Umfrage Sind wir bereit für Außerirdische?

Sind wir vorbereitet für den Fall, dass uns plötzlich Außerirdische gegenüberstehen? Forscher haben Studenten befragt. Die Antworten waren niederschmetternd.

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Im Auge der Aliens: "Unser Bewusstsein für den Kosmos muss erst noch weiter entwickelt werden."
Corbis

Im Auge der Aliens: "Unser Bewusstsein für den Kosmos muss erst noch weiter entwickelt werden."


Seit 1960 lauschen Forscher bereits in den Tiefen des Alls nach Leben. Teilweise wurden SETI-Projekte von der NASA finanziert. Heute suchen aber auch Millionen Internetnutzer mit - indem sie die Leistung ihrer Rechner der Suche zur Verfügung stellen. Nur so lassen sich die riesigen Datenmengen bewerkstelligen, die das für die Suche zuständige Arecibo Observatorium in Puerto Rico liefert.

Doch wer nur sucht, lässt die Möglichkeit außen vor, vielleicht auch gefunden zu werden. So zumindest denken einige SETI-Forscher und entwickeln nun Projekte, mit denen wir die Außerirdischen auf uns aufmerksam machen können.

Was wäre, wenn uns plötzlich tatsächlich auf offener Straße ein Weltallbewohner gegenüberstehen würde? Diese Frage stellt sich der Neuropsychologe Gabriel G. de la Torre von der Universität Cádiz in der Zeitschrift "Acta Astronomica".

Und wie steht es mit ihrer Religion?

Die Projekt Active SETI oder auch METI (Messaging to ExtraTerrestrial Intelligence) stoßen allerdings nicht bei allen auf Gegenliebe. So warnen zum Beispiel der Astrophysiker Stephen Hawking oder der Science-Fiction Autor David Brin eindringlich vor den möglichen Folgen: Wer weiß, welch zweifelhaften Charakter die Fremden aus dem Weltall sein könnten. Schließlich sind nicht einmal wir selber als besonders friedfertig bekannt.

Das Aussenden von Signalen birgt also durchaus Gefahren. "Kann eine kleine Gruppe von Menschen diese Entscheidung für den gesamten Planeten treffen?", fragt sich de la Torre. "Sind wir überhaupt bereit für den Kontakt zu Außerirdischen?"

Um Antworten zu finden, verschickte er Fragebögen an 116 amerikanische, italienische und spanische Studenten. Wie viel wissen heutige Universitätsbesucher, die ja eigentlich zur Intelligenzspitze unserer Art zählen sollten, über Astronomie? Wie gut kennen sie sich im Weltall aus? Wie nehmen sie ihre eigene Umwelt wahr? Wie sieht für sie der Kosmos aus? Und wie steht es mit ihrer Religion? "Glauben Sie, dass Gott das Universum geschaffen hat?" lautete eine der Fragen.

Stark vom Glauben beeinflusst

Die Antworten waren niederschmetternd. "Diese Pilotstudie zeigt, dass das Allgemeinwissen eines besser gebildeten Teils unserer Gesellschaft über den Kosmos und unseren Platz darin immer noch mangelhaft ist", resümiert de la Torre. "Unser Bewusstsein für den Kosmos muss erst noch weiter entwickelt werden." Dafür aber, meint der Forscher, bräuchten wir einen neuen Galileo, der uns auf dieser Reise führt.

Die meisten der Studenten sind in ihrer Vorstellung des Kosmos offenbar stark von ihrem Glauben beeinflusst. Und wenn die Außerirdischen tatsächlich auf der Erde landeten, überließen sie die Kommunikation mit ihnen lieber den Politikern. Das findet de la Torre bedenklich.

"Die Kontaktaufnahme mit Außerirdischen ist eine globale Angelegenheit mit einer stark ethischen Komponente, an der wir alle teilhaben sollten", fordert er. Deshalb dürfe man sie nicht einer handvoll Forscher überlassen. Und für die Suche nach Gesellschaft im All sollten wir uns vielleicht doch zunächst andere Strategien überlegen, als laut hinauszurufen: "Hallo, hier sind wir!"

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