Schrott im All Weltraum-Pannendienst soll Satelliten helfen

Raketenteile, kaputte Satelliten, sogar eine Discokugel: Um die Erde kreist jede Menge Müll, den Firmen nun zu Geld machen wollen.

Computersimulation von Weltraummüll
DPA

Computersimulation von Weltraummüll


Wer genügend Geld hat, kann alles ins All schießen. Vorgemacht hat es Tesla-Chef und SpaceX-Gründer Elon Musk, der mit einer Rakete einen roten Elektrosportwagen in den Weltraum katapultierte. Neuseeland platzierte eine riesige Discokugel in der Erdumlaufbahn und eine japanische Firma bietet bald Sternschnuppen auf Bestellung an.

Das Problem: Inzwischen rast eine Müllkippe um die Erde. Weltraummissionen haben gut 20.000 Schrotteile in unmittelbarer Erdnähe hinterlassen, die mit bis zu 30.000 Kilometern pro Stunde um unseren Planeten kreisen. Der Weltraumschrott ist eine Gefahr für Raumfahrer und Satelliten. Im schlimmsten Fall droht durch eine Kollision der Schrottteile eine fatale Kettenreaktion, die Flüge ins All komplett unmöglich machen würde. Wissenschaftler arbeiten deshalb schon seit Längerem an technischen Lösungen.

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SpaceX: Rakete startet mit Tesla ins All

"Millionen zum Fenster rausgeworfen"

Die neueste Idee: Ein Pannendienst für Satelliten. Derzeit kreisen etwa 3000 inaktive Satelliten um die Erde. Wenn ihnen der Treibstoff ausgeht und sie daher ihre Umlaufbahn verlassen, haben sie ausgedient. "Da werden buchstäblich Hunderte Millionen Dollar zum Fenster hinausgeworfen", sagt Al Tadros, Vize-Chef für Weltrauminfrastruktur und zivile Raumfahrt beim Satellitenbauer SSL.

SSL etwa will 2021 ein Raumfahrzeug ins All schicken, das Satelliten im Notfall reparieren kann - etwa 36.000 Kilometer von der Erde entfernt. Das unbemannte Raumschiff soll an einen Satelliten andocken können, um ihn zu inspizieren, zu betanken und möglicherweise zu reparieren, Komponenten zu wechseln und dann wieder in die richtige Umlaufbahn zu bringen. Vergleichbar sei dies "mit einem ADAC-Servicewagen", sagt Tadros. Finanziell sieht er darin "eine sehr große Chance".

All-Friedhof für Satelliten

Ein ähnliches Konzept verfolgt auch Telekommunikationsriese Intelsat, der 50 Satelliten betreibt. Ein Abschleppwagen der Firma Space Logistics soll an ausgefallene Satelliten andocken und sie auf die richtige Umlaufbahn lotsen. Ein Magnetsystem zur Erfassung von Weltraumschrott und kaputten Satelliten entwickelt das 2013 gegründete japanische Unternehmen Astroscale. Ein Testlauf ist für 2020 geplant. Und der Luftfahrtkonzern Airbus will von 2023 an mit seinem Programm "Space Tug" alte Satelliten auf 200 Kilometer Entfernung zur Erde schleppen, damit sie dort verglühen.

Das Geschäft könnte sich lohnen. So verlangt Frankreich seit 2008 von Satellitenbetreibern Maßnahmen zur "Deorbitierung" ihrer Raumfahrzeuge, also eine Software, die sie nach 25 Jahren wieder in die Erdatmosphäre eindringen und verglühen lässt. Ausrangierte Satelliten im geostationären Orbit müssen dagegen in einen "Friedhofsorbit" 300 Kilometer weiter von der Erde entfernt ausweichen.

Für kleinere Trümmerteile wäre der Pannendienst für Satelliten allerdings keine Lösung. Dabei machen sie einen Großteil des Weltraumschrotts aus. Allein der Abschuss eines chinesischen Satelliten im Jahr 2007 und die Kollision zweier Satelliten im Jahr 2009 hatten für Tausende Trümmerteilchen gesorgt. Hinzu kommen Hunderte Raketenstücke.

