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Weltraum: US-Marine schießt giftigen Spionagesatelliten ab

Die US-Marine hat einen defekten und mit hochgiftigem Treibstoff gefüllten Satelliten abgeschossen, um einem unkontrollierten Aufprall auf die Erde zu verhindern. Die Rakete wurde von einem Kriegsschiff im Pazifik aus abgefeuert.

Washington/Honolulu - Die Rakete traf den mit hochgiftigem Treibstoff gefüllten Spionagesatelliten in 210 Kilometer Höhe über dem Pazifik. Eine erste Untersuchung habe ergeben, dass der Treibstofftank mit 450 Kilogramm giftigem Hydrazin wie geplant zerstört worden sei, berichtete ein Pentagon-Sprecher. Sensoren zu Land, See und in der Luft hätten bestätigt, dass die Rakete den Satelliten getroffen habe, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Wenn dieser Stoff in einer bewohnten Region niedergegangen wäre, hätte nach US-Angaben eine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung bestanden. Deshalb entschloss sich das US-Verteidigungsministerium zum Abschuss des künstlichen Himmelskörpers, der die Größe eines Busses hat. Dazu wurde eine Rakete des Typs SM-3 vom Kreuzer "Lake Erie" aus abgeschossen. Das Geschoss traf den Satelliten, der mit einer Geschwindigkeit von 27.000 Kilometern in der Stunde die Erde umkreiste.

Die Rakete wurde entwickelt, um angreifende Raketen abzuschießen. Für die Spezialausgabe wurde eine kostspielige Anpassung der Rakete erforderlich. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, Geoff Morrell, bezifferte die Ausgaben dafür mit 30 bis 40 Millionen Dollar (20 bis 27 Millionen Euro).

Bei dem Satelliten versagte die Stromversorgung, nachdem er Ende 2006 seine Umlaufbahn erreicht hatte. Anschließend verlor er immer mehr an Höhe. Mit dem Abschuss wollte das Pentagon verhindern, dass der Satellit in die Erdatmosphäre eintritt und dann unkontrolliert abstürzt.

China und Russland hatten Bedenken geäußert, dass der Abschuss die Sicherheit im Weltall gefährden könnte. Das Verteidigungsministerium in Moskau kritisierte, die USA wollten "den Rüstungswettlauf ins All verlegen". Die USA hatten Anfang 2007 selbst verärgert reagiert, als China einen Satelliten gezielt abschoss.

Mit dem Abschuss des Satelliten hatte Washington gewartet, bis die US-Raumfähre "Atlantis" sicher auf der Erde gelandet war. Die "Atlantis" war am Mittwochvormittag (Ortszeit) in Florida gelandet.

Das US-Verteidigungsministerium geht davon aus, dass in den folgenden 24 bis 48 Stunden der überwiegende Teil der Trümmer des abgeschossenen Satelliten in die Erdatmosphäre eintreten und dabei vollständig verglühen wird. Die übrigen Teile sollten die Atmosphäre binnen 40 Tagen erreichen.

als/AP/AFP

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Pazifik: Rakete trifft Spionagesatelliten

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