Astronomie Weltall expandiert schneller als erwartet

Eine Messung bringt Astrophysiker in Erklärungsnöte: Unser Universum wächst rasanter als bislang bekannt. Ursache könnte auch ein bislang unbekanntes Elementarteilchen sein.

Vermessene Spiral-Galaxie in 130 Millionen Lichtjahren Entfernung
AP/ NASA

Vermessene Spiral-Galaxie in 130 Millionen Lichtjahren Entfernung


Das All fliegt in alle Richtungen auseinander - diese Beobachtung aus den Zwanzigerjahren verblüffte die Astronomen damals. In den Neunzigerjahren folgte die nächste Überraschung: Die Expansionsgeschwindigkeit nimmt ständig zu, offenbar wegen der mysteriösen dunklen Energie.

Nun zeigen neue Beobachtungen des Weltraumteleskops "Hubble", dass sich das All wohl schneller ausdehnt als angenommen. Die kosmische Expansionsrate sei etwa fünf bis neun Prozent höher als bislang berechnet, berichten Astronomen um den US-Nobelpreisträger Adam Riess im Fachblatt "The Astrophysical Journal".

Mit dem Weltraumteleskop nahm das Team um Riess benachbarte Galaxien ins Visier und bestimmte auf diese Weise die Ausdehnungsgeschwindigkeit des Universums so genau wie nie zuvor. Diese sogenannte Hubble-Konstante liegt im lokalen Kosmos demnach bei 73,2 Kilometern pro Sekunde pro Megaparsec. Ein Megaparsec sind 3,26 Millionen Lichtjahre. Zwei Punkte, die ein Megaparsec voneinander entfernt sind, streben also mit 73,2 Kilometern pro Sekunde weiter auseinander.

"Die beiden Enden treffen sich nicht"

Diesen Wert, der aus "Hubble"-Messungen des heutigen Universums stammt, verglichen die Astronomen mit der Expansionsrate, die sich aus Messungen des Urknallechos ergibt. Die Daten dafür lieferten die Satelliten "WMAP" und "Planck". Sie untersuchen die auf den Urknall zurückgehende kosmische Hintergrundstrahlung. Die Werte von "Hubble" sowie "WMAP und "Planck" müssten eigentlich gleich sein - doch das sind sie nicht.

Riess vergleicht das Vorgehen mit dem Bau einer Brücke. An einem Ufer befinden sich die "Hubble"-Messungen aus dem heutigen Universum, am anderen die Satellitenmessungen des Urknall-Echos. "Man beginnt an zwei Enden und erwartet, dass sie sich in der Mitte treffen, wenn alle Zeichnungen und Messungen korrekt sind", sagte der Astronom. "Aber die beiden Enden treffen sich nun nicht richtig in der Mitte, und wir möchten wissen warum."

Eine Erklärung könnte ein bislang hypothetisches Elementarteilchen sein, das die Energiebilanz im jungen Universum verändert hat - über die sogenannte Dunkle Strahlung. Denkbar ist auch, dass Albert Einsteins Relativitätstheorie die Abläufe im Universum nicht präzise genug beschreibt.

Womöglich stecken hinter den nicht zueinanderpassenden Werten der Hubble-Konstante aber auch die Dunkle Materie und Dunkle Energie, die unsichtbar sind und immerhin 95 Prozent des Universums ausmachen.

Die zehn spannendsten Entdeckungen des "Hubble"-Teleskops

hda/dpa



insgesamt 123 Beiträge
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christiewarwel 03.06.2016
1. ???
Woher weiß man eigentlich, daß der sich ausdehnende Raum nicht hinter dem Beobachtungshorizont wieder akkumuliert?
poisonnuke 03.06.2016
2. und das frühere Messungen vllt nicht präzise genug waren?
Das klingt so, als wäre früher alles perfekt richtig gemacht worden. Damals war die Technik bei weitem nicht so fortgeschritten wie heute. Kann es denn nicht sein, dass Messungenaugkeiten zu diesen Abweichungen geführt hatten?
f-rust 03.06.2016
3. ehrlich gesagt: ich kapiere nichts.
Aber ich merke die Bemühung, etwas völlig Paradoxes (dunkle Materie etc.) dich irgendwiezu erklären. Dafür danke - aufrichtig.
ka117 03.06.2016
4. Verdammt!
Auch das noch!
blurps11 03.06.2016
5.
Zitat von christiewarwelWoher weiß man eigentlich, daß der sich ausdehnende Raum nicht hinter dem Beobachtungshorizont wieder akkumuliert?
Weil man bis sehr nahe an den angenommenen Rand des Universums schauen kann. Natürlich könnten dahinter die Spaghettimonster Party machen oder massenhaft bunte Seifenblasen durch das Nichts schweben. Mit sehr sehr hoher Wahrscheinlichkeit ist dort aber einfach kein Raum, der ist nämlich eine Eigenschaft des Universums.
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