Verschollene Sonde "Beagle 2"-Wrack auf Fotos entdeckt

Das Schicksal der verschollenen Mars-Sonde "Beagle 2" ist weitgehend geklärt - zumindest nach Meinung ihres Chefkonstrukteurs. Der britische Forscher Colin Pillinger hat auf Fotos vom Roten Planeten die Spuren des Aufschlags von "Beagle 2" entdeckt.


London - Zwei Jahre nach dem Verlust von "Beagle 2" hat Colin Pillinger, der Vater des Projekts, nach eigenen Angaben Spuren der europäischen Sonde auf dem Mars entdeckt. Jüngste Fotos des Nasa-Orbiters "Mars Global Surveyor" deuteten darauf hin, dass der Roboter in einen Krater in der Nähe seines geplanten Landeplatzes gestürzt sei.

Der nur 67 Kilogramm schwere "Beagle 2" selbst sei zu klein, um auf den Fotos abgebildet zu werden, sagte Pillinger der britischen BBC. Man erkenne aber größere Teile wie den Hauptfallschirm und die Airbags sowie Spuren eines großen Einschlags in dem Krater.

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Beagle 2: Geschichte eines Absturzes

Die Fotos waren bereits im August 2004 veröffentlicht worden, doch erst jetzt sind sich die Experten sicher, dass darauf tatsächlich die Reste von "Beagle 2" zu sehen sind. Pillinger, der an der Open University in Milton Keynes arbeitet, hält das Geheimnis um das Schicksal der Sonde nun für weitgehend gelöst. Die "Global Surveyor"-Bilder erlaubten eine genaue Rekonstruktion der Geschehnisse (siehe Fotostrecke).

Nach Einschätzung Pillingers und seines Teams ist "Beagle 2" unerwartet hart gelandet. Möglicherweise hätten Sandstürme starke Schwankungen des Luftdrucks zur Folge gehabt. Wegen der zu dünnen Luft sei die Sonde vermutlich zu schnell abgestiegen und so hart gelandet, dass Kommunikations-Instrumente zerstört worden seien.

Der Landeroboter war am 19. Dezember 2003 von seinem Mutterschiff, dem Orbiter "Mars Express", getrennt worden und sollte sechs Tage später auf dem Roten Planeten landen. Seitdem fehlte jede Spur von ihm. Monatelange versuchten die europäischen Wissenschaftler Kontakt zu "Beagle 2" aufzunehmen, schließlich gaben sie die Sonde aber verloren.

Die nach dem Expeditionsschiff "Beagle" von Charles Darwin benannte Sonde, die mehr als 30 Millionen Euro gekostet hat, sollte ursprünglich mit Hilfe eines Bohrers namens "Pluto" (Planetary Underground Tool) Bodenproben aus etwa 1,5 Metern Tiefe entnehmen. Diese sollten vom "Beagle 2"-Labor vor Ort analysiert werden. Von den Daten versprachen sich die Wissenschaftler Erkenntnisse über Gase aus dem Marsboden, die darüber Aufschluss geben sollten, ob es auf dem Roten Planeten Leben gibt.

Pillinger hatte die Esa nur mit Mühe überreden können, "Beagle 2" an Bord von "Mars Express" mitzunehmen, da dies zuvor nicht geplant war. Eine Untersuchungskommission der Raumfahrtbehörde kam im Mai 2004 zu dem Schluss, dass die die "Beagle 2"-Mission viel zu riskant, unterfinanziert und chaotisch geplant gewesen sei. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE gab sich Pillinger jedoch unverdrossen: Er arbeitet bereits an einem verbesserten Modell und hofft, dass es 2007 durch das nächstmögliche "Anflugfenster" zum Mars gebracht werden kann.

Weitere Aufschlüsse zu "Beagle 2" erhofft sich Pillinger, wenn die Nasa-Sonde "Mars Reconnaissance Orbiter" im kommenden Jahr den Roten Planeten erreicht. Sie verfügt über die neueste Generation von extrem hochauflösenden Kameras, die selbst kleinste Objekte sehr genau erfassen können.



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