US-Studie: Nasa fehlt Geld für Fahndung nach Killer-Asteroiden

Im Sonnensystem gibt es Tausende Asteroiden, die zur Gefahr für die Erde werden könnten - doch der US-Weltraumbehörde Nasa fehlt das Geld für die systematische Suche, heißt es in einer neuen Studie. Auch die ambitionierten Mond- und Mars-Pläne der USA stehen wegen Geldmangels auf der Kippe.

DPA/ NASA

Washington - Es ist bereits ungezählte Male in der Geschichte der Erde passiert, und für Statistiker ist es lediglich eine Frage der Zeit, wann es wieder geschehen wird: der Einschlag eines großen Meteoriten. Die möglichen Schäden reichen von regionalen Verwüstungen bis hin zur globalen Katastrophe - je nachdem, wie groß der entsprechende Meteorit ist und aus welchem Material er besteht.

90 Prozent aller großen, erdnahen Asteroiden sollen deshalb bis 2020 ausfindig gemacht und überwacht werden - so lautete 2005 der Auftrag des US-Kongresses an die Nasa. Allerdings habe es die Politik versäumt, die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen, wie es jetzt in einem Bericht der National Academy of Sciences (NAS) heißt. In Europa sieht es übrigens nicht besser aus: Hier wird die Gefahr noch weniger ernst genommen als in den USA.

Wissenschaftler schätzen, dass sich rund 100.000 Asteroiden und Kometen in der Nähe der Erde befinden. Bei 20.000 davon bestehe die Gefahr, dass sie früher oder später auf der Erde einschlagen. Darunter befinden sich Brocken wie etwa der rund 130 Meter große Asteroid "2007 VK184". Er könnte mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu 2940 in den Jahren 2048 oder 2057 die Erde treffen. Dabei würde er eine Energie von etwa 150 Millionen Tonnen TNT freisetzen, was in etwa der Stärke von 10.000 Hiroshima-Bomben entspricht.

Laut "Space.com" hat die Nasa bislang 6330 potentiell gefährliche Himmelsobjekte aufgespürt. 1000 davon sind in Umlaufbahnen unterwegs, die in der Zukunft eine mögliche Gefährdung der Erde darstellen könnten, sagte Nasa-Experte Lindley Johnson. Die Nasa hat erst vor kurzem die Website "Asteroid Watch" eingerichtet, mit der sie die Öffentlichkeit über die Suche nach den sogenannten Near-Earth Objects informieren will.

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Kometen-Crash: Armageddon auf Jupiter

Wie überraschend Asteroiden auftauchen können, wurde erst kürzlich mehrfach deutlich: Den Einschlag eines Riesenbrocken auf dem Jupiter (siehe Fotostrecke) bekamen professionelle Himmelsforscher gar nicht mit; erst die Fotos eines Amateur-Astronomen machen sie darauf aufmerksam. Im März schrammte ein Asteroid in nur 70.000 Kilometern Abstand an der Erde vorbei. Er war nur drei Tage zuvor entdeckt worden - für Gegenmaßnahmen wäre es wohl zu spät gewesen, hätte er sich auf Kollisionskurs befunden.

Mond- und Marspläne wegen Geldmangel gefährdet

Auch die Pläne der US-Regierung für bemannte Flüge zu Mond und Mars drohen an der Finanzierung zu scheitern. Wie ein von US-Präsident Barack Obama eingesetztes Expertenteam am Mittwoch in Washington mitteilte, reicht das bislang geplante Budget in Höhe von neun Milliarden US-Dollar (rund 6,3 Milliarden Euro) pro Jahr für derlei Erkundungen bei weitem nicht aus. Mindestens drei weitere Milliarden Dollar jährlich seien nötig, sagte die ehemalige Astronautin Sally Ride bei einer öffentlichen Sitzung des Gremiums.

Die unabhängigen Experten, die das gesamte bemannte Raumfahrtprogramm der USA unter die Lupe nehmen sollen, wollen am Freitag mit Vertretern von Regierung und Nasa zusammenkommen. Ihr Bericht soll bis Ende des Monats fertiggestellt sein. Darin werden jedoch keine konkreten Empfehlungen gegeben, sondern vor allem Möglichkeiten aufgezeigt, wie beispielsweise nach dem Auslaufen des Space-Shuttle-Programms zu verfahren ist, wie man eine neue Generation von Raumschiffen ins All bekommen könnte oder wie es mit der Internationalen Raumstation ISS weitergehen könnte.

Unter anderem sprachen sich die Experten für eine Verlängerung der Space-Shuttle-Flüge zur ISS bis mindestens 2011 aus, um beim Ausbau der Raumstation nicht unter Zeitdruck zu geraten. Nach bisherigen Planungen sollen die Shuttles im kommenden Jahr ausgemustert werden.

Er sei erstaunt, dass keines der bislang geplanten Projekte zur bemannten Raumfahrt mit den dafür vorgesehenen Mitteln zu finanzieren sei, sagte Norman Augustine, der Vorsitzende des Gremiums und Ex-Chef des US-Luft- und Raumfahrtkonzerns Lockheed. Es mache der Nasa seit Jahren zu schaffen, "dass man Ziele verfolgt, ohne über die Ressourcen zu verfügen, sie zu erfüllen", sagte Augustine. Und da man dabei nicht mitmachen wolle, sage man jetzt, "wie es ist".

Generell dürfe man von den Plänen für einen bemannten Flug zum Mars aber nicht abrücken. Dies müsse das ultimative Ziel der menschlichen Raumfahrt bleiben, unterstrichen die Experten.

mbe/dpa

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