Ufo-Dokumente "Da ist eine Vertuschung im Gange"

130.000 Seiten über Ufos: Ein Blogger hat eine riesige Dokumentensammlung der US-Luftwaffe über unbekannte Flugobjekte veröffentlicht. Sie zeigen, mit welcher Akribie die Militärs einst Fotos und Augenzeugenberichte analysiert haben.

Angebliches Ufo: Das Foto war manipuliert worden.
USAF

Angebliches Ufo: Das Foto war manipuliert worden.


Hamburg - Für Ufologen beginnen aufregende Zeiten. Sie können 130.000 Seiten über angebliche Ufo-Sichtungen durchblättern, welche die Luftwaffe der USA, die US Air Force, zwischen 1947 und 1969 angelegt hatten. Der Freizeitforscher John Greenewald besorgte sich die von der Regierung längst freigegebenen Unterlagen über Jahre hínweg bei den Behörden, jetzt hat er sie auf seinem Blog veröffentlicht.

"Project Blue Book" hieß das Ermittlerteam der Air Force. Es analysierte mehr als 12.000 Sichtungen unbekannter Flugobjekte (Ufos), die Bürger und Piloten gemeldet hatten. Für 701 fanden sich keine Erklärungen, sie blieben "unidentifiziert" - und schüren die Legende von Außerirdischen, welche die Erde besucht haben sollen.

Die Air Force schloss die Akten mit dem Ergebnis, dass "keines der berichteten Ufos jemals einen Hinweis gegeben hat, eine Gefahr für die nationale Sicherheit oder ein außerirdisches Flugzeug gewesen zu sein". Für Greenewald ein klares Zeichen für Geheimniskrämerei: "Ich glaube, dass die Dokumente ohne jeden Zweifel zeigen, dass eine Vertuschung im Gange ist", sagte er ABC-News.

In den Dokumenten finden sich vor allem Fälle, bei denen seltsame Lichter gesichtet wurden. Mit verblüffender Sorgfalt widmeten sich Air-Force-Experten damals den Einsendungen. Die Unterlagen zeigen eindrucksvoll, dass jeder noch so kuriose Brief, jedes skurrile Foto genau analysiert wurde - und jeweils einen langwierigen und oft aufwendigen bürokratischen Vorgang auslöste.

Meist waren Wetterphänomene die Ursache der Himmelserscheinungen, oder Artefakte auf dem Fotofilm. 1965 etwa berichtete ein Air-Force-Pilot von einem hellen Objekt, das dreimal hoch und runter flog und schließlich mit etwa 1000 km/h davonraste. Ermittler stellten fest, es müsse sich um Reflexionen des Sonnenlichts in nebliger Luft gehandelt haben.

Von den Leichen Außerirdischer, die nach dem Absturz eines Ufos 1947 nahe der US-Kleinstadt Roswell geborgen und in der geheimen Militärstation "Area 51" versteckt worden sein sollen, ist dagegen auch in diesen Dokumenten keine Rede. Die Legende des Ufo-Absturzes von 1947 wird also wohl weiterleben. Denn gerade für Ufologen gilt die Maxime: Solange etwas nicht widerlegt ist, könnte es wahr sein.

Hier eine Auswahl von Fotos, die bei der Air Force eingegangen sind:

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Aus dem romantischen Strandspaziergang wurde eine 134-seitige Akte bei der Air Force. Ein Mann flanierte im Sommer 1966 an der Küste von Westhampton mit einer Freundin im Sonnenuntergang, als sie plötzlich ein seltsames Flugobjekt entdeckten. Zuerst habe er es für ein Flugzeug gehalten, schreibt die Air Force. "Doch dann bemerkte meine Freundin, dass das Objekt zwei Beine hatte, mit einem Licht an jedem. Ein Licht war rot, das andere war grün."

Als das rätselhafte Ding über ihnen am Himmel stand, seien die beiden Beine verschwunden "und ein riesiges, gelbes, Blicklicht war zu sehen." Die Air Force vermutete nach ausgiebiger Inspektion, dass es sich um ein Flugzeug gehandelt hatte. Die Linse des Fotoapparats hätte das Licht der Sonne reflektiert. Da der Spaziergänger den Fall aber erst Monate später meldete und in der Gegend viel Luftverkehr herrschte, konnte das Flugzeug nicht identifiziert werden.

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Das Foto einer Fotografieschülerin beschäftigte monatelang diverse Experten bei der Air Force; der Briefverkehr ist auf 74 Seiten dokumentiert. Die Einsenderin hatte ihre ausufernden Beschreibungen mit dem Appell geschlossen: "Ich bitte Sie eindringlich, den Fall mit unvoreingenommenen Verstand zu untersuchen". Die seitenlangen Ergebnisse der Experten endeten mit der Feststellung, es handelte sich um einen Jux, das Foto sei manipuliert worden.

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Eine Vergrößerung des gleichen Fotos: Die "fliegende Untertasse" von 1957 wurde von der Air Force besonders genau untersucht.

