Satellitenbild der Woche Rennstrecken des Welthandels

Gut 90 Prozent aller Waren werden über die Meere verschifft. Satellitendaten zeigen die beliebtesten Routen. Dort sind mitunter so viele Frachter unterwegs, dass sogar Aufzeichnungsgeräte überfordert sind.

Aufgezeichnete Schiffsignale des AISSat-1-Satelliten
Norwegian Defence Research Establishment

Aufgezeichnete Schiffsignale des AISSat-1-Satelliten


Es wird eng auf den Wasserstraßen der Welt: Satellitendaten der norwegischen Raumfahrtbehörde zeigen, wo besonders viele Schiffe unterwegs sind. Die Bilder stammen von dem Nanosatelliten "AISSat-1", der die Daten des weltweiten Schiffverkehrs sammelt.

Alle großen Fracht- und Passagierschiffe müssen mit einem automatischen Identifizierungssystem ausgerüstet sein. Es erfasst, wo sich ein Schiff befindet und wie schnell es fährt. Ursprünglich sollte das System verhindern, dass Tanker aus Versehen kollidieren. Inzwischen dienen die Daten auch dazu, Umweltverschmutzungen aufzuklären und den Transport von gefährlichen Gütern zu überwachen.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

In Gebieten mit heftigem Schiffsverkehr bekommt der norwegische Satellit allerdings so viele Signale, dass der Empfänger regelrecht verstopft. Deshalb kann er mitunter nicht mehr jedes Schiff sicher identifizieren.

Bei der Karte oben handelt es sich um eine Art Wärmebild der Seefahrt. Die Farben zeigen, wie oft ein Schiff an einem Tag von dem Satelliten getrackt werden konnte.

Rot und Gelb stehen für wenige Beobachtungen. In diesen Gebieten ist es dem Satelliten also nicht gelungen, die einzelnen Schiffe den ganzen Tag über zu tracken - es waren einfach zu viele unterwegs. Grün und Blau bedeuten dagegen, dass ein Schiff innerhalb eines Tages mindestens zwölfmal beobachtet werden konnte. In diesen Regionen sind weniger Schiffe unterwegs.

Die Bilder zeigen, wie wichtig die Routen entlang der Küsten der USA, Europas und Südostasiens sind. Laut der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation werden 90 Prozent alles Güter auf dem Seeweg transportiert. Die Häfen der EU spielen eine wichtige Rolle. Etwa ein Drittel der weltweiten Schiffsbewegungen starten oder enden in der EU. Nord- und Ostsee gehören zu den Knotenpunkten.

2,5 Millionen Nachrichten an einem Tag

Dank eines neuen Empfängers können nun deutlich mehr Schiffe erfasst werden. Er wurde von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) mitentwickelt und im vergangenen Jahr auf zwei NorSat-Satelliten der norwegischen Raumfahrtbehörde gebracht. Dadurch ist es laut Esa nun möglich, bis zu 70 Prozent mehr Schiffe zu verfolgen und fast dreimal mehr Schiffspositionen zu erfassen. Die NorSat-Satelliten empfangen demnach jeden Tag etwa 2,5 Millionen Nachrichten von Schiffen weltweit.

Bilder aus der Nordsee zeigen, wie deutlich sich die Situation verbessert hat. Während die AISSat-Satelliten nur wenig Schiffe erfassen konnten, sind es bei den NorSat-Satelliten mit dem neuen Empfänger deutlich mehr. Außerdem konnten die Schiffe auch häufiger an einem Tag getrackt werden.

