Weltall Forscher entdecken lebensfreundlichen Planeten

US-Astronomen haben in den Weiten des Alls zwei Planeten entdeckt. Einer davon weist Ähnlichkeiten zu unserer Erde auf - und ist möglicherweise für die Entstehung von Leben geeignet.

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ESO

Hamburg - Gliese 581 ist unter Planetenforschern kein Unbekannter: Im Orbit um den Stern, der 20 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, in kosmischen Dimensionen ist das quasi um die Ecke, wurden bereits vier Planeten entdeckt. Schon 2007 hegten Wissenschaftler den Verdacht, dass sich lebensfreundliche Exemplare darunter befinden könnten. Zuletzt wurde im April 2009 bekannt, dass dies auch auf Gliese 581d zutreffen könnte. Jetzt haben Astronomen herausgefunden, dass Gliese 581 noch zwei weitere Begleiter hat - und dass einer von ihnen der vielleicht erste bekannte "wirklich bewohnbare" Exoplanet sein könnte.

Der als Gliese 581g bezeichnete Planet ähnelt der Erde nicht nur in der Größe, sondern befindet sich auch in der sogenannten habitablen Zone, also in einer Entfernung zum Zentralgestirn, bei der ein Planet genau die richtige Menge an Energie abbekommt, damit flüssiges Wasser auf seiner Oberfläche existieren kann. Somit wären die grundlegenden Voraussetzungen für Leben erfüllt.

Steven Vogt von der University of California in Santa Cruz, Paul Butler von der Carnegie Institution in Washington und ihre Kollegen haben berechnet, dass Gliese 581g etwa 1,2- bis 1,4-mal so groß ist wie die Erde und das Drei- bis Vierfache ihrer Masse besitzt. Damit wäre er zwar nicht der kleinste bekannte Exoplanet, könnte aber der bisher potentiell lebensfreundlichste sein. Denn die Anziehungskraft auf seiner Oberfläche ist laut der Studie, die jetzt im "Astrophysical Journal" erscheint, etwas höher als die der Erde - und damit in jedem Fall groß genug, um eine Atmosphäre zu halten.

Eine heiße und eine kalte Seite

Nach Schätzungen der Wissenschaftler liegt die durchschnittliche Oberflächentemperatur des Planeten zwischen minus 31 und minus 12 Grad Celsius - vorausgesetzt, der atmosphärische Treibhauseffekt ist in etwa so stark wie auf der Erde.

In anderer Hinsicht ist der Planet der Erde nicht sehr ähnlich: Er rast zehnmal so schnell um seinen Stern - eine Umrundung dauert nur 36,6 Erdentage. Zudem tut er dies in gebundener Rotation: Er zeigt seinem Stern immer die gleiche Seite, so wie es auch der Mond gegenüber der Erde tut. Bei Gliese 581g hat das zur Folge, dass eine Seite hell und heiß, die andere dunkel und kalt ist. Doch im Übergang von Tag- zu Nachtseite dürfte es moderate, stabile Temperaturen geben - optimale Bedingungen also für die Existenz von flüssigem Wasser und damit für Leben.

Andere Wissenschaftler reagierten begeistert. "Das ist eine erstaunliche Entdeckung", sagt Lisa Kaltenegger vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie. "Das könnte tatsächlich die erste lebensfreundliche Welt außerhalb unseres Sonnensystems sein." Zwar sei ein endgültiger Beweis erst durch die direkte Analyse des Lichts aus seiner Atmosphäre möglich. "Aber dies zeigt, dass wir schon jetzt potentiell bewohnbare Planeten finden können."

Auch Hans-Jörg Deeg vom Instituto de Astrofísica de Canarias spricht von einem "wichtigen Fortschritt": "Das ist die erste eindeutige Entdeckung eines Planeten, der bewohnbar ist", sagt Deeg zu SPIEGEL ONLINE. Verdachtsfälle habe es schon früher gegeben, diesmal aber passe sowohl der Abstand des Planeten zu seinem Heimatstern als auch seine Größe und Masse. Gliese 581g sei "mit großer Sicherheit" lebensfreundlich, so Deeg.

Vogt und seine Kollegen hatten den Stern Gliese 581 und seine Planeten schon seit elf Jahren im Blick. In dieser Zeit sammelten sie Daten über die feinen Bewegungen des Sterns, die durch die Gravitationskraft der ihn umkreisenden Planeten ausgelöst werden. Die Analyse dieser Bewegungen lassen Rückschlüsse auf die Eigenschaften der Planeten zu. Im System Gliese 581 waren bisher schon vier Planeten bekannt.

Die Forscher konnten nun zwei neue Planeten hinzufügen - mit Gliese 581g in der habitablen Zone. "Unsere Ergebnisse deuten stark auf einen potentiell lebensfreundlichen Planeten hin", sagte Vogt. "Und die Tatsache, dass wir ihn so schnell und in nach astronomischen Maßstäben so geringer Entfernung zu uns entdeckt haben, lässt vermuten, dass Planeten dieser Art keine Seltenheit in unserer Milchstraße sind." Die Forscher glauben, dass einige Zehntelprozent aller Sterne bewohnbare Planeten besitzen könnten. Sollte die direkte kosmische Nachbarschaft der Erde repräsentativ für die gesamte Galaxie sein, "könnte es in unserer Milchstraße vor potentiell lebensfreundlichen Planeten wimmeln".

Mit Material von dapd

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 206 Beiträge
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Seite 1
rkinfo 29.09.2010
1. Noch ne Krise mehr
Zitat von sysopUS-Astronomen haben in den Weiten des Alls zwei Planeten entdeckt. Einer davon weist Ähnlichkeiten zu unserer Erde auf - und ist möglicherweise für die Entstehung von Leben geeignet. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,720355,00.html
Haben die auch Klimawandel und Weltfinanzkrise ? Und wo steht Schalke bei deren Liga ? Die Wissenschaft hat mal wieder nur halbe Antworten auf wichtige Fragen ... *Aber - Gratulation zu diesen Detailinfos !* Was heute alles schon machbar ist.
Wolfgang Jung 29.09.2010
2. Hello, Gliese
Zitat von sysopUS-Astronomen haben in den Weiten des Alls zwei Planeten entdeckt. Einer davon weist Ähnlichkeiten zu unserer Erde auf - und ist möglicherweise für die Entstehung von Leben geeignet. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,720355,00.html
Jetzt ist es allmählich an der Zeit, dass RTL und Sat1 ihre Sendestrahler Richtung Gliese ausrichten, damit endlich mal ein IQ-haltiges Feedback zurückkommt.
l/d 29.09.2010
3. Lichtgeschwindigkeit als Grenze?
Zitat von sysopUS-Astronomen haben in den Weiten des Alls zwei Planeten entdeckt. Einer davon weist Ähnlichkeiten zu unserer Erde auf - und ist möglicherweise für die Entstehung von Leben geeignet. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,720355,00.html
Klar, jeder der lesen kann, weiss: Die relativistischen Effekte verhindern jetzt und für alle Zeiten eine Raumfahrt mit auch nur annährender Lichtgeschwindigkeit. Wir werden nie einen erdähnlichen Planeten erreichen können, andere uns aber auch nicht. Punkt. Die Erde als Gefängnisplanet, von dem aus man zwar "weit hinausschauen", den man aber auch nicht wirklich verlassen kann. Ein neuer Denkansatz dazu findet sich auf http://www.gute-schreibe.de unter dem Titel "Die Rückkkehr der Eleaten". Der Aufsatz beschreibt, warum relativistische Effekte zwar auftreten müssen, aber wie sie dennoch - samt Massenträgheit - vermieden werden könnten, wenn drei Männer vor 2.500 Jahren den richtigen Blick auf die von uns erlebte Realität hatten. Ein Blick in die Zukunft aus der Vergangenheit? Gruss l/d
Ivy Mike 29.09.2010
4. Geozentrik
Vielleicht bewegt das endlich die vielen geozentrischen Zweifler in öffentlicher Meinung und Wissenschaft, was die Existenz außerirdischen Lebens anbetrifft. Es ist um Grunde ohnehin eine unglaublich naiv-arrogante Auffassung, ausgerechnet unser abgelegene Fleckchen am Rande einer mittelgroßen Galaxie sei der einzige Planet im Universum, der Leben tragen könne.
Peet89 29.09.2010
5. Wofür nach etwas anderem Ausschau halten?
Warum gucken wir nicht erstmal auf unseren Planeten anstatt nach anderen Ausschau zu halten...! Wir haben schließlich mehr als genug Probleme!
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