Vera Rubin Pionierin der Dunklen Materie gestorben

Sie war eine weibliche Vorreiterin in der Astronomie und fand die ersten direkten Beweise für Dunkle Materie. Nun ist die US-Wissenschaftlerin Vera Rubin im Alter von 88 Jahren gestorben.

Vera Rubin (2013)
DPA

Vera Rubin (2013)


Die US-amerikanische Wissenschaftlerin Vera Rubin ist tot. Die Astronomin starb im Alter von 88 Jahren, sagte ihr Sohn Allan. Seine Mutter habe seit mehreren Jahren an Demenz gelitten.

"Vera Rubin ist ein nationaler Schatz als versierte Astronomin und herausragendes Vorbild für junge Wissenschaftler", sagte Matthew Scott, Präsident des Carnegie Instituts, an dem Rubin lange gearbeitet hatte: "Wir sind sehr traurig über diesen Verlust."

Rubin fand in den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts die ersten direkten Beweise für Dunkle Materie, als sie die Rotationen von Galaxien untersuchte. Diese rotierten nicht wie zuvor angenommenen mit einer anderen Geschwindigkeit um ihr Zentrum sondern gleich schnell.

1980 wurden Rubins Forschungsergebnisse veröffentlicht und die Dunkle Materie fortan als eines der größten Rätsel der Astronomie betrachtet. Schätzungen zufolge besteht über 80 Prozent aller Materie aus der unsichtbaren Substanz. Insgesamt 27 Prozent des Universums sollen aus ihr bestehen, nur fünf Prozent sind normale Materie. Weil es lediglich Spuren, Indizien und Hinweise auf die Existenz von Dunkler Materie gibt, ist sie nicht gänzlich unumstritten.

Mehrfach geehrt

Rubins Interesse an Astronomie begann bereits als junges Mädchen. Ihr Vater half ihr, ein Teleskop zu bauen und nahm sie zu Treffen von Amateur-Astronomen mit. 1948 beendete sie ihr in Astronomie-Studium am Vassar College. Danach machte sie einen Master an der Cornell University und promovierte an der Georgetown University, wo sie auch mehrere Jahre arbeitete. Später setzte sie ihre Forschungen am Carnegie Institut in Washington fort. In ihrer Laufbahn untersuchte Rubin mehr als 200 Galaxien.

Für ihre Leistungen in der Wissenschaft wurde Rubin mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem wurde sie als zweite Astronomin in die US-Akademie der Wissenschaften gewählt und 1993 vom damaligen US-Präsidenten Bill Clinton mit der National Medal of Science für ihre "bahnbrechenden Forschungsprogramme in beobachtender Kosmologie" geehrt.

Die Astronomin setzte sich stark für die Rechte von Frauen in der Wissenschaft ein - auch weil sie selbst lange mit Widrigkeiten aufgrund ihres Geschlechts zu kämpfen hatte. Ursprünglich hatte Rubin auch in Princeton studieren wollen, doch damals durften Frauen noch nicht in das Astronomie-Programm der Elite-Uni.

Vera Rubin hinterlässt vier Kinder, die alle in verschiedenen Naturwissenschaften promoviert haben. Ihr Mann Robert, mit dem sie 60 Jahre verheiratet war, war bereits 2008 gestorben.

max/AP/Reuters



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