Weltraum-Kartierung: Astronomen zeigen größtes Foto des Alls
Um dieses Bild in voller Auflösung zu zeigen, bräuchte man eine halbe Million Fernseher: Forscher haben das bislang detailreichste Farbfoto unseres Universums veröffentlicht. Die Astronomen rechnen damit, auf dem Bild zahlreiche neue Galaxien und Sterne zu entdecken.
Hamburg - Nacht für Nacht wird der Himmel kartiert, um ihm weitere Geheimnisse zu entlocken. Nach fest vorgegebenen Mustern scannen vollautomatische Teleskope Objekt um Objekt. Zu den ehrgeizigsten großflächigen Beobachtungsprojekten der Astronomie gehört der Sloan Digital Sky Survey (SDSS). Das internationale Projekt bekommt seine Daten von einem speziellen Zweieinhalb-Meter-Teleskop am Apache Point Observatory im US-Bundesstaat New Mexico. Angeschlossen ist eine Hochleistungs-Digitalkamera mit rund 138 Megapixeln - pro Bild.
Auf dem aktuellen Jahrestreffen der American Astronomical Society in Seattle haben die SDSS-Projektmitarbeiter nun eine neue Karte vorgestellt. Sie umfasst gut ein Drittel des Himmels in beeindruckender Detailtiefe - und gilt als größtes Farbbild des Universums. Um sie in größtmöglicher Auflösung zu betrachten, seien 500.000 HD-Fernseher nötig, teilt die Projektleitung mit. Die Aufnahme löst die Himmelskarte des Palomar Sky Survey aus den fünfziger Jahren ab und zeigt etwa zehnmal so viele Objekte: Sterne, Galaxien, Nebel, Quasare.
"Dieses Bild bietet die Chance auf viele wissenschaftliche Entdeckungen in den kommenden Jahren", sagt Bob Nichol von der University of Portsmouth. Schon jetzt hat das Projekt seine Meriten erworben: Auf Basis der bisherigen SDSS-Daten seien bereits 3500 wissenschaftliche Veröffentlichungen entstanden, sagte Michael Blanton von der New York University, der die neuen Aufnahmen auf dem Kongress vorstellte. Eine halbe Milliarde astronomische Objekte habe man mit Hilfe der bisherigen Aufnahmen neu entdecken können.
Zahlreiche Neuentdeckungen am Nachthimmel
Das neue Bild sei nicht nur groß, sondern auch nützlich: Die Forscher gehen davon aus, dass zahlreiche weitere Himmelsobjekte mit seiner Hilfe entdeckt werden. Die veröffentlichten frischen Bilder werden dabei für Profi-Wissenschaftler ebenso reizvoll sein wie für All-Amateure. So stecken auch hinter dem Dienst "Google Sky" SDSS-Aufnahmen.
Die Fotos des Projekts bilden außerdem die Grundlage für Projekte wie "Galaxy Zoo", bei denen Hobby-Astronomen bei der Auswertung der Fotos mitarbeiten können. Auf diese Weise hatte eine Lehrerin aus den Niederlanden ein mysteriöses grünes Objekt entdeckt. Mit dem Weltraumteleskop "Hubble" konnte dieses nun auch hoch aufgelöst beobachtet werden.
Die Kamera am Teleskop des Sloan Digital Sky Survey geht nun nach mehr als zehn Dienstjahren in Rente und soll im Smithsonian Museum in Washington ausgestellt werden. Das Projekt geht allerdings weiter: Es soll sich in Zukunft verstärkt um spektroskopische Beobachtungen kümmern. Auf diese Weise lassen sich auch die Entfernungen von Galaxien sowie die Temperaturen und chemische Zusammensetzungen von Sternen bestimmen.
Neben der Sloan Digital Sky Survey suchen auch noch andere Projekte konstant das All ab. Erst am Dienstag wurden Bilder der europäischen Raumsonde "Planck" präsentiert, die bisher unbekannte Gas- und Staubwolken in unserer Milchstraße zeigen. Insgesamt 15.000 Objekte habe man bisher erspähen können, erklärte die Europäische Weltraumbehörde Esa. Besonders interessant seien große Galaxiehaufen, die Rückschlüsse auf die Frühzeit des Universums erlaubten. Die "Planck"-Mission soll noch mindestens bis zum Ende des Jahres laufen.
chs
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