Ultrakompakt: Astronomen entdecken neuen Galaxientyp

Sie sehen aus wie Kugelsternhaufen - und sind doch viel größer. Forscher sind auf eine bislang unbekannte Klasse von Galaxien gestoßen, die eine wichtige Rolle in den Gleichungen der Kosmologen spielen könnte.

Zentrum des Fornax-Galaxienhaufens mit ultrakompakter Galaxie (o.) und elliptischer Zwerggalaxie mit Kern (u.): Lange für Sterne gehalten
Las Campanas Observatory/ NASA/ ESA / STScI

Zentrum des Fornax-Galaxienhaufens mit ultrakompakter Galaxie (o.) und elliptischer Zwerggalaxie mit Kern (u.): Lange für Sterne gehalten

Wegen ihres unscheinbaren Äußeren hielt man sie lange für Sterne der Milchstraße. Doch bei den kleinen Leuchtpunkten, die eine internationale Gruppe von Astronomen jetzt aufgespürt hat, handelt es sich in Wirklichkeit um ausgewachsene Galaxien - und zwar von einer Art, die bislang in den Katalogen der Wissenschaftler nicht vorkam.

Die Sternansammlungen, die das Team um Michael Drinkwater von der australischen University of Queensland in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Nature" vorstellt, erinnern an die runden Sternhaufen in den Außenbezirken unserer Galaxis: "Lägen sie nahe der Milchstraße, dann würde man sie als gigantische, überdimensionierte Kugelsternhaufen sehen", erklärt Co-Autor Michael Hilker von der Universität Bonn.

Die Entdeckung gelang bei einer kompletten Durchmusterung des relativ nahe gelegenen Fornax-Galaxienhaufens mit dem Anglo-Australian Telescope (3,9 Meter Spiegeldurchmesser) im australischen Siding Spring. Dabei konnten die Forscher einige mutmaßliche Sterne als ungewöhnlich kompakte Zwerggalaxien entlarven.

Weitere Beobachtungen, darunter mit dem Weltraumteleskop Hubble und dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte auf dem chilenischen Cerro Paranal, lieferten nähere Kenndaten der Galaxien - mit überraschendem Ergebnis: "Eine solche Kombination von Helligkeit, Kompaktheit und Masse gab es im bislang bekannten Galaxienzoo nicht", so Hilker.

Vermutlich entwickeln sich die so genannten ultrakompakten Galaxien aus einem anderen Typ kleinwüchsiger Sternansammlungen. Hilker: "Die beste Erklärung für die neuen kompakten Zwerggalaxien ist, dass sie Überreste von ehemals elliptischen Zwerggalaxien mit Kern sind." Wenn diese Vorgänger ihre äußeren Sterne verlieren, so zeigten Simulationen, können tatsächlich Gebilde mit der beobachteten Form entstehen.

Stimmt dieses Herkunftsmodell, dann könnte der neue Galaxientyp als Hinweis auf frühere kosmische Turbulenzen dienen. Zudem dürfte er das Unbehagen vieler Kosmologen mildern: Ihre Modelle vom Universum sagen mehr Zwerggalaxien voraus, als bisher gezählt wurden. Die ultrakompakten Galaxien erklären womöglich diese Diskrepanz - bei früheren Erhebungen gingen wahrscheinlich viele von ihnen als Sterne durch.

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