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"Sehr geehrte Herren", schrieb ein besorgter Italiener am 7. Juli 1959 an die Air Force. "Das Foto vom Pentagon habe ich Anfang Februar gemacht.... Hätte ich das leuchtende Objekt vorher gesehen, hätte ich Ihnen das Foto früher geschickt". Die Dokumente der Air Force verraten, dass Brief und Foto am 21. Juli zur Untersuchung weitergegeben wurden. Am 3. August lag die erste Analyse vor: Das Foto habe extremen Kontrast, aber für eine genauere Analyse bedürfe es des Negativs.

Am 6. August folgte eine weitere Stellungnahme: Der Fotograf habe das Pentagon mit dem Captitol verwechselt. Neben dem Capitol sei ein unidentifiziertes Objekt auf dem Bild zu sehen. Man sollte beim Absender das Negativ anfragen. Vom 11. September 1959 stammt der nächste Bericht: Die Mikroskopanalyse des Negativs zeige ein Flugzeug unbekannten Typs zwischen Capitol und Washington Monument.

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Dieses Foto aus Colorado, aufgenommen von einem kanadischen Touristen im Sommer 1960, soll ein Flugobjekt in großer Höhe zeigen. Auf zwei Briefseiten beschrieb die Air Force detailliert ihr Ergebnis: Der Winkel des angeblichen Flugobjekts zum Boden und zum Fotografen waren berechnet worden. Aus der Belichtungszeit wurde eine mögliche Geschwindigkeit des Ufos abgeleitet. Nach Aufzählung aller Berechnungen und Überlegungen folgerte der unterzeichnende Air-Force-Colonel, es müsse sich um eine längliche Wolke gehandelt haben, die durch ein schmieriges Fenster aufgenommen worden war. Zur weiteren Analyse sollte der Fotograf fünf Fragen beantworten, unter anderem, ob er durch ein Fenster fotografiert hatte und ob es Zeugen gegeben hätte. Eine Antwort ist nicht dokumentiert.

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"Sie haben mein Negativ nicht erhalten", schrieb verwundert der Urheber dieses Fotos, ein Lehrer, an die Air Force. "Ich bin sicher, dass ich es Ihnen geschickt habe." Sollte es nicht wieder gefunden werden, zum Beispiel "im unteren Bereich des Briefumschlags", würde er versuchen, ein weiteres Negativ zu finden. Eine Zeichnung des Fotografen beschrieb den angeblichen Weg des Ufos. Ein abschließender Bericht der Air Force zum dem 27-seitigen Fall findet sich allerdings nicht in den Dokumenten. Offenbar handelt es sich also um ein unidentifiertes Flugobjekt.

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Auch Fälle aus Europa irritierten die Air Force. Angeblich wurden in den Fünfzigerjahren in Italien, Schweden und Jugoslawien mehrere seltsame Flugobjekte am Himmel gesichtet. Dieses Bild wurde 1954 in Taormina auf Sizilien aufgenommen und auch in amerikanischen Zeitungen veröffentlicht. In einer Bildunterschrift hieß es: "Italien wird in letzter Zeit überschwemmt mit Meldungen von fliegenden 'Rätseln'". Die Air Force nahm sich auch diesen Fällen an. Ein abschließendes Ergebnis wird in den Akten nicht angegeben. In einer handschriftlichen Notiz ist lediglich vermerkt, dass die Herren auf dem Bild ja gar nicht zu den vermeintlichen Ufos schauen würden, sondern daran vorbei.

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Zusammen mit einem 18-jährigen Freund hatte ein 16-jähriger im Mai 1967 ein Ufo über der Stadt Sioux gesehen. Die Lokalzeitung berichtete ausführlich. Sie ließ den Jungen das Ufo zeichnen: Eine konkave Scheibe von etwa sieben Metern Breite und zweieinhalb Metern Höhe.

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Hier schweben scheinbar vier fliegende Untertassen über der Stadt Salem in Massachusetts. Ein Mann der Küstenwache hatte sie 1952 fotografiert. Ein Experte der Air Force schrieb, die weißen Flecken seien durch einen schnellen Temperaturwechsel entstanden. Ein anderer hält sie schlicht für eine Fälschung. Die verwischten Ränder der weißen Flecken würden darauf hinweisen, dass die weißen Ovale einfach hineingepinselt wurden. Anhand der Negative konnte die Air Force schließlich feststellen: Das Bild war durch eine Fensterscheibe aufgenommen worden. Die vermeintlichen Ufos waren wahrscheinlich Deckenlichter, die sich im Glas spiegelten.

