Weltraumteleskop "Hubble" sendet keine Daten mehr

Sorge um den Star der Astronomie: Das "Hubble"-Weltraumteleskop hat plötzlich aufgehört, Daten zur Erde zu funken. Das Problem ist offenbar so ernst, dass die Nasa die für Mitte Oktober geplante Reparaturmission aufs nächste Jahr verschoben hat.


Washington - Möglicherweise hatte die Nasa diesmal sogar Glück im Unglück. Ursprünglich sollte die Raumfähre "Atlantis" am 10. Oktober zum "Hubble"-Teleskop fliegen, um dringend benötigte Wartungsarbeiten durchzuführen. Dann wurde der Termin auf den 14. Oktober verschoben. Nun hat sich ein neues, unerwartetes Problem ergeben: Seit der Nacht zum Sonntag schickt das Weltraumobservatorium keine Daten mehr zur Erde. Im günstigsten Fall kann sich die Nasa vor dem Reparaturflug auf die neue Situation einstellen.

"Hubble"-Weltraumteleskop (Februar 1997): Datenstrom versiegt
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"Hubble"-Weltraumteleskop (Februar 1997): Datenstrom versiegt

Im schlimmsten Fall aber ist der Schaden so groß, dass die glanzvolle Karriere des Teleskops abrupt zu Ende gegangen ist. Derzeit jedenfalls weiß man nichts Genaues. Am Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ist von einer "ernsthaften Störung" die Rede, auf deren Behebung die Astronauten der "Atlantis" möglicherweise nicht vorbereitet seien.

Nasa-Vertreter betonen zwar, dass das Teleskop nicht in unmittelbarer Gefahr sei. Das jetzige Problem sei nichts im Vergleich zu dem fehlerhaften Spiegel, der am Anfang der "Hubble"-Mission im Jahr 1990 dazu führte, dass das Teleskop nur verschwommene Bilder zur Erde funkte. Dennoch entschied die US-Weltraumbehörde, den fünften und letzten Reparaturflug bis auf weiteres zu verschieben. Als neuer möglicher Termin wurde der Februar 2009 genannt.

"'Hubble' hat die Gewohnheit, sich von Schwierigkeiten zu erholen, und das 'Hubble'-Team kann wahre Wunder vollbringen", sagte Nasa-Chefwissenschaftler Ed Weiler. "Wir werden einen Weg finden, das wieder hinzukriegen."

Zwar schlägt jeder Ausfall-Monat beim europäisch-amerikanischen "Hubble"-Programm mit rund sieben Millionen Euro zu Buche. Aber laut Weiler hätte es viel schlimmer kommen können: "Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn diese Störung zwei Wochen nach der letzten Reparaturmission aufgetreten wäre." Man hätte dann gerade zwei brandneue Instrumente montiert gehabt und geglaubt, die Lebensdauer von 'Hubble' um fünf bis zehn Jahre verlängert zu haben. "Gewissermaßen hätte die jüngste Panne also zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können", sagte Weiler.

Umschalten auf Ersatzkanal

"Hubble"-Manager Preston Burch erklärte, man werde die Instrumente des Teleskops zunächst auf den Ersatzkanal umschalten und versuchen, die Himmelsbeobachtungen wieder aufzunehmen. Dies ist ein komplizierter Prozess, der eine bis zwei Wochen dauern wird, da die Ersatzkanäle der unterschiedlichen Module laut Nasa seit den späten achtziger oder frühen neunziger Jahren nicht benutzt wurden. Selbst wenn alles wie geplant gelingen sollte, wollen Burch und seine Kollegen dem Shuttle "Atlantis" sicherheitshalber ein Ersatzteil mitgeben - damit wieder beide Kanäle zur Verfügung stehen.

"Wenn wir schon die Ausgaben und die Risiken einer Wartungsmission auf uns nehmen", sagte Weiler, "dann wollen wir sicherstellen, dass wir 'Hubble' im bestmöglichen Zustand zurücklassen, so dass es weitere zehn Jahre oder noch länger funktioniert." Die Gefahren des Reparaturflugs sind nicht zu verachten. So hat die Nasa ein Risiko von eins zu 60 berechnet, dass die "Atlantis" auf dem Flug zu "Hubble" durch die Kollision mit Weltraumschrott verloren geht. Der Vergleichswert auf Reisen zur Internationalen Raumstation ISS beträgt eins zu 300.

Dies war einer der Gründe, warum lange fraglich war, ob das Weltraumteleskop überhaupt noch einmal gewartet wird. Nachdem die Nasa den Flug bereits abgesagt hatte, protestierte die Forschergemeinde so heftig, dass man sich doch noch für die Rettung von "Hubble" entschied - auch weil der "Hubble"-Nachfolger, das James-Webb-Teleskop, erst 2013 ins All gebracht werden soll.

mbe/AP/AFP



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