Weltraumteleskop "Kepler": Nasa verliert ihren Planetenjäger

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Nasa-Teleskop "Kepler" (künstlerische Darstellung): Nur noch zwei Trägheitsräder funktionieren Zur Großansicht
AP/ NASA

Nasa-Teleskop "Kepler" (künstlerische Darstellung): Nur noch zwei Trägheitsräder funktionieren

Die Suche nach fremden Welten war das Ziel des Nasa-Teleskops "Kepler", und das Observatorium machte auch reiche Beute. Nun musste es seinen Betrieb wegen Technikproblemen einstellen - vermutlich für immer.

Ein verräterisches Flackern bringt die Astronomen auf die Spur ferner Welten - zumindest wenn alles glattgeht: Wenn Exoplaneten weit außerhalb unseres Sonnensystems vor ihrem Stern vorbeiziehen, dann verdecken sie ihn regelmäßig kurz. Und dieses Flackern lässt sich mit etwas Glück von der Erde oder aus ihrer Nachbarschaft beobachten. Mit dieser sogenannten Transitmethode hat das Nasa-Teleskop "Kepler" in der Vergangenheit reichlich Beute gemacht.

Doch seit kurzem geht offenbar nicht mehr alles glatt. Technikprobleme sorgen dafür, dass das fliegende Observatorium nun wohl dauerhaft keine Daten mehr liefern wird. Die US-Weltraumbehörde Nasa gab am Mittwochabend bekannt, dass "Kepler" in einen Sicherheitsmodus versetzt wurde. Wissenschaftliche Daten werden damit keine mehr gesammelt. Die Kommunikation mit dem Raumfahrzeug funktioniert auch jeweils nur für kurze Zeit - weil es sich langsam um die eigene Achse dreht. Mit den Lageregelungsdüsen an Bord wird "Kepler" einstweilen stabil gehalten - doch weil der Treibstoff begrenzt ist, erkaufen sich die Nasa-Experten so bestenfalls Zeit bis zu einer endgültigen Entscheidung.

Für Fachleute ist der Ausfall von "Kepler" keine allzu große Überraschung. Im vergangenen Sommer war schon eines der für die Lagekontrolle nötigen drei Trägheitsräder ausgefallen. Dieser Verlust war zunächst noch zu verschmerzen, weil ein Reservesystem an Bord war. Doch Anfang dieses Jahres hatten sich dann Probleme an einem weiteren Trägheitsrad gezeigt. Und diesmal gab es keinen Ersatz mehr. Daraufhin hatte die Nasa das Teleskop tagelang gestoppt - damit sich das Schmiermittel besser verteilen kann. Nach einem Neustart gab es zunächst keine Probleme.

Doch nun ist, so scheint es, das Rad endgültig defekt. Weil es sich gar nicht mehr bewegt, lässt sich der Satellit nicht im Raum ausrichten. Die Nasa-Techniker arbeiten daran, "Kepler" mit den verbleibenden Trägheitsrädern und den Steuerdüsen wieder auszurichten. Doch selbst wenn das gelingen sollte: Präzise Exoplaneten-Messungen lassen sich so nicht mehr anstellen. Das gibt man bei der Nasa unumwunden zu. Doch möglicherweise lassen sich andere Verwendungen für das lädierte Observatorium finden. In jedem Fall dürfte dieser Prozess nach Nasa-Schätzungen aber Monate dauern.

Beobachtungsdaten von zwei Jahren noch nicht ausgewertet

"Kepler" war seit 2009 im Einsatz und hat mehr als 170.000 Sterne auf Planeten untersucht - und oft spektakuläre Beobachtungsdaten geliefert. Zuletzt hatten Forscher mit seiner Hilfe einen Planeten entdeckt, der komplett aus Wasser bestehen könnte. Insgesamt hatte das Observatorium mehr als 130 Exoplaneten aufgespürt, außerdem rund 3000 Kandidaten.

Forscher können darauf hoffen, dass sich in den bereits gesammelten "Kepler"-Daten noch Hinweise auf zahlreiche Exoplaneten finden. Projektwissenschaftler William Boruki sagte laut "New Scientist", die Beobachtungsdaten von zwei Jahren müssten noch ausgewertet werden. "Wir sind wirklich optimistisch, dass wir erdgroße Planeten in der lebensfreundlichen Zone um Sterne von der Größe unserer Sonne finden", so Boruki.

"Kepler" ist freilich schon der zweite Planetenjäger innerhalb von kurzer Zeit, mit dessen Ausfall die Gemeinde der Astronomen zurechtkommen muss. Im vergangenen November hatte bereits das 2006 gestartete Esa-Teleskop "Corot" seinen Dienst quittiert. Es war deutlich kleiner als das amerikanische Observatorium, hatte aber auch mehr als 30 Exoplaneten und 200 noch unbestätigte Kandidaten aufgespürt, bevor ein Computerfehler zuschlug.

Die nächsten beiden Teleskope für die Suche nach Exoplaneten sollen erst im Jahr 2017 starten. Dann wollen die Amerikaner die Mission Tess (Transiting Exoplanet Survey Satellite) beginnen. Die Europäer planen unter schweizerischer Führung eine kleinere Mission namens Cheops (Characterising Exoplanets Satellite) - um wieder nach dem verräterischen Flackern zu fahