Spardiktat: US-Luftwaffe schaltet Weltraumschrott-Suchsystem ab

Von und

US-Offizier des Deep Space Surveillance System: "Space Fence" wird stillgelegt Zur Großansicht
REUTERS

US-Offizier des Deep Space Surveillance System: "Space Fence" wird stillgelegt

Satelliten und Weltraumschrott behält die US-Luftwaffe bisher mit dem sogenannten Space Fence im Auge - doch nun soll das Überwachungssystem eingestellt werden. Grund sind die Etat-Einschnitte bei den Streitkräften. Die Ersparnisse durch das Aus der Radaranlagen sind allerdings bescheiden.

Washington - Das US-Militär muss sparen - so sehen es die Budgetpläne der Obama-Regierung vor. Was in den USA als "sequestration" bekannt ist, wirkt sich vor allem auf den Etat des Pentagon aus. Allein 2013 muss das Ministerium mit 42,7 Milliarden Dollar weniger auskommen. Nun wurde eine weitere Sparmaßnahme bekannt: Die US-Luftwaffe stellt aus Kostengründen ihr bisheriges System zur Überwachung von Satelliten im All ein.

Zum 1. Oktober werde der sogenannte "Space Fence" ("Weltraumzaun") abgeschaltet, teilte die Air Force am Montag mit. Dadurch würden mit Beginn des Finanzjahres 2014 jährlich 14 Millionen Dollar eingespart. Dies ist nötig, weil der Verteidigungsetat als Teil der allgemeinen Sparbemühungen der Regierung durch automatische Kürzungen schrumpft. Bei einem Gesamtetat von rund 700 Milliarden Dollar dürfte eine Einsparung von 14 Millionen keinen allzu großen Unterschied machen - was den Verdacht nährt, dass es sich bei der Ankündigung eher um ein politisches Signal handelt.

Space Fence, das offiziell Air Force Space Surveillance System heißt, ist seit 1961 in Betrieb. Die drei Sender und sechs Empfänger für die Radarstrahlen befinden sich an verschiedenen Orten im Süden der USA. Unter anderem stehen sie in Arizona, Texas und Alabama. Der zuständige Luftwaffen-Kommandeur, General William Shelton, bezeichnete "Space Fence" als veraltet. Neue Technologien könnten Satelliten und andere Objekte in der Erdumlaufbahn mit Hilfe genauerer Radare besser überwachen. Deswegen sei nun ein neues System in Planung.

Gesamtsystem angeblich auch ohne "Space Fence" zuverlässig

Wann und zu welchen Kosten dieses allerdings eingeführt werden kann, ist offen. 2011 hatte das Pentagon an die US-Unternehmen Lockheed Martin und Raytheon Aufträge für Prototypen vergeben. Laut der Webseite Military.com waren diese Deals jeweils 107 Millionen Dollar schwer. Einem Bericht von DefenseNews.com zufolge liegt das Projekt jedoch auf Eis, bis es Klarheit über die Sparpläne im Pentagon gebe. Und bis dahin fehlt der Luftwaffe ein nicht ganz unwichtiges Weltraum-Überwachungsinstrument.

"Space Fence" dient in erster Linie dazu, bisher nicht bekannte Schrottteile im Orbit ausfindig zu machen. Seine Impulse reichen tief ins All hinein, sind durch ihre große Wellenlänge aber relativ ungenau. Die präzise Berechnung von Größe und Bahn der neu entdeckten Objekte werde deshalb von anderen Systemen übernommen, erklärt Heiner Klinkrad, Leiter des Weltraummüll-Büros der europäischen Weltraumbehörde Esa.

Der Schrottteile-Katalog der USA, der derzeit rund 17.000 Einträge besitze, "würde aber nicht zusammenbrechen, wenn 'Space Fence' wegfällt". Zwar wäre das geplante neue System "erheblich besser": Es könnte Objekte von weniger als zehn Zentimetern Größe erfassen, so dass eine Nachverfolgung mit anderen Sensoren oft gar nicht mehr nötig sei. "Aber das Gesamtsystem ist auch ohne den 'Space Fence' zuverlässig", meint Klinkrad.

Weltraummüll ist inzwischen zu einer Gefahr für die Raumfahrt geworden, die immer größer zu werden droht. Immer wieder kommt es vor, dass Satelliten oder sogar die Internationale Raumstation Ausweichmanöver fliegen müssen, um nicht mit Schrottteilen zu kollidieren. Bei den hohen Geschwindigkeiten im Orbit können selbst kleinste Teilchen bei Kollisionen enorme Schäden verursachen.

Wissenschaftler schätzen, dass inzwischen etwa 29.000 Objekte von einer Größe von mehr als zehn Zentimetern die Erde mit einem Tempo von durchschnittlich 25.000 Kilometern pro Stunde umkreisen. Das Alptraumszenario ist eine galoppierende Vermehrung des Schrotts: Je mehr Trümmerteile es gibt, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass es bald den nächsten Satelliten erwischt - was die Menge des Schrotts erneut steigern würde. Am Ende dieser Spirale könnte der Orbit schlicht nicht mehr benutzbar sein. Forscher denken deshalb schon über eine Müllabfuhr im All nach.

Die USA fahren ihren Verteidigungsetat derzeit massiv zurück. Pentagon-Chef Chuck Hagel hatte Ende Juli angekündigt, die laufenden Kosten um insgesamt 40 Milliarden Dollar zu kürzen und weitere Einsparungen in Höhe von 50 Milliarden Dollar anzustreben. Deshalb soll auch die aktive Truppe um rund 70.000 Soldaten und die Reserve um bis zu 65.000 Kräfte verringert werden. In Reihen des US-Militärs ist die Kritik an den erzwungenen Sparmaßnahmen groß. Mit Beispielen wie der Stilllegung von "Space Fence" zerren die Gegner der Budget-Kürzungen das Thema derzeit in die Öffentlichkeit.

Ein weiteres Beispiel für radikale Sparmaßnahmen hatte die US-Marine in der vergangenen Woche geliefert: Das Atom-U-Boot "Miami" soll verschrottet werden. Das Schiff war 2012 bei einem Brand schwer beschädigt worden. Zunächst war die Marine davon ausgegangen, die "Miami" nach aufwendigen Reparaturen 2015 wieder auf See schicken zu können. Ständig steigende Kosten, gepaart mit dem Spardruck aus Washington, führten jedoch letztlich zur Einstellung des Projekts. Die "Miami" wird nun in den kommenden Monaten abgewrackt.

Mit Material von Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
herr_kleint 13.08.2013
Zitat von sysopSatelliten und Weltraumschrott behält die US-Luftwaffe bisher mit dem sogenannten Space Fence im Auge - doch nun soll das Überwachungssystem eingestellt werden. Grund sind die Etat-Einschnitte bei den Streitkräften. Die Ersparnisse durch das Aus der Radaranlagen sind allerdings bescheiden. Weltraumschrott: US-Luftwaffe schaltet Space Fence ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/weltraumschrott-us-luftwaffe-schaltet-space-fence-ab-a-916296.html)
Der Tag an dem man nicht mehr durch den Schrottgürtel kommt wird mir ein Grinsen ins Gesicht zaubern. Immer erst handeln, wenn die Kacke am dampfen ist. Das ist ganz wichtig. Prävention kostet ein heiden Geld und erzielt kurzfristig, pro Wahl/Regierungsperiode gesehen, keinen Erfolg (für die Stimmenbilanz zum Machterhalt).
2.
rainer_humbug 13.08.2013
Zitat von sysopSatelliten und Weltraumschrott behält die US-Luftwaffe bisher mit dem sogenannten Space Fence im Auge - doch nun soll das Überwachungssystem eingestellt werden. Grund sind die Etat-Einschnitte bei den Streitkräften. Die Ersparnisse durch das Aus der Radaranlagen sind allerdings bescheiden. Weltraumschrott: US-Luftwaffe schaltet Space Fence ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/weltraumschrott-us-luftwaffe-schaltet-space-fence-ab-a-916296.html)
So eine Totalüberwachung der ganzen Welt gibts halt nicht umsonst. Raumfahrt und Forschung wird völlig überbewertet! Der Reichtum muss vor den Klauen der Wissenschaft beschützt werden und wenn man dafür die ganze Welt überwachen und ausspionieren muss! [/Ironie]
3. Dank gebührt auch den Chinesen
Kauzboi 13.08.2013
Die haben schliesslich in einer wahnwitzigen Demonstration der (geistigen) (un)Fähigkeit einen alten Satelliten zerbröselt und so alleine für abertausende neue, sehr schnell fliegende Schrotteile gesorgt. In diesem Sinne: Danke, KP! Hoffentlich seid ihr die ersten die nichts mehr hoch schiessen könnt, weil euch keiner sagt wo wann was rumfliegt.
4. @rainer ...
hokie 13.08.2013
(unsinn)... Warum sollen die US dafuer allein zahlen?! Sollen doch die ueberlegenen Europaeischen Zivilisationen oder das neureiche Kina die verfolgung von "unser aller" Weltraumschrott bezahlen!! Die spongutmenschen weisen bei jeder unpassenden Gelegenheit darauf hin dass die US sich besser um ihre "marode Infrastruktur und Bildungswesen", schei** Gesundheitswesen und Sozialhilfe kuemmern sollten ... Um eben diesen Traum zu Finanzieren werden ueberfluessige Ausgaben , wie dieser Weltraumschrott, gestrichen... Und es passt den Bessermenschen noch immer nicht !!! Sollen doch die zukuenftigen "Weltmaechte" freakin kina und Rotland den Mist bezahlen ...
5.
lronmcbong 14.08.2013
der etat von 700mrd dollar nur für das militär. irrsinn! aber sonst haben sie ja auch nix! immerhin ein richtiger schritt beim grössten batzen endlich anzufangen?! aber ob man sich langfristig gegen den industriell militärischen komplex durchsetzen kann bleibt fraglich!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Weltall
RSS
alles zum Thema Weltraummüll
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 14 Kommentare
  • Zur Startseite

Fotostrecke
Weltraumschrott: Rasende Geschosse im Orbit

Interaktive Grafik