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Kein Heimatstern: Geisterplanet rast allein durchs All

Kein Zentralgestirn, kein Sonnensystem: In erstaunlicher Nähe zur Erde haben Astronomen einen Geisterplaneten entdeckt, der allein durchs All saust. Er wurde offenbar von einer Sternengruppe in die Dunkelheit geschossen.

Künstlerische Darstellung: Geisterplanet CFBDSIR2149 Zur Großansicht
ESO/ L. Calçada/ P. Delorme/ Nick Risinger

Künstlerische Darstellung: Geisterplanet CFBDSIR2149

Garching/Hamburg - Die Erde kreist um die Sonne, wie alle Planeten des Sonnensystems. Der regelmäßige Umlauf bringt den immer gleichen Wechsel der Jahreszeiten. Manche Planeten jedoch scheinen ungebunden von Zentralgestirnen, sie sausen quer durch die Galaxie. Astronomen haben nun den bislang erdnächsten Geisterplaneten entdeckt.

Ungefähr hundert Lichtjahre entfernt von der Erde rase ein solcher Planet von riesenhafter Größe durch die Dunkelheit des Alls, berichten Forscher der Europäischen Südsternwarte (Eso) in Garching. Die erstaunliche astronomische Nähe habe es erlaubt, den kosmischen Geisterfahrer ungewöhnlich genau zu untersuchen.

Den Planeten mit dem wenig poetischen Namen CFBDSIR2149 haben die Astronomen mit Teleskopen auf Bergen in Hawaii und Chile entdeckt. Er bestärke "das Bild verwaister Welten, die durch die Leere des Alls driften", sagt Philippe Delorme vom Institut de Planetologie et d'Astrophysique in Grenoble (Frankreich), ein Autor der Studie, die im Fachblatt "Astronomy & Astrophysics" erschienen ist.

Rätselhafter Sonnenhaufen

Der Wanderplanet befinde sich in der Nähe einer rätselhaften Ansammlung von 30 Sternen, dem sogenannten AB-Doradus-Bewegungshaufen. Die 30 Sterne driften gemeinsam durchs All. Sie entstanden wahrscheinlich bei Sternenexplosionen in jüngster astronomischer Vergangenheit vor 50 bis 120 Millionen Jahren, meinen Experten.

Vermutlich stamme auch der Geisterplanet aus dieser Gruppe. Gewaltige Fliehkräfte hätten ihn offenbar aus der Sternengruppe hinausgeschossen. Der Planet erscheint allerdings für Menschen wenig heimelig: Er sei vermutlich rund 60-mal so groß wie die Erde, berichten die Astronomen. An seiner Oberfläche herrschten mehr als 430 Grad Celsius.

Das geringe Alter des Planeten zeige, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Geisterplaneten handele - und nicht um einen sogenannten Braunen Zwerg. Diese dunklen Sterne sind zu klein, um eine Kernfusion zu entfachen - ihren finalen Zustand der Dunkelheit erreichen sie aber erst nach langer Zeit.

Die Entdeckung des Himmelskörpers könne als Kostprobe gelten, meinen die Eso-Forscher: Leistungsstärkere Teleskope würden künftig vermutlich zeigen, dass der Kosmos voll sei von umherirrenden Geisterplaneten.

boj

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insgesamt 81 Beiträge
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1. bitte mehr und grössere Teleskope
nixda 14.11.2012
Und das möglichst schnell ich finde das so faszinierend.
2. optional
thorkhan 14.11.2012
(Zitat)Die Entdeckung des Himmelskörpers könne als Kostprobe gelten, meinen die Eso-Forscher: Leistungsstärkere Teleskope würden künftig vermutlich zeigen, dass der Kosmos voll sei von umher irrenden Geisterplaneten.(Zitatende) Man kann sich ja mal auf die Suche nach Niburu machen. Ist nicht mehr lange hin bis zum 21.12.2012 . ;) http://madmikesamerica.com/2011/07/2012-planet-niburu-crashes-into-earth-wiping-us-out/
3. Eso-Forscher
Layer_8 14.11.2012
Zitat von sysopESO/ L. Calçada/ P. Delorme/ Nick RisingerKeine Zentralgestirn, kein Sonnensystem: In erstaunlicher Nähe zur Erde haben Astronomen einen Geisterplaneten entdeckt, der allein durchs All saust. Er wurde offenbar von einer Sternengruppe in die Dunkelheit geschossen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/wanderplanet-im-all-eso-entdeckt-planet-ohne-sonne-a-867160.html
"Die Entdeckung des Himmelskörpers könne als Kostprobe gelten, meinen die Eso-Forscher" Bitte sagen Sie "ESO", sonst könnten sich gewisse Mitforisten hier eventuell angesprochen fühlen. Manchmal kommt es wirklich auf Groß-/Kleinschreibung an, nicht nur bei Passwörtern.
4.
sven94 14.11.2012
Vielleicht folgt die gesamte milchstraße ja einer umlaufbahn von eines mega planeten der paar millionen mal größer als unsere sonne ist, könnt ich mir gut vorstellen :D
5. Das ganze Universum
woswoistndu 14.11.2012
befindet sich in einem durchsichtigen Tennisball und liegt im Korb mit den anderen 250 Universen, die nur darauf warten von den Tennisspielern ins Universum geschossen zu werden. Selbiges befindet sich wiederum in einem durchsichtigen Tennisball, der gleich von den zwei Spielern...
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Methoden der Planetenjagd
Die Suche nach der zweiten Erde
ESO
Die Entdeckung der ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems galt als wissenschaftliche Sensation. 1992 wiesen Forscher die ersten Exoplaneten im Orbit um den Pulsar PSR B1257+12 nach. 1995 fanden Michel Mayor und Didier Queloz erstmals einen Planeten in der Umlaufbahn eines Sterns, der unserer Sonne ähnelt. Zuvor war unter Forschern heftig umstritten, ob es überhaupt Planeten in den Tiefen des Alls gibt - oder ob unser Sonnensystem das einzige seiner Art ist. Inzwischen sind jedoch rund 600 Exoplaneten in mehr als 480 Systemen bekannt.
Die größte Hürde
Mit heutigen Teleskopen können Exoplaneten nur unter größten Schwierigkeiten direkt beobachtet werden, da ihr Heimatstern sie bei weitem überstrahlt. Astronomen sind deshalb auf indirekte Methoden angewiesen, die in den vergangenen Jahren immer weiter verfeinert wurden und die Entdeckung immer kleinerer Planeten erlauben. Das begehrteste Objekt ist eine "zweite Erde": ein Felsplanet, der in Größe und Masse der Erde ähnelt und seinen Stern in der sogenannten Grünen Zone umkreist, in der die Existenz von flüssigem Wasser auf der planetaren Oberfläche möglich ist.
Radialgeschwindigkeitsmessung
Die Messung der Radialgeschwindigkeit ist das älteste Verfahren zum Nachweis extrasolarer Planeten. Wenn ein Planet einen Stern umrundet, zwingt er ihm eine leichte Taumelbewegung auf: Der Stern schlingert wie ein Hammerwerfer. Dadurch bewegt er sich minimal auf den Betrachter zu und von ihm weg. Durch den Doppler-Effekt wird das Licht dabei abwechselnd kurzwelliger und langwelliger.

Anfangs war diese Methode noch so grob, dass mit ihr nur große Gasplaneten vom Kaliber des Jupiters entdeckt werden konnten, die ihren Stern zudem in einem engen Orbit umrunden. Leben ist auf diesen glühend heißen Giganten aber kaum möglich. Erst seit kurzem können Wissenschaftler mit dieser Methode auch kleinere Planeten von der Größe der Erde entdecken - vorzugsweise im Orbit um Rote Zwergsterne. Sie sind wesentlich kleiner und kühler als unsere Sonne, weshalb erdähnliche Planeten sie in einer engen Bahn umkreisen und dennoch lebensfreundlich sein können.
Transitmethode
Die Transitmethode kann angewandt werden, wenn ein Planet von der Erde aus gesehen direkt vor seinem Heimatstern vorbeizieht. Dabei verdeckt er einen Teil des Sternenlichts. Anhand der Abdunkelung können Astronomen auf die Existenz des Planeten schließen. Und nicht nur das: Die Transitmethode erlaubt auch gewisse Rückschlüsse auf die Atmosphäre eines Planeten. Während des Transits werden je nach Zusammensetzung der Gashülle verschiedene Wellenlängen des Sternenlichts unterschiedlich stark absorbiert. Auf diese Weise konnten Forscher in der Atmosphäre von HD 209458b Wasserstoff, Sauerstoff und möglicherweise sogar Wasserdampf nachweisen.
Gravitationslinseneffekt
Beim Gravitationslinseneffekt, auch "gravitational microlensing" genannt, wird das Licht eines Himmelskörpers durch ein Objekt im Vordergrund verstärkt. Der Effekt wird von Albert Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie beschrieben: Die Schwerkraft eines Objekts mit großer Masse, etwa eines Sterns oder einer Galaxie, krümmt die Raumzeit und lenkt das Licht ab - so, als ob eine gigantische optische Linse im Raum schweben würde. Auf diese Weise können auch lichtschwache Objekte sichtbar werden, die Astronomen sonst verborgen blieben. Mit dieser Methode wurden bereits mehrere Exoplaneten entdeckt.
Fotostrecke
Exoplaneten: Suche nach der zweiten Erde


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