Wissenschaft

Programm der US-Regierung

Pentagon forschte jahrelang heimlich nach Ufos

Das Programm wurde zwar 2012 beendet - einige Geheimdienstmitarbeiter machten trotzdem weiter: Jahrelang hat die US-Regierung laut Medienberichten heimlich Millionen Dollar für die Suche nach Ufos ausgegeben.

Sonntag, 17.12.2017   12:19 Uhr

Das Pentagon ist nach Medienberichten jahrelang in aller Stille Berichten über mysteriöse Flugobjekte oder Ufos nachgegangen. Die Aufwendungen für das "Advanced Aerospace Threat Identification Program" (Programm zur Identifizierung von Bedrohungen im Luft-und Weltraum) in Höhe von 22 Millionen Dollar pro Jahr seien jeweils im rund 600 Milliarden Dollar hohen Verteidigungshaushalt versteckt gewesen, berichteten "New York Times" und "Politico".

Demnach hat das US-Verteidigungsministerium die Existenz des 2007 ins Leben gerufenen Programms jetzt bestätigt, aber betont, dass es 2012 eingestellt worden sei. Man habe seinerzeit entschieden, dass es wichtigere Dinge gebe, in die man das Geld stecken könne, zitierten die Medien Ministeriumssprecherin Dana White.

Wie es weiter hieß, kam das Programm auf Initiative von Harry Reid aus Nevada zustande, dem damaligen demokratischen Mehrheitsführer im US-Senat. Er habe schon immer großes Interesse an Weltraumphänomenen gehabt.

Geleitet wurde das Programm von Luis Elizondo, einem militärischen Geheimdienstbeamten im Pentagon. Das meiste Geld sei an ein vom Milliardär Robert Bigelow betriebenes Forschungsunternehmen geflossen.

"Science-Fiction ist nun wissenschaftlicher Fakt"

Mit dem Geld habe Bigelows Firma unter anderem Gebäude in Las Vegas modifiziert, um darin Metalllegierungen und weitere Materialien zu lagern, von denen Elizondo und andere Auftragnehmer des Programms behaupten, dass sie von unidentifizierten Flugobjekten stammen. Zudem sollen Menschen auf physische Veränderungen untersucht worden sein, deren Kontakt mit solchen Fundstücken körperliche Effekte hervorgerufen haben soll.

Noch 2009 war Reid überzeugt, das Programm habe so außergewöhnliche Entdeckungen gemacht, dass die Sicherheit erhöht werden müsse, um diese zu schützen. In einer Einsatzbesprechung im Pentagon desselben Jahres schrieb er: "Was wir bisher für Science-Fiction hielten ist nun wissenschaftlicher Fakt." Und: Die USA seien machtlos gegen einige der Technologien, die das Programm entdeckt hätte. Reids Gesuch wurde dennoch abgelehnt.

Pentagon-Video: Kampfjet filmt unbekanntes Flugobjekt

Vor Kurzem sagte Reid in einem Interview zu diesem Thema: "Es ist mir nicht peinlich und es tut mir nicht leid, dass ich diese Sache auf die Beine gestellt habe. Ich habe etwas getan, das niemand zuvor getan hat."

701 Sichtungen blieben ungeklärt

Nicht ganz. Ein ähnliches Projekt gab es bereits in den Fünfziger- und Sechzigerjahren. Von 1951 bis 1969 arbeitete ein Ermittlerteam des Geheimdienstes der US-Luftwaffe am "Projekt Blue Book". In dieser Zeit wurden rund 12.000 Sichtungen von unbekannten Flugobjekten gesammelt und untersucht. Die meisten ließen sich durch Sterne, Wolken, regulären Luftverkehr und Spionageflugzeuge erklären. 701 Sichtungen blieben ungeklärt.

Als das Projekt 1969 beendet wurde, sagte Robert C. Seamans Jr., damals ziviler Leiter US-Luftwaffe, das "Blue Book" könne "nicht länger gerechtfertigt werden, weder als Beitrag zur nationalen Sicherheit, noch durch das Interesse der Wissenschaft".

Bei dem 2012 offiziell beendeten Projekt haben der "New York Times" zufolge Mitarbeiter trotz des Finanzierungsstopps neben ihren anderen Pentagon-Aufgaben weiter Berichte über mysteriöse Flugobjekte untersucht, die ihnen von Militärangehörigen zur Kenntnis gebracht wurden. Pentagon-Mitarbeiter Elizondo sagte der "New York Times" vor Kurzem in einem Interview, er habe noch bis Oktober dieses Jahres weiter an dem Projekt gearbeitet. Mittlerweile hat Elizondo laut eigener Aussage aufgrund internen Gegenwinds gekündigt. In seinem Kündigungsschreiben fragte er: "Warum verwenden wir nicht mehr Zeit und Anstrengung auf dieses Thema?"

Die meisten Wissenschaftler, die sich mit dem Thema beschäftigen, haben darauf eine einfache Antwort. Selbst die Optimisten unter ihnen vermuten, es gäbe einige Tausend intelligente Zivilisationen in unserer Milchstraße. Klingt doch ganz gut. Doch selbst wenn eine dieser Zivilisationen ein Raumfahrtprogramm und Interesse daran hätte, nach intelligentem Leben zu fahnden - die Milchstraße ist unvorstellbar groß.

Mit ihren 100 bis 300 Milliarden Sternen hat sie einen Durchmesser von etwa 100.000 Lichtjahren bei einer Dicke von 3000 Lichtjahren. Selbst bei ein paar Tausend schlauen Alien-Völkern, betrüge der mittlere Abstand zwischen zwei Zivilisation rund 1000 Lichtjahre.

Und dann gibt es ja auch noch die Skeptiker. Etwa den Geologen und Paläontologen Peter Ward und den Astronomen und Astrobiologen Donald Brownlee. Gemeinsam haben sie die Seltene-Erde-Hypothese begründet und sagen: Wir sind allein in unserer Milchstraße. Schlechte Voraussetzungen für einen Besuch aus dem All.

bma/rtr

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