Das Problem Weltraumschrott wird immer drängender: Die Zahl der Satelliten im Weltraum hat sich laut Branchenverband Satellite Industry Association in fünf Jahren um 50 Prozent erhöht - Tendenz steigend. US-Experten diskutieren daher eine bessere internationale Regulierung des Weltraumverkehrs. Fred Kennedy von der militärischen US-Forschungsagentur Darpa betont: "Wir wollen keinen Wilden Westen."

koe/AFP



insgesamt 10 Beiträge
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Andre V 20.01.2019
1. Sagen, was ist...
Der Tesla umkreist nicht die Erde, sondern die Sonne. Er hat im November die Marsbahn gekreuzt und wird erst 2091 wieder an der Erde vorbei fliegen.
andre.schulze 20.01.2019
2.
Nicht nur die Beschreibung des Tesla Roadsters mit seiner 557 tägigen Sonnenumlaufbahn ist wahnsinnig ungenau, sondern auch die des Humanity Stars. Das Ding startete am 21. Januar 2018, wog 8kg und hatte einen Durchmesser von einem Meter (1m). Diesen Minisatelliten in Zusammenhang mit Weltraumschrott zu erwähnen ist eigentlich fast schon peinlich, denn er ist bereits zwei Monate später am 22. März 2018 verglüht.
Rick73 20.01.2019
3. Wissenschaftler tüfteln....
schon lange an einer Lösung...ich lach mich schlapp....die Erde ist vermüllt, die Gewässer sind vermüllt, der unmittelbare Weltraum ist vermüllt aber Wissenschaftler tüftelt schon lange an einer Lösung - na dann ist ja alles gut!
zeichenkette 20.01.2019
4. Eine ganz zentrale Massnahme:
Es muss sicher gestellt sein, dass ausgediente und defekte Satelliten in einen Wiedereintritt gesteuert werden. Alles andere ist Kleinkram. Der Grund dafür ist der, dass all der Kleinschrott letztlich dadurch entsteht, wenn nicht mehr kontrollierte Satelliten mit anderen Teilen kollidieren und in immer kleinere Teile zerbrechen. Das "Reparieren und Betanken" ist Zukunftsmusik und letztlich auch fragwürdig, denn am Ende ihrer Lebensdauer sind die Dinger einfach nicht mehr wirklich zu gebrauchen. Kleine automatisierte Raumfahrzeuge, die an solche defekten oder ausgedienten Satelliten andocken und sie etwas abbremsen bzw. die Umlaufbahn so ändern, dass der tiefste Punkt nah genug an der Atmosphäre ist, dass sie immer weiter abgebremst werden, bis sie vollständig in die Atmosphäre eintreten und verglühen, wären dagegen fast trivial zu bauen. Das Problem ist nur, wer soll das bezahlen? Das wird erst dann passieren, wenn es saftige Strafen für die Betreiber gibt, wenn sie nicht mehr kontrollierbare Satelliten in der Umlaufbahn belassen. Die Strafen müssen so hoch sein, dass sicheres Entfernen entweder zum Ende der Lebensdauer des Satelliten aus eigener Kraft oder durch eigens dafür gestartete Roboter billiger ist. Genau diese Rahmenbedingungen zu schaffen wäre eine Aufgabe der Politik, nicht von irgendwelchen Firmen. Übrigens, diesen Artikel an dem Tesla aufzuhängen, den SpaceX als Testballast gestartet hat, grenzt schon an vorsätzliche Irreführung, denn das Ding ist nicht in einer Erdumlaufbahn. Und wenn sie stattdessen einen Betonklotz genommen hätten, hätte das auch nichts geändert.
freigeistiger 20.01.2019
5. Verstehe ich nicht.
Für mich ist es selbstverständlich, etwas ordentlich zu hinterlassen. Man braucht es später noch. Und meinen Müll ordentlich zu entsorgen. Teile wie Raketenstufen oder ausgediente Satelliten haben so konzipiert zu sein, dass sie in kleinere Teile zerfallen, um dann in der Erdatmosphäre vollständig zu verglühen. Wo ist das Problem?
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