Weltraumteleskop "Hubble" entdeckt Kohlendioxid auf fernem Planeten

Gibt es Leben auf Exoplaneten? Die Antwort darauf kennt bislang niemand. Nun haben Forscher immerhin einen neuen Puzzlestein dafür entdeckt. In der Atmosphäre eines 63 Lichtjahre entfernten Planeten konnten sie Kohlendioxid nachweisen, das auch bei biologischen Prozessen entsteht.


Washington - Bei der Suche nach außerirdischem Leben hat das Weltraumteleskop "Hubble" die Forscher einen wichtigen Schritt vorangebracht: In der Atmosphäre eines fernen Planeten entdeckte "Hubble" jetzt Kohlendioxid und Kohlenmonoxid, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilte. Der Nachweis organischer Bestandteile als möglicher Nebenprodukte von Leben könnte eines Tages bei einem anderen, erdähnlichen Planeten den ersten Beweis für die Existenz von Leben außerhalb der Erde liefern, erklärten die Wissenschaftler.

Der von "Hubble" ins Visier genommene Planet HD 189733b kommt allerdings nicht für Leben in Frage: Es handelt sich um einen 63 Lichtjahre entfernten Gasplaneten von der Größe des Jupiter, der wohl viel zu heiß für Lebewesen ist. Die Temperaturen dort liegen bei tausend Grad Celsius.

Erst im März hatten Wissenschaftler in der Atmosphäre dieses Exoplaneten sowohl Methan als auch Wasserdampf nachgewiesen. Das Kohlendioxid (CO2) und das Kohlenmonoxid (CO) hat nun Mark Swain vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa entdeckt. Swain untersuchte mit Hilfe von "Hubble" das von dem Planeten ausgesandte Licht im infraroten Spektralbereich. Dabei fand er die typischen Absorptionslinien von CO und CO2.

"Die Untersuchung der Atmosphären wird uns helfen, die Zusammensetzung und chemischen Prozesse weit entfernter Welten zu bestimmen", sagte Nasa-Wissenschaftler Eric Smith, der für "Hubble" zuständig ist. Swain ergänzte: "Das Kohlendioxid ist besonders spannend, weil es unter Umständen mit biologischen Aktivitäten wie auf der Erde zusammenhängen könnte."

Seitdem der erste sogenannte Exoplanet Anfang der neunziger Jahre entdeckt wurde, gibt es regelmäßig Berichte über neu gefundene Exemplare. In der "Enzyklopädie der extrasolaren Planeten" finden sich mittlerweile mehr als 300 Vertreter - unter ihnen sogar solche, die nicht viel schwerer sind als unsere Erde. Im November berichteten gleich zwei Forscherteams, sie hätten sogar Fotos von Planeten in fernen Welten geschossen.

Besonders schwierig ist die Suche nach Planeten, auf denen ähnliche Bedingungen herrschen wie auf der Erde. Dann, so eine Annahme der Forscher, ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Leben entsteht, besonders groß. Forscher haben deshalb auch eine Systematik aller denkbaren Planetentypen entwickelt, die das Klassifizieren von Erdzwillingen erleichtern soll.

hda/AFP/Reuters



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