Verräterische Infrarotsignale: Nasa-Teleskop entdeckt riesigen Saturnring

Astronomen haben einen bislang unbekannten Ring um den Saturn entdeckt. Er ist nach Angaben der Forscher so riesig, dass die Erde etwa eine Milliarde Mal hineinpassen würde. Quasi nebenbei hilft die Neuentdeckung noch, ein jahrhundertealtes Rätsel zu klären.

Neuer Saturnring: Kosmischer Hula-Hoop-Reifen Fotos
NASA / JPL-Caltech / Keck

Pasadena - Schon lange hat der Saturnmond Iapetus Astronomen ratlos gemacht. Er hat eine sehr helle und eine sehr dunkle Seite - und sieht damit aus wie ein kosmisches Yin-und-Yang-Symbol. Irgendwie, so vermuteten die Forscher, könnte ein weiterer Begleiter des Planeten, Phoebe, an den auffälligen Verfärbungen Schuld sein. Das Nasa-Weltraumteleskop "Spitzer" hat diese Frage nun geklärt - und dabei noch eine weitere Entdeckung gemacht: Der Saturn wird von einem riesigen Ring aus Eis und Staub umkreist, der bislang unbekannt war.

Bekanntgegeben wurde die Entdeckung vom Jet Propulsion Laboratory (JPL), das am California Institute of Technology in Pasadena im Auftrag der Nasa zahlreiche Raumsonden betreut. Auch auf der Web-Seite des Fachmagazins "Nature" werden die Erkenntnisse veröffentlicht. JPL-Sprecherin Whitney Clavin sagte, der Ring reflektiere nur wenig sichtbares Licht. Im Infrarotbereich habe "Spitzer" das Phänomen aber gut beobachten können. Der Ring sei mit 80 Kelvin, also etwa minus 193 Grad Celsius, zwar extrem kalt, trotzdem emittiere er geringe Mengen an Wärmestrahlung.

Bisher habe sich niemand diese Gegend um den Saturn mit einem Infrarotteleskop angesehen, sagte Clavin. Das im Jahr 2003 gestartete "Spitzer"-Teleskop kreist rund hundert Millionen Kilometer von der Erde entfernt um die Sonne. Forscher um Anne Verbiscer von der University of Virginia in Charlottesville nutzten bei ihren Beobachtungen sein Messgerät für langwelligere Infrarotstrahlung, das Multiband Imaging Photometer.

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Saturn und seine Monde: Rätselhafter Ringplanet mit Begleitern

Die Materialdichte in dem neuentdeckten Ring ist sehr niedrig. "Die Partikel sind so weit voneinander entfernt, dass Sie den Ring noch nicht einmal bemerken würden, wenn Sie sich direkt darin befänden", sagt die Forscherin Verbiscer. Das Ringmaterial beginne in knapp sechs Millionen Kilometern Entfernung von der Saturnoberfläche und dehne sich bis zum Abstand von zwölf Millionen Kilometern aus. Gegenüber den anderen Saturnringen ist das neuentdeckte Exemplar um 27 Grad geneigt.

Bisher kennen Astronomen sieben Ringe, die sie mit Buchstaben bezeichnet haben. Dazu kommen mehrere kleinere Ringe ohne Bezeichnung. Während die inneren Ringe mit zumeist wenigen hundert Metern extrem dünn sind, sei der neue ungefähr 20-mal so hoch wie der Planet selbst. Der Ring sei so riesig, dass die Erde etwa eine Milliarde Mal hineinpassen würde, erklärte das JPL. Auch die Forscher geizen nicht mit Superlativen: Wäre der Ring von der Erde sichtbar, so vermelden sie stolz, dann würde er uns doppelt so groß erscheinen wie der Vollmond.

Der neue Ring liegt damit weit außerhalb des bisher betrachteten Ringsystems. Sein Material soll vom Mond Phoebe stammen. Dort könnte es zum Beispiel bei Kometeneinschlägen freiwerden. Verbiscer zeigt das mit numerischen Simulationen. Der kosmische Hula-Hoop-Reifen kreist in derselben Richtung um den Saturn wie Phoebe. Im Gegensatz dazu drehen sich Iapetus und die anderen Ringe in die andere Richtung. Die Forscher gehen davon aus, dass sich dunkles und staubiges Material vom weit außen gelegenen Ring nach innen bewegen könnte, um dort auf Iapetus zu treffen. Das würde die Erklärung für die Verfärbungen liefern.

chs

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