald zerstört, Fensterscheiben eingedrückt und selbst in weiter Entfernung noch Feuerschein und Druckwellen registriert. Was diese Phänomene allerdings verursacht hat - ein Komet oder ein Asteroid, ist bis heute nicht ganz geklärt. Es gibt höchstens schwache Hinweise auf einen Einschlagkrater und keine Meteoriten, die beim Aufklären helfen würden. Forscher vermuten daher, dass der Himmelskörper, was immer er war, bereits in der Atmosphäre explodiert sein muss.

Michael Kelley von der Cornell University in Ithaca hatte sich mit leuchtenden Nachtwolken beschäftigt, Gebilden aus Eiskristallen, die in großer Höhe entstehen. Solche Wolken wurden sowohl nach verschiedenen Shuttle-Starts als auch nach der Tunguska-Explosion im Juni 1908 beobachtet. Das sei nur erklärbar, wenn bei der Explosion ähnlich wie beim Shuttle-Start eine große Menge Wasserdampf in die Atmosphäre gelangt sei, schreiben die Forscher im Fachjournal "Geophysical Research Letters". Derartige Wassermengen könnten nur von hauptsächlich aus Eis bestehenden Kometen freigesetzt werden, jedoch nicht von felsartigen Asteroiden.

Kelley und seine Kollegen glauben, die Lösung des Rätsels aus den auf die Explosion von 1908 folgenden Ereignissen ableiten zu können. Tage später begann über Europa der Himmel für mehrere Tage zu leuchten, selbst im über 4800 Kilometer entfernten Großbritannien. Das - davon ist Studienleiter Kelley überzeugt - müsse auf das Entstehen leuchtender Nachtwolken zurückzuführen sein. Solche Wolken bilden sich normalerweise im Sommer über den Polargebieten in der sogenannten Mesosphäre, in einer Höhe von bis zu 85 Kilometern, und sind damit die höchsten Wolkenformationen der Erde.

Doch auch nach dem Start des Space Shuttle "Endeavour" am 8. August 2007 seien diese Wolken aufgetreten - und zwar ebenfalls mit einer Verzögerung von einigen Tagen. Sie entstehen, wenn der Shuttle seine Abgas-Fahne ausstößt und so Wasserdampf in die Atmosphäre bläst.

Der Komet müsste demnach etwa in der gleichen Höhe auseinandergebrochen sein und ebenfalls Wasserdampf freigesetzt haben, spekulieren die Forscher. Anschließend wurden die Wasserpartikel vermutlich durch Wirbelströme in der Mesosphäre oder der darüberliegenden Thermosphäre erfasst und mit einer Geschwindigkeit von bis zu 330 Kilometern pro Stunde vom Ort ihrer Freisetzung weggetragen. Das erkläre, warum die leuchtenden Nachtwolken erst später und weit entfernt vom eigentlichen Ursprungssort aufgetreten seien.

hda/ddp



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