Überraschung: Auf Merkur brodeln Vulkane

Klein, steinig, heiß und langweilig - so kannte man den Merkur bisher. Nun zeigt der sonnennächste Planet ein neues Gesicht: Die Raumsonde "Messenger" hat Vulkane auf Merkur fotografiert. Unter der trügerisch toten Oberfläche des Miniplaneten brodeln offenbar gigantische Mengen Magma.

Er ist nicht viel größer als der Erdmond und schien bislang genauso leblos. Nun hat der Planet Merkur die Astronomen überrascht. Auf dem Planeten gibt es offenbar unerwartet starken Vulkanismus. Nach 30 Jahren hat eine Raumsonde den schwer erreichbaren, sonnennächsten Planeten wieder besucht. Die Nasa-Sonde "Messenger" hat Vulkane, riesige Lavaströme und Belege für ein gigantisches Magmareservoir unter der Oberfläche des kleinsten Planeten unseres Sonnensystems gefunden. Das berichten Forscher in elf Fachaufsätzen im Fachmagazin "Science".

Merkur: Vulkane formten seine Oberfläche mit
REUTERS / NASA

Merkur: Vulkane formten seine Oberfläche mit

Im Caloris-Becken, dem jüngsten bekannten Einschlagskrater auf dem Merkur, mit einer Million Quadratkilometern rund dreimal so groß wie Deutschland, fanden Astronomen eine Struktur, die sie für einen Schildvulkan halten. Er hat einen Durchmesser von rund 95 Kilometern. Im Caloris-Becken fanden die Wissenschaftler auch noch kleinere Krater, die mit dunklem Gestein gefüllt waren. Die Forscher vermuten, dass es vulkanischen Ursprungs ist. Anders als bei solchem Gestein zu erwarten, enthält es den Messdaten zufolge sehr wenig Eisen. Die Forscher untersuchen nun, worum es sich bei dem ungewöhnlichen Gestein handeln könnte.

Aufgrund seiner direkten Nähe zur Sonne ist der Merkur sowohl von der Erde als auch durch Sonden nur schwer zu untersuchen. Im Januar 2008 erreichte die Raumsonde "Messenger" den der Sonne am nächsten stehenden Planeten des Sonnensystems. Es ist erst die zweite Sonde, die Merkur besucht. 1975 hatte die Nasa-Sonde "Mariner 10" den Planeten untersucht.

"Messenger" hatte bei ihrem Vorbeiflug im Januar auch knapp die Hälfte der bisher unbekannten Hemisphäre des Merkurs kartiert. Die Astronomen rätseln nun über einen ungewöhnlichen Eisenmangel in der Merkuroberfläche. Aus früheren Beobachtungen haben die Forscher abgeleitet, dass rund 60 Prozent der Merkurmasse auf das Konto eines eisenreichen Kerns gehen, mehr als doppelt so viel wie bei jedem anderen Planeten unseres Systems. Dennoch ist das Metall zu höchstens sechs Prozent in der Merkuroberfläche enthalten.

Der Merkur hat einen Durchmesser von 4876 Kilometern und kreist einmal in 88 Tagen um die Sonne. "Messenger" wird noch zweimal am Merkur vorbeifliegen, am 6. Oktober 2008 und am 29. September 2009, und am 18. März 2011 in eine Umlaufbahn um den Merkur einschwenken.

lub/dpa/ddp

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