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Unbekannte Flugobjekte: Großbritannien stellt geheime Ufo-Akten ins Internet

Rote Blinklichter, Aliens in grünen Overalls: Die britische Armee hat jahrzehntelang Berichte über angebliche Ufo-Sichtungen erstellt. Jetzt veröffentlichte sie einen ganzen Stoß Akten. Sie belegen, wie akribisch die Beamten den Hinweisen nachgingen - allerdings eher aus irdischem Interesse.

Im britischen Verteidigungsministerium weiß man, wie man die Öffentlichkeit am besten mit einst geheimen Informationen füttert: häppchenweise. Vor zwei Jahren gelangte der erste Ufo-Bericht an die Öffentlichkeit. Im Januar kündigte dann die Regierung an, weitere Dokumente über unidentifizierte Flugobjekte in Kürze veröffentlichen zu wollen. Nun ist es passiert - der nächste Schwung einstiger Geheimdossiers wurde ins Internet gestellt.

Jedes Jahr erhalte man "eine Vielzahl von Anfragen, die Ufos betreffen", teilte das Verteidigungsministerium mit. Um diesen Nachfragen gerecht zu werden, wolle man die historischen Dokumente auf strukturierte Weise veröffentlichen.

Die gescannten Akten stammen aus den Jahren 1978 bis 1987 und enthalten Tausende Sichtungen. Weitere Dokumente sollen folgen. Der Zugriff soll für einen Monat kostenlos sein - danach werden Gebühren fällig.

Außerirdische im Flug über ein Pub?

Wer sich durch die riesigen PDF-Dateien auf dem Server des Nationalarchivs kämpft, findet bizarre Berichte, die die Beamten penibel notiert haben. So meldeten im Jahre 1982 Gäste eines Pubs in Südostengland den möglichen Besuch von Außerirdischen. Doch die roten und grünen blinkenden Lichter waren vermutlich eher auf den Bierkonsum der Kneipenbesucher und die Flugzeugschneise über ihnen zurückzuführen als auf die bevorstehende Landung einer fliegenden Untertasse.

Manches Dokument könnte aus der Feder eines Science-Fiction-Autors stammen. So berichtete der Fischer Alfred Burtoo aus dem südenglischen Hampshire, zwei Männer in grünen Overalls hätten ihn in ihrem Ufo mitnehmen wollen. Als er diesen jedoch erzählt habe, er werde bald 78, hätten diese abgewinkt: "Du darfst gehen, du bist zu alt und schwach für unsere Zwecke."

Ein anderer Mann sagte, er habe seit seiner Kindheit "körperlichen und übersinnlichen" Kontakt zu kleinen grünen Männchen gehabt. Eine der Kreaturen sei dann jedoch von einer anderen Außerirdischenrasse getötet worden - weil die britische Regierung von dem Kontakt Wind bekommen habe.

Vermeintliches Ufo an der Waterloo-Brücke

Andere Sichtungen klingen da seriöser. Sie stammen zum großen Teil von Polizisten und Piloten, die auf dem Radar vermeintliche Ufos ausmachten. Außerdem gebe es Sichtungen mit mehreren "Zeugen", sagte Ufo-Experte Nick Pope, der lange für das Verteidigungsministerium arbeitete. So blieben auf der Waterloo-Brücke in London einst mehrere Menschen stehen, um ein vermeintliches Ufo in der Form einer Untertasse zu begutachten. Doch statt um unidentifizierte Flugobjekte handelte es sich nach Angaben von Pope um banalere Phänomene - wie Flugzeuglichter, brennenden Raumfahrtschrott, Wetterballons oder ungewöhnliche Wolkenformationen.

Obwohl es Hunderte Berichte über angebliche Begegnungen mit Ufos oder Außerirdischen gab, waren die Beamten offensichtlich nicht beeindruckt: "Es gibt mit Sicherheit keine Beweise, dass Außerirdische auf diesem Planeten gelandet sind", steht in einer Akte. Eine Anmerkung aus dem Jahr 1979 lautet schlicht: "Die Regierung Ihrer Majestät wurde niemals von Außerirdischen kontaktiert."

So sieht dies auch David Clarke, ein britischer Ufo-Experte, der die Veröffentlichung der Dokumente auf dem Server des Nationalarchivs mit vorbereitet hat. Es gebe keinen einzigen Beweis dafür, dass ein außerirdisches Flugobjekt die Insel erreicht habe, sagte er. "Sie haben nichts Derartiges entdeckt, nicht mal ein Fitzelchen. Das ist alles, was wir sagen können."

Suche nach Spionen statt nach Außerirdischen

Die britischen Militärs erfassten die Ufo-Sichtungen übrigens nicht, weil sie Außerirdische fürchteten - sondern weil sie Spionage vorbeugen wollten. Clarke zufolge hörten sie immer dann mit Nachforschungen zu einem angeblichen Ufo-Fall auf, sobald sie sicher waren, dass dahinter kein feindliches Flugzeug steckte. Die Beamten füllten Hunderte Seiten ihrer Dossiers, ohne auch nur im Entferntesten zu glauben, dass tatsächlich Außerirdische die Erde besucht haben.

Dass ihre Skepsis mehr als berechtigt ist, zeigt auch ein Blick in die deutsche Ufo-Sichtungsdatenbank des Centralen Erforschungsnetzes außergewöhnlicher Himmelsphänomene ( Cenap). Dort sind diverse mysteriöse Leuchterscheinungen aufgelistet - nebst den Erklärungen dafür, die in den allermeisten Fällen nachweislich nichts mit Aliens zu tun haben.

hda/dpa/AP

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