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Verblüffende Inaktivität: Schlappe Sonne macht Forscher ratlos

Ein seltenes Phänomen beschäftigt die Astronomen: Auf der Sonne ist es derzeit außergewöhnlich ruhig. Sonnenflecken, Stürme und Eruptionen werden kaum aufgezeichnet - und die Forscher haben keine Erklärung. Das letzte Mal hatte es eine solch lange Ruhephase vor rund 350 Jahren gegeben.

Washington - Schwächelt die Sonne? Bei einem Treffen an der Montana State University befassten sich rund hundert Forscher mit genau dieser Frage, denn unser Zentralgestirn ist derzeit außergewöhnlich ruhig. Perioden der Inaktivität, so die Forscher, seien zwar für die Sonne durchaus normal, doch die aktuelle dauere außergewöhnlich lange, hieß es.

"Sie bleibt tot", sagte der japanische Astronom Saku Tsuneta, der mit der Sonde "Hinode" (japanisch: "Sonnenaufgang") seit gut anderthalb Jahren unser Zentralgestirn minutiös untersucht: "Das macht uns ein bisschen Sorge, ein ganz kleines bisschen." "Hinode" kreist auf einer besonderen Bahn um die Erde, die so gewählt ist, dass die Sonde neun Monate im Jahr einen ununterbrochenen Blick auf die Sonne hat - und zum Beispiel die Stärke und Richtung ihres Magnetfeldes messen kann.

Der Forscher Dana Longcope von der Montana State University erklärte, dass die Sonnenaktivität für gewöhnlich in einem elfjährigen Zyklus abläuft. Besonders aktiv sei die Sonne in der Mitte dieses Zeitraums, dagegen sei sie am Anfang und am Ende eher in einer Ruhephase. Der aktuelle Zyklus hatte seinen Höhepunkt im Jahr 2001, deswegen waren im Anschluss einige Jahre der Ruhe durchaus zu erwarten. Doch die Sonne ist heute genauso inaktiv wie vor zwei Jahren, obwohl die Aktivität schon längst wieder hätte zunehmen müssen.

Für die Betreiber von Satelliten, zum Beispiel, sind das gute Nachrichten, denn ihre sensiblen Apparaturen werden durch hohe Sonnenaktivität massiv gestört. Gewaltige Ausbrüche der Sonne, sogenannte Protuberanzen, können sogar Astronauten gefährden und zu Problemen bei der Energieversorgung auf der Erde führen, in dem sie Stromnetzen und sogar Pipelines zu schaffen machen. Andererseits machen Plasmastürme auf der Sonne die farbenfrohen Polarlichter möglich, wenn ionisierte Teilchen beim Eindringen in die Atmosphäre für ein buntes Leuchten sorgen.

Wie lange die derzeitige Phase der Ruhe auf der Sonne dauern wird, wissen die Astronomen nicht. Sie seien, so sagen sie, "keine Wetterfrösche", die Vorhersagen für die Zukunft machen können.

Immerhin ist eines bekannt: Eine längere Phase ohne Sonnenflecken ist nichts gänzlich Neues. In den Jahren zwischen 1650 und 1700 hatte es schon einmal eine lange Zeit der Ruhe gegeben - inmitten der "Kleinen Eiszeit", wie die Zeit damals wegen der deutlich niedrigeren Durchschnittstemperaturen bezeichnet wird.

chs

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