Moskau - Das war knapp: Wegen drohender Gefahr durch Weltraumtrümmer ist die Internationale Raumstation am Dienstag evakuiert worden. Die Besatzung wurde in zwei russischen "Sojus"-Kapseln in Sicherheit gebracht, meldete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Russlands Raumfahrtbehörde am Dienstag. Auf der ISS sind derzeit sechs Raumfahrer stationiert.
Da die Trümmer zu spät bemerkt worden seien, habe die 110 Meter breite Station nicht mehr ausweichen können, sagte ein Mitarbeiter des Flugleitzentrums bei Moskau. Die sechs Besatzungsmitglieder zogen sich zur Sicherheit in die beiden angekoppelten "Sojus"-Kapseln zurück. Das unbekannte Bruchstück sei in nur 250 Meter Entfernung vorbeigeflogen, meldete die Agentur Interfax. Ein Sprecher der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa sagte SPIEGEL ONLINE: "Nach unseren Informationen geht es den Astronauten gut."
In der Vergangenheit hatte die ISS wiederholt Weltraumschrott - wie zum Beispiel ausrangierten Satelliten - ausweichen müssen. Im Oktober 2010 war der ISS ein erfolgreiches Ausweichmanöver gelungen: Damals wurde die ISS mit Hilfe einer Zündung von Schubdüsen in eine sichere Position gebracht.
Und schon einmal mussten Astronauten sich wegen herumfliegender Trümmer in eine "Sojus"-Kapsel retten. Im März 2009 hatte sich ein Teil eines ausgedienten Satellitenmotors bedrohlich nahe der Raumstation genähert. Der anfliegende Schrott wurde für eventuelle Ausweichmanöver ebenfalls zu spät entdeckt.
Überwachungssystem geplant
An Bord der ISS halten sich derzeit die Russen Sergej Wolkow, Alexander Samokutjajew und Andrej Borissenko sowie die US-Amerikaner Mike Fossum und Ronald Garan und der Japaner Satoshi Furukawa auf. Am 8. Juli soll letztmals ein US-Space Shuttle zur Raumstation fliegen, danach sind die russischen "Sojus"-Raumschiffe die vorerst einzigen Transporter.
Der stetig zunehmende Weltraumschrott beunruhigt die Weltraumbehörden zusehends. Bis zu 120.000 Objekte ab einem Zentimeter Größe kreisen mittlerweile um die Erde. Die Höhe entscheidet, wie lange der Weltraumschrott im All bleibt: Objekte, die in weniger als 200 Kilometer Höhe um den Planeten reisen, verglühen innerhalb weniger Tage in der Atmosphäre. Alles jenseits von 800 Kilometern kann hingegen eine halbe Ewigkeit kreisen. Besonders viele fliegende Schrottteile gibt es in 800, 1000 und 1500 Kilometern Höhe. Die ISS befindet sich in 350 Kilometern Höhe.
Um der Gefahr zu begegnen, arbeitet die europäische Weltraumbehörde Esa an einem Überwachungssystem für Weltraumschrott: Ein Netzwerk aus mehreren Messstationen soll fliegende Objekte ab zehn Zentimeter Größe erfassen.
cib/dpa/AFP
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