Privater Raumfrachter "Cygnus" ist gestartet

Anderthalb Tonnen Versorgungsgüter sind auf dem Weg zur Internationalen Raumstation. Die Reise des privaten "Cygnus"-Transporters ging an ungewohnter Stelle los. Die Mission erinnert an eine verstorbene US-Raumfahrtveteranin.

AP / Eastern Shore News / Jay Diem

Washington - Seit ziemlich genau 5000 Tagen leben Menschen auf der Internationalen Raumstation (ISS). Und selbstverständlich müssen sie dort oben auch versorgt werden. Darum kümmern sich außer russischen, europäischen und japanischen Transportern auch die US-Privatraumschiffe von SpaceX und Orbital Sciences - im Auftrag der Nasa. Und ein unbemannter "Cygnus"-Frachter von Orbital ist am Sonntag nun erfolgreich gestartet.

Immer wieder war der Start verschoben worden, zuletzt aus Wettergründen. Doch nun war es so weit: An der Spitze einer 40 Meter hohen "Antres"-Rakete konnte der mit rund anderthalb Tonnen Versorgungsgütern beladene Transporter in den diesigen Himmel über der US-Ostküste abheben. Das Gefährt heißt "Janice Voss" und erinnert an eine frühere Orbital-Mitarbeiterin, die außerdem fünffache Shuttle-Astronautin war. Sie ist im Jahr 2012 an Brustkrebs gestorben.

Am Mittwoch soll der Transporter die Station erreichen, wo er von Nasa-Astronaut Steve Swanson mit dem Greifarm eingefangen werden muss. Anschließend wird die "Cygnus"-Kapsel entladen und nach einem Monat, vollgepackt mit 1,3 Tonnen Abfall, wieder von der Station abgekoppelt. Sie verglüht dann auf dem Rückweg in der Atmosphäre.

Von der Nasa gibt's 1,9 Milliarden Dollar

Wesentliche Komponenten des Orbital-Systems sind nicht made in USA. Die Frachtmodule, die aussehen wie riesige Waschmaschinentrommeln, fertigt Thales Alenia Space im italienischen Turin. Im Reinraum dort stehen schon ein knappes halbes Dutzend Exemplare, die auf ihren Export in die USA warten. Teile des Raketenkörpers wiederum kommen aus der Ukraine, und die Motoren sind aufgearbeitete russische Maschinen, die die Sowjets in den Sechzigerjahren für Mondmissionen entwickelt hatten.

Orbital Startet seine ISS-Flüge nicht vom Cape Canaveral, wo einst die Space Shuttles abhoben und heute SpaceX seine Raketen zur ISS schickt. Die Firma setzt stattdessen auf den Raketenbahnhof Wallops Island in Virginia, wo Amerikas älteste Abschussrampen standen. Es ist nach Januar der zweite reguläre Flug für das Unternehmen. Insgesamt acht Trips hat die Nasa eingekauft - und dafür 1,9 Milliarden Dollar gezahlt.

Der nächste - und vorerst letzte - europäische Versorgungsflug zur ISS startet nach jetziger Planung Ende des Monats vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch Guyana zur ISS.

chs



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