Weltraum-Hotel Touristen pendeln zwischen Mars und Erde

Ein Weltraum-Hotel soll ab dem Jahr 2018 zwischen Mars und Erde pendeln. Leiter des ehrgeizigen Projekts ist kein Geringerer als Edwin "Buzz" Aldrin, der zweite Mann auf dem Mond.


Die Anfänge: Die "Columbia" hebt 1981 zum ersten Flug ab
AFP

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Aldrin und seinen Mitstreitern schwebt ein Raumschiff vor, das die Schwerkraft der Planeten und der Sonne als unerschöpfliche Antriebsquelle benutzt. Einmal in die Sonnen-Umlaufbahn gebracht, bräuchte es nur noch kleine Mengen an Schubkraft für Kurskorrekturen. Ein Flug zum Mars soll so sechs bis acht Monate dauern.

"Regelmäßige Flüge zwischen den Planeten könnten einen völlig neuen ökonomische und philosophische Ansatz für die Weltraumerforschung darstellen", sagt Aldrin in einem Bericht der Purdue University, die neben dem Massachusetts Institute of Technology und der University of Texas an den Raumschiff-Plänen beteiligt ist. Der Ex-Astronaut blickt bereits weit in die Zukunft: "Eine zuverlässige und mehrfach nutzbare Transportmöglichkeit könnte das nächste große Zeitalter der Erforschung, der Expansion, der Besiedlung und des multi-planetaren Handels eröffnen."

Buzz Aldrin mit Ehefrau Lois: Kühne Pläne für den Weltraum-Tourismus
DPA

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Touristen wohnen in Treibstofftanks

Zunächst aber will das Forscherteam klären, welche Form das "Cycler" genannte Raumschiff annehmen könnte. Im Gespräch ist laut Aldrin eine Konstruktion aus leeren Treibstofftanks des Space-Shuttles. Normalerweise werden sie während des Flugs abgeworfen und verglühen in der Erdatmosphäre. Das Shuttle könnte, so die Idee des Forscherteams, pro Flug zwei modifizierte leere Tanks zu einem erdnahen Punkt der Umlaufbahn hieven, aus denen das Raumschiff zusammengesetzt wird. Ein solches Gefährt mit Platz für rund 50 Raumtouristen könnte laut Aldrin schon im Jahr 2018 zum Jungfernflug starten.

Der "Cycler" soll, so die Planung, von den Gravitationskräften der Sonne, der Planeten und ihrer Monde angetrieben werden. Die Nasa will dazu das "Slingshot-Manöver" anwenden, das in den sechziger Jahren entwickelt wurde: Wenn sich ein Raumschiff einem Planeten nähert, gerät es für kurze Zeit in dessen Anziehungskraft. Da das Schiff aber zu schnell ist, um auf den Planeten hinabzustürzen, krümmt sich die Flugbahn nur, während die Geschwindigkeit stark zunimmt. "Man braucht vielleicht ein wenig Treibstoff für gelegentliche Antriebsschübe", sagt James Longuski, Professor für Aeronautik und Astronautik an der Purdue University. "Aber danach ist es beinahe ein Gratisflug."

Schwierige Kursberechnung

Allerdings ist ein perfekter Kurs schwierig zu berechnen. Denn während die Erde die Sonne in einer fast kreisförmigen Umlaufbahn umrundet, ist die des Mars elliptisch. Die Entfernung zwischen den beiden Planeten ist deshalb starken Schwankungen unterworfen. Kommt der "Cycler" Mars oder Erde zu nahe oder ist er zu schnell, würden die Steuertriebwerke zu viel Treibstoff für die Kurskorrektur verbrauchen - die mit Touristen gefüllten "Taxi"-Shuttles könnten kaum noch andocken. Ist er einmal in Fahrt, kann der "Cycler", der mit 21.000 Kilometern pro Stunde an Mars und Erde vorbeirauscht, nicht mehr bremsen, die Shuttles müssen ihn in voller Fahrt zum Andocken erwischen . Auch wäre ein "Cycler" nicht genug, wie das Forscherteam einräumt: Wenn die Fähre den Mars erreiche, liege der rote Planet derart weit von der Erde entfernt, dass der Rückflug unzumutbar lang dauern würde. Es müssten wohl schon drei Raumschiffe sein, um die betuchten Touristen in zumutbaren Zeiträumen zwischen den Planeten hin und her zu bugsieren.

Zu Kosten und Finanzierung des Projekts halten sich die Verantwortlichen noch bedeckt. Ansonsten aber, meint Aldrin, sei alles geritzt. "Die erste Mission wird etwas konservativer sein und stärkere Sicherheitsvorkehrungen haben", sagt der 72-Jährige, "bis wir sicher wissen, was wir tun."



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