Die Vulkane auf der Venus sind nach geologischen Maßstäben erst kürzlich zur Ruhe gekommen. Noch vor 250.000 Jahren, als bereits nahe Verwandte des Menschen die Erde bevölkerten, floss Lava auf dem Nachbarplaneten, berichten Wissenschaftler. Die Studie belege, dass die Venus lange ein geologisch aktiver Planet gewesen sei, schreiben die Wissenschaftler um Suzanne Smrekar vom Jet Propulsion Laboratory in Pasadena im Wissenschaftsmagazin "Science".
Die Erde und die Venus haben eine vergleichbare Größe und eine ähnliche Hitzeproduktion in ihrem Kern. Dennoch sind die tektonischen Vorgänge auf ihren Oberflächen sehr unterschiedlich: Über die Erde bewegen sich mächtige Gesteinsplatten, während auf der Venus Stillstand herrscht. Allerdings finden sich auf der Venus einzelne Vulkankrater als Zeichen früherer geologischer Aktivität. Wie lange die Aktivität zurücklag, war jedoch bisher unklar.
Die Forscher haben nun Wärmestrahlung analysiert, die von der Raumsonde auf dem Planeten gemessen worden war. Dazu verwendeten sie Wärmebilder, die das Spektrometer Virtis auf der Raumsonde "Venus Express" der europäischen Weltraumorganisation Esa geschossen hatte. Virtis - die Abkürzung steht für Visible and Infrared Thermal Imaging Spectrometer - misst die abgegebene Wärmestrahlung von Objekten, die sogenannte Emissivität.
Das Lavagestein ist noch recht frisch
Die Analyse der Bilder ergab, dass erstarrte Lavaströme an den Seiten von vulkanähnlichen Erhebungen im Vergleich zur Umgebung erhebliche Wärme abstrahlten. In drei Regionen zeigte Lavagestein außergewöhnlich hohe Temperaturen.
Die Ablagerungen dieser Vulkane verrieten ihr Alter: In der Hitze, die auf der Venus herrscht, verwittert das Gestein schnell. Das nun entdeckte Vulkangestein war noch nicht stark verwittert - es muss also vor relativ kurzer Zeit abgelagert worden sein.
In der höllischen Atmosphäre der Venus mit Temperaturen um 460 Grad und einem Luftdruck von 90 Bar - also dem 90-fachen Luftdruck auf der Erde - verwittern manche Minerale wie etwa Pyrit rasch. Die übrig bleibenden Minerale strahlen deutlich weniger Wärme ab als das Ausgangsmaterial.
In Laborexperimenten simulierten die Forscher die Verwitterung der vulkanischen Gesteine in einer venusähnlichen Atmosphäre. Aus den Resultaten konnten sie ein maximales Alter der Lavaströme von 2,5 Millionen Jahren abschätzen. Als wahrscheinlicher gilt aber ein Alter von rund 250.000 Jahren. Damit bestehe die Möglichkeit, dass der Nachbarplanet örtlich noch immer geologisch aktiv ist, resümieren die Wissenschaftler.
boj/ddp
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