Empfangene Schiffsignale, links ohne neuen Empfänger, rechts mit
Norwegian Defence Research Establishment

Empfangene Schiffsignale, links ohne neuen Empfänger, rechts mit

"Dank der komplexen Hardware ist eine fortschrittlichere Softwareverarbeitung möglich, was erhebliche Verbesserungen beim Erfassen der Nachrichten mit sich bringt", sagt Carsten Tobehn von der Esa. Die besseren Daten helfen der norwegischen Küstenverwaltung nun, für mehr Sicherheit zu sorgen und Transporte besser zu planen.

koe

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Planquadrat 29.01.2018
1. Man
kann auf dieser Seite: http://www.marinetraffic.com/en/ais/home/centerx:115.1/centery:-51.1/zoom:5 ganz ohne Registrierung den Schiffsverkehr verfolgen.
Andre V 29.01.2018
2. Navigare necesse est, vivere non est necesse
Es gibt eine norwegische Raumfahrtbehörde? Man lernt doch jeden Tag dazu. Aber am beeindruckendsten ist dann doch der gewaltige Warenstrom. Schon die Römer brauchten das Mittelmeer, um ihre Güter preiswert transportieren zu können; als Piraten die Schifffahrt unrentabel machten, war es bald mit der Herrlichkeit vorbei.
Deep_Thought_42 29.01.2018
3. Dein Meer, das unbekannte Wesen
Ich bin doch etwas erstaunt über die Grafik. Habe in den 1990er Jahren mehrere Atlantiktörns mit Segeljachten unternommen. Nordatlantik, Karibik-Europa. Ich kenne ebenfalls die neuralgischen Engstellen Englischer Kanal, Verbindung Nordsee-Ostsee und die Strasse von Malakka / Singapur Strasse aus eigener Anschauung. Allgemeine damalige Beobachtung auf hoher See: Wenn man sich mit einem Segler abseits der Schiffahrtsrouten bewegt, kommt es zu so gut wie keiner Begegnung mit der Berufsschifffahrt. Nähert man sich jedoch einer Schfffahrtsroute, z.B. Europa-USA oder der südlichen Abzweigung nach Brasilien, kann man wetten, bis zu 10 Schiffe gleichzeitig in Sicht zu bekommen, für die schon weiter oben erwähnten Engstellen gilt: Schiffe hintereinander gereiht wie die Perlen auf einer Schnur. Die vorgestellte Grafik vermittelt ein völlig anderes Bild. Egal wo man sich befindet, Schiffe, Schiffe, Schiffe ! Schiffahrtsrouten sich da gar nicht mehr auszumachen. So weit liegen die Neunziger nun auch nicht zurück, dass sich die Situation so drastisch geändert hätte. Es ist hier viel von mehrmaligen Ortungen pro Tag die Rede, mich würde viel mehr interessieren, welcher Gesamtzeitraum hier getrackt wurde, um solch eine nahezu vollständig Ozean-bedeckung zu generieren. Jahre, Jahrzehnte ?
Flari 30.01.2018
4. @ #1 Planquadrat
Zitat von Planquadratkann auf dieser Seite: http://www.marinetraffic.com/en/ais/home/centerx:115.1/centery:-51.1/zoom:5 ganz ohne Registrierung den Schiffsverkehr verfolgen.
Und was wollen Sie damit sagen? Und woher, denken Sie, bekommt marinetraffic seine Daten? AIS ist als "bodennahes" (Anti) Kollisions-Warnsystem konzipiert worden, die Reichweite von Schiff zu Schiff ist auf rund 20km begrenzt, zwischen zwei Schiffen mit sehr hohen Antennen ggf. etwas mehr, zwischen Schiff und hoher Landstation sind Reichweiten zwischen 50 und 100km möglich, wenn keine Hindernisse die "Sicht" versperren. Transponder können die Reichweite erhöhen, bzw. um Funk-Hindernisse lenken, was insb. auf Flüssen entwickelter Länder zum Einsatz kommt. Trafficdienste wie z.B. marinetraffic bekommen ihre Daten von anderen Datendiensten, Reedereien oder anderen "Freiwilligen Meldern" über Sat-Funk/Telefon/Datendienst, Kurzwelle, etc. kostenfrei oder -pflichtig übermittelt. Daten eines Schiffes auf hoher See, das AIS zwar eingeschaltet hat, die Daten aber NUR per AIS sendet und ausserhalb der Reichweite anderer Schiffe oder Küstenstationen ist, bekommt marinetraffic nur, wenn es die Daten ggf. kostenpflichtig von den AISSat, bzw. NorSat Betreibern erhält, wenn diese in der Lage waren/sind, das an sich terristische AIS-Signal aufzunehmen und auszuwerten. Und für viele Schiffe ist das auch mit den beiden neuen Satelliten nicht möglich. Leider lassen auch die Originaltexte der ESA viele Fragen offen, teilweise erscheinen sie mir auch unstimmig.
