Verblüffender Wandel: Plutos Atmosphäre dehnt sich aus

Der rätselhafte Planet Pluto hat Astronomen wieder einmal überrascht. Die Gashülle des fernen Trabanten scheint sich weiter auszudehnen, obwohl sie eigentlich schrumpfen sollte.

Hubble-Aufnahme von Pluto: Hülle aus Stickstoff
NASA; ESA

Hubble-Aufnahme von Pluto: Hülle aus Stickstoff

Seinen sonnennächsten Punkt erreichte Pluto, der Außenseiter im Planetensystem, vor 14 Jahren. Seither führt ihn seine elliptische Bahn wieder fort vom Zentralgestirn, tiefer hinein in die eisigen Außenbezirke. Eigentlich müsste sich damit auch seine Atmosphäre abkühlen und verdichten - doch sie tut, wie Forscher nun berichten, genau das Gegenteil.

Die Wissenschaftler um James Elliot vom Massachusetts Institute of Technology hatten im August des vergangenen Jahres eine seltene Chance genutzt, um die dünne Gashülle des neunten Planeten zu studieren: Pluto zog, beobachtet von acht Teleskopen des Teams, vor einem Stern vorbei und verdunkelte diesen. Der Verlauf der Verfinsterung erlaubte den Forschern Rückschlüsse auf die Planetenatmosphäre.

Die genauen Ergebnisse stellen Elliot und seine Kollegen nun im Fachmagazin "Nature" vor. Demnach hat sich die vornehmlich aus Stickstoff bestehende Gashülle seit der letzten beobachteten Sternbedeckung im Jahr 1988 ausgedehnt. Zugleich hat sich, wie ein zweites Team um Bruno Sicardy vom Observatoire de Paris in dem Fachblatt schreibt, der Atmosphärendruck im selben Zeitraum verdoppelt.

Die seltsamen Veränderungen verstoßen jedoch nur scheinbar gegen die Logik. Elliot erklärt die Ausdehnung damit, dass die Temperaturen in Plutos Atmosphäre vermutlich erst einige Jahre nach der größten Annäherung an die Sonne ihr Maximum erreichen. Zum Vergleich zieht der Forscher die irdische Lufthülle heran: Obwohl die Sonnenstrahlung mittags am intensivsten ist, wird die größte Hitze meist gegen drei Uhr gemessen.

Weil das Plutojahr sehr lang ist - für eine Runde braucht der Planet 248 Erdenjahre -, wird es vermutlich noch zehn Jahre dauern, bis sich seine Lufthülle wieder abkühlt. Auf alle Fälle aber sollte sich die Atmosphäre auf dem Rückzug befinden, wenn erstmals Besuch von der Erde eintrifft: Im Jahr 2015 könnte die Nasa-Sonde "New Horizons" am Außenposten des Sonnensystems eintreffen.

"Die Beobachtungen kommen zur rechten Zeit", schreibt der Planetenforscher William Hubbard von der University of Arizona in einem "Science"-Kommentar. "Plutos Orbit bietet in den nächsten Jahren die Gelegenheit, mehr über diesen Planeten zu lernen, und das in einer Zeit, in der es die technischen Entwicklungen erlauben, an eine Mission zu dem Trabanten zu denken."

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS
alles zum Thema Pluto
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback