Venus Sonde durchleuchtet mysteriöse Sturm-Zwillinge

Der stürmische Quirl am Südpol der Venus hat zwei Augen. Forscher rätseln: Wie kann der Wirbelsturm sich dort halten, wie funktioniert er? Mit Infrarot-Videoaufnahmen wollen sie die Mechanik hinter dem Sturm entschlüsseln und endlich die Treibhausatmosphäre der Venus verstehen.


Als die Wirbel in der Venusatmosphäre vergangenes Jahr entdeckt wurden, waren die Wissenschaftler ebenso verblüfft wie ratlos: Wie hält sich die riesige Struktur so stabil am Südpol unseres Nachbarplaneten? Was treibt sie an? Und warum kann sie anscheinend auf der Stelle stehen? Ihr Staunen wurde nicht geringer, als wenig später auch am Nordpol ein geheimnisvoller Doppelwirbel fotografiert wurde.

Bis die europäische Sonde "Venus Express" im Frühjahr 2006 in die Umlaufbahn um die heiße Welt einschwenkte, existierten außer groben schwarz-weißen Aufnahmen alter Nasa-Sonden - darunter "Mariner 10" aus den siebziger Jahren - kaum Bilder vom Südpol der Venus.

Doch einzelne Bilder taugten mehr zum Kaffeesatzlesen denn zur Beobachtung des geheimnisvollen Objekts. Bewegtbilder zeigen den Wissenschaftlern jetzt, wie die geheimnisvollen Wirbel durch die Atmosphäre über dem Venus-Südpol wabern.

"Venus Express" hat die Videos der Riesenstürme aufgenommen, die Forscher der europäischen Weltraumbehörde Esa dabei helfen sollen, deren Funktionsweise zu entschlüsseln. Auf einer elliptischen Bahn flog die Sonde um den Planeten, so dass sie während einer rund 24-stündigen Umkreisung immerhin acht Stunden lang den Südpol im Blick halten konnte.

Weil aber dort auch die Tag-Nacht-Grenze verläuft, mussten die Astronomen in der Bodenstation ein zweites Problem meistern: die unterschiedlichen Helligkeiten. Bei normalen Aufnahmen des Pols hätte die helle Tagseite die Nachtseite völlig überstrahlt. Deshalb filterten die Esa-Forscher zwei spezielle Infrarot-Wellenbereiche aus den Daten des "Virtis"-Instruments (Visible and Near-Infrared Mapping Spectrometer) an Bord von "Venus Express". "Das ist so ähnlich, als würde man eine helle, strahlende Schneeschicht und gleichzeitig einen dunklen Himmel betrachten, ohne dabei die Brille wechseln zu müssen", sagte Giuseppe Piccioni von der Italienischen Raumfahrtbehörde in Rom.

Nun bauen die Forscher anhand der Bewegtbilder von den Augen des Zwillingssturms ein Strömungsmodell im Computer, das die harsche Treibhausatmosphäre des Nachbarplaneten erklären soll.

stx

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