Flari 30.01.2018
5. @Deep_Thought_42, #3
Zitat von Deep_Thought_42Ich bin doch etwas erstaunt über die Grafik. Habe in den 1990er Jahren mehrere Atlantiktörns mit Segeljachten unternommen. Nordatlantik, Karibik-Europa. Ich kenne ebenfalls die neuralgischen Engstellen Englischer Kanal, Verbindung Nordsee-Ostsee und die Strasse von Malakka / Singapur Strasse aus eigener Anschauung. Allgemeine damalige Beobachtung auf hoher See: Wenn man sich mit einem Segler abseits der Schiffahrtsrouten bewegt, kommt es zu so gut wie keiner Begegnung mit der Berufsschifffahrt. Nähert man sich jedoch einer Schfffahrtsroute, z.B. Europa-USA oder der südlichen Abzweigung nach Brasilien, kann man wetten, bis zu 10 Schiffe gleichzeitig in Sicht zu bekommen, für die schon weiter oben erwähnten Engstellen gilt: Schiffe hintereinander gereiht wie die Perlen auf einer Schnur. Die vorgestellte Grafik vermittelt ein völlig anderes Bild. Egal wo man sich befindet, Schiffe, Schiffe, Schiffe ! Schiffahrtsrouten sich da gar nicht mehr auszumachen. So weit liegen die Neunziger nun auch nicht zurück, dass sich die Situation so drastisch geändert hätte. Es ist hier viel von mehrmaligen Ortungen pro Tag die Rede, mich würde viel mehr interessieren, welcher Gesamtzeitraum hier getrackt wurde, um solch eine nahezu vollständig Ozean-bedeckung zu generieren. Jahre, Jahrzehnte ?
Die Angaben der ESA geben auch mir Rätsel auf. Das erste Bild soll Daten des AISSat-1 aus 2010 aus 24 Stunden darstellen, in denen dieser die Erde knapp 15 mal umrundet hat, während die Erde unter seiner Umlaufbahn eine Umdrehung ausführte, wobei der Empfangsbereich maximal um 2.500km, eher niedriger betragen soll. Bei der ESA existiert das Bild in einer Auflösung von 1473 x 737px, ein px entspricht auf dem Äquator einem Planquadrat von knapp über 27km Kantenlänge. Und dort findet sich so gut wie kein schwarzer Pixel, egal ob Atlantik, Pazifik, etc. Auffällig ist immerhin der schwarze Schatten vor der Ostküste von Somalia, wo viele das Fahrwasser meiden oder aber AIS abschalten. Die ESA schreibt wörtlich auf ihrer Seite: "In Gebieten mit hoher Seeverkehrsdichte kann die Anzahl der von Schiffen gesendeten Nachrichten so hoch sein, dass sie den Satellitenempfänger stören. Die Lösung ist eine neue Nachrichtenart, die von den Satelliten leichter empfangen werden kann und weniger durch Interferenzen von anderen Nachrichten gestört wird." Ich habe nichts davon mitbekommen, dass irgend etwas an den AIS-Geräten oder ihrer SW geändert wurde. An anderer Stelle ist zu lesen, dass alleine die neuen Empfänger der neuen Satelliten die Trennung der überlagerten Signale schaffen.. Andere reden davon, dass das nur mit einer gesteuerten Antennenabtastung der See-/Erdoberfläche möglich ist, was mir aktuell am wahrscheinlichsten erscheint. Anders, als nacheinander lediglich einzelne Segmente abzutasten/zu erfassen, lässt sich für mich der Unterschied der beiden Nordseeerfassungen nicht erklären.
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