Verkehrte Welt: Ferner Planet heizt seine Sonne

Normalerweise wärmt eine Sonne ihre Planeten. Kanadische Astronomen aber haben jetzt einen 90 Lichtjahre entfernten Himmelskörper entdeckt, der gewaltige Stürme auf seinem Heimatstern entfacht.

Eruption auf HD179949 (Zeichnung): Erster Beweis für das Magnetfeld eines Planeten außerhalb des Sonnensystems
UBC

Eruption auf HD179949 (Zeichnung): Erster Beweis für das Magnetfeld eines Planeten außerhalb des Sonnensystems

Das Planetensystem "HD179949" im Bereich des Sternbilds Schütze ist ein wenig anders als die anderen. Zwar strahlt auch hier die Sonne Licht und Wärme aus, doch ein sie umkreisender Planet entfacht gewaltige Stürme auf dem Stern und sorgt so für eine Extraportion Hitze.

Kanadische Astronomen entdeckten das Phänomen in 90 Lichtjahren Entfernung mit den 3,60 Meter großen Mauna-Kea-Teleskop auf Hawaii. Die Sonnenstürme sind möglicherweise der erste Beweis für das Magnetfeld eines Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Insgesamt kennen Astronomen 119 extrasolare Planeten.

Der beobachtete Heizplanet, ein Gasriese von der 270-fachen Größe der Erde und damit nur etwas kleiner als Jupiter, umkreist seine Sonne in einem relativ geringen Abstand. Für eine Runde braucht er nur drei Tage.

In der oberen Schicht der Sonnenatmosphäre registrierten die Astronomen um Evgenya Shkolnik von der University of British Columbia punktuelle Ausbrüche, die synchron mit dem umkreisenden Planeten auf der Oberfläche wandern. Die Messungen von mehr als hundert Umrundungen hätten gezeigt, dass der Solarsturm exakt der Planetenbewegung folge.

Verkehrte Welt: Das Magnetfeld des nahen Planeten heizt die Atmosphäre der Sonne um 400 Grad auf
UBC

Verkehrte Welt: Das Magnetfeld des nahen Planeten heizt die Atmosphäre der Sonne um 400 Grad auf

Shkolnik erklärte, die Ausbrüche würden wahrscheinlich vom starken Magnetfeld des Planeten verursacht, das Energie in die heißen Schichten oberhalb der Photosphäre übertrage. Die dabei entstehenden Flecken konnten die Wissenschaftler mit Teleskopen im Ultraviolett-Bereich verfolgen. Im Jahr 2000 hatten Steve Saar und Manfred Cuntz von der University of Texas ein solches Phänomen vorhergesagt.

Die magnetische Energie des Planeten erhöhe die Temperatur der äußeren Sonnenschicht um etwa 400 auf 7800 Grad Celsius, berichtet Shkolnik. Auf dem Planeten selbst herrschen nach ihren Angaben Temperaturen von etwa 1500 Grad.

"Falls wir tatsächlich das Wechselspiel des Magnetfelds eines Planeten mit einem Stern beobachten, dann gibt dies einen vollständig neuen Einblick in die Beschaffenheit von kompakten Planetensystemen", sagte Gordon Walker von der University of British Columbia. Die Astronomen wollen den hitzigen Planeten nun mit dem 8-Meter-Teleskop "Gemini-Süd" in Chile unter die Lupe nehmen, um ihre Beobachtungen zu bestätigen.

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