Überraschungsfund Drei Sonnen teilen sich einen Planeten

Astronomen haben ein Planetensystem entdeckt, von dem sie glaubten, es existiere nur im Action-Epos "Star Wars": ein Planet in Gesellschaft von drei Sonnen. Die Beobachtung bringt bisherige Annahmen über die Entstehung von Planeten ins Wanken.


Dreifach-Sternsystem (Zeichnung): Drei Sonnen, ein Planet
REUTERS/ NASA

Dreifach-Sternsystem (Zeichnung): Drei Sonnen, ein Planet

Eigentlich dürfte es diesen Planeten gar nicht geben - zumindest nicht der gängigen Theorie zufolge. Doch Maciej Konacki vom California Institute of Technology fand die Bestätigung beim Blick durch sein Zehn-Meter-Teleskop: 149 Lichtjahre von der Erde entfernt teilen sich drei Sonnen einen Planeten. So etwas war bisher nur aus Science-Fiction-Filmen wie "Star Wars" bekannt.

Auf dem jetzt entdeckten Gasplaneten aber könnte nichts leben, auch kein junger Luke Skywalker: Der Himmelskörper umkreist seinen Heimatstern in einer engen Umlaufbahn von nur drei Tagen Dauer und ist daher glühend heiß. Zudem befinden sich auch noch zwei miteinander verbundene Begleitsterne im Orbit um die Hauptsonne - und die müssten das Baumaterial für den Gasplaneten eigentlich verbrannt haben.

Wissenschaftler gingen bisher davon aus, dass der Mindestabstand für die Entstehung von Gasplaneten der 2,7-fachen Distanz zwischen der Erde und der Sonne entspricht. Erst hinter dieser "Schneegrenze" kann sich demnach ein Eiskern formen, an dem dann Gas kondensiert.

In dem Dreifachsternsystem namens HD 188753 sollten die beiden zusätzlichen Sonnen das Rohmaterial für die Planetenentstehung schon in rund dem halben benötigten Abstand weggefegt haben, schreibt Konacki im Wissenschaftsmagazin "Nature" (Bd. 436, S. 230). Der Ursprung des heißen Gasplaneten bleibe daher unklar.

Der Riesenplanet ist ein so genannter Hot Jupiter. Bei dieser Klasse von Planeten handelt es sich um Gasriesen mit einer Masse ähnlich des Jupiters, die in einer engen Umlaufbahn ihre Heimatsterne umkreisen. Bisher galt die Theorie, dass solche Planeten jenseits der Schneegrenze entstehen und dann näher zu ihrem Stern wandern.

Diese Annahme wird durch die neue Entdeckung in Frage gestellt, schreiben die Thüringer Planetenjäger Artie Hatzes und Günter Wuchterl in einem Begleitartikel in "Nature". Möglicherweise liege die Schneegrenze doch sehr viel näher an einem Stern als bislang vermutet. Die geschätzte Zahl der Planeten bei anderen Sternen müsste dann nach oben korrigiert werden, schreiben sie.



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