boj/vwu

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 139 Beiträge
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Seite 1
freidimensional 20.01.2015
1. Wenn die berichtende Behörde und die nachgeschalteten Medien
behaupten, es gäbe keine Zeugen für dies oder jenes, dann bedeutet das nicht mehr und nicht weniger, als dass eben (wahrscheinlich sehr viele) Zeugen willkürlich aus dem Erkenntnisfindungsprozess ausgebootet worden sind. Kennt man doch, wird täglich praktiziert, auch von den Medien, die eine gewisse vorgegebene Argumentation durchziehen wollen. Oft genug sterben sie einfach weg, die Augen- oder Ohrenzeugen, bevor sie protokolliert worden sind... Also, man hat entschieden, dass wir uns damit abzufinden haben: Das System sagt "Es gibt keine UFOs, also lasst jede weitere Erwähnung bleiben oder euch als Idioten oder krankhafte Geister beschimpfen". Oder so ähnlich. Ja, es wird wie im Subtitel angegeben, akribisch die Wahrheitssuche durch die X-filer betrieben, alles ausgewertet (und dann für Junk befunden) und dann dem Wahrheitsministerium zur Beschlussfassung überreicht und medial verkaufsfertig formatiert...."UFO? Nee, da war nix. Cool down".... aber wie sagte schon Simone de Beauvoir: "Die hinterhältigste aller Lügen ist die Auslassung" Das hier lancierte Resümee ist keiner ernsthaften Diskussion würdig, weil es aus ziemlich vielen Auslassungen besteht.
Tolotos 20.01.2015
2. Ich bezweifle, dass uns viele UFOs besuchen.
Eine entscheidende Voraussetzung für einen regen Besuch Außerirdischer dürfte (neben deren Existenz an sich) auch die Möglichkeit zu Raumfahrt mit Überlichtgeschwindigkeit sein. Dafür gibt es aber bisher keine Hinweise, und deshalb gehe ich davon aus, dass die nur existiert, weil die SciFi sonst recht langweilig wäre. :-) Ohne die Möglichkeit zur Überlichtgeschwindigkeit müssten Intelligenzen, die interstellare Raumfahrt betreiben, uns so weit überlegen sein, dass wir für sie wohl kaum mehr als eine rudimentäre Intelligenz besäßen und deshalb völlig uninteressant wären.
Moewi 20.01.2015
3.
Zitat von TolotosEine entscheidende Voraussetzung für einen regen Besuch Außerirdischer dürfte (neben deren Existenz an sich) auch die Möglichkeit zu Raumfahrt mit Überlichtgeschwindigkeit sein. Dafür gibt es aber bisher keine Hinweise, und deshalb gehe ich davon aus, dass die nur existiert, weil die SciFi sonst recht langweilig wäre. :-) Ohne die Möglichkeit zur Überlichtgeschwindigkeit müssten Intelligenzen, die interstellare Raumfahrt betreiben, uns so weit überlegen sein, dass wir für sie wohl kaum mehr als eine rudimentäre Intelligenz besäßen und deshalb völlig uninteressant wären.
Vielleicht wären wir aber ganz brauchbar zum "Bau" von Biobomben zur langfristigen Vernichtung von Ökosystemen. Unser Genpool scheint in dieser Richtung recht vielversprechend.... Solange auf den verschwommenen Bildern kein Borgkubus zu erkennen ist, sollten wir die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht kommen die Vulkanier doch früher ;o)
Hermes75 20.01.2015
4.
Ohne Zweifel hatte das US-Militär während des Kalten Krieges viel zu vertuschen, aber ganz sicher keinen Besuch von Außerirdischen. Die meisten "Sichtungen" beruhten einfach auf höchst geheimen Entwicklungsprojekten von CIA und Air Force die in den 50er und 60er Jahren allerlei exotische Fluggeräte entwickelt haben (z.B. U2 und Oxcart/Blackbird, Projekt Mogul) - ja sogar fliegende Scheiben: http://de.wikipedia.org/wiki/Avro_Canada_VZ-9AV
Paul Panda 20.01.2015
5. Blue Book, Grudge und Sign
Kenner der Szene behaupten ja, dass bei Blue Book absichtlich viele erklärbare Fälle gesammelt wurden, um den Glauben an UFOs zu untergraben. Neben Blue Book gab es damals übrigens noch die interessanten Projekte "Grudge" und "Sign", von denen man aus den Medien jedoch kaum etwas erfährt. Als diese Projekte ins Leben gerufen wurden, waren übrigens nicht nur die US-amerikanischen Militärs und Regierungsmitglieder besorgt über die steigende Zahl der Sichtungen: Es gab damals zahlreiche Konferenzen zu diesem Thema auf höchsten internationalen Ebenen - eine Tatsache, die den meisten "UFO-Belächlern" heute nicht bekannt ist, weil alles so lange zurück liegt (siehe u.a. Timothy Good: "Need to know"). Sichtungen wie in Bluebook beschrieben, werden übrigens bis heute tagtäglich aus aller Welt auf verschiedenen, teilweise auch seriösen Internetblogs gemeldet (z.B. Filers Files). Wer sich in die Blue Boook Dateien einlesen will, braucht übrigens viel Geduld und gute Augen: Die Kopien der alten Schreibmaschinenschriften sind sehr schlecht zu entziffern.
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