Weltraumteleskop "Hitomi" Japan verliert Kontakt zum kosmischen Röntgenauge

Der 14 Meter lange Satellit war im Februar gestartet - nun hat Japans Weltraumbehörde die Funkverbindung zu dem Röntgenteleskop verloren. Womöglich ist es zerbrochen.

JAXA

"Hitomi" heißt das Weltraumteleskop, japanisch für Auge oder Pupille. Es arbeitet im Bereich harter Röntgenstrahlung und soll beispielsweise nach dunkler Materie in fernen Galaxien fahnden. Doch daraus wird womöglich nichts mehr, denn Kontakt zu dem japanischen Satelliten ist schon seit mehreren Tagen nicht mehr möglich.

Man versuche, die Verbindung wiederherzustellen, sagte eine Sprecherin der japanischen Weltraumagentur Jaxa. Das Problem sei am Samstag aufgetreten. "Hitomi" war am 17. Februar 2016 gestartet worden und umkreist die Erde seitdem in einer Höhe von 560 bis 580 Kilometern. Das Teleskop befand sich noch im Testmodus, funktionierte bis dahin aber offenbar problemlos.

Womöglich ist "Hitomi" in mehrere Teile zerbrochen. Das teilte zumindest das Joint Space Operations Center mit, das für das US-Militär Objekte im Erdorbit beobachtet und identifiziert. Möglicherweise wurde das Röntgenteleskop von Weltraumschrott getroffen - ein immer größeres Problem für unbemannte Satelliten wie für bemannte Raumschiffe.

Batterie explodiert?

Jonathan McDowell, Astronom am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, vermutet ein "energetisches Ereignis" als Ursache der Probleme. Womöglich sei Gas ausgetreten oder eine Batterie explodiert. Dies könnte den 2,7 Tonnen und 14 Meter langen Koloss zum Taumeln gebracht haben.

Die mögliche Folge: Die Antennen der Sonde wären nicht mehr richtig ausgerichtet, was den Funkkontakt erschweren würde. Zudem könnte es Probleme mit der Energieversorgung geben, weil die großen Solarpanels nicht mehr genug Licht abbekommen.

Die Situation sei unklar, sagte die Jaxa-Sprecherin. "Wir tun unser Bestes." Man sei betroffen, erklärte der Astronom McDowell. Ähnliches hätte auch mit dem Röntgenteleskop "Chandra" geschehen können, für das McDowell arbeitet. "Das Weltall kennt keine Gnade."

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hda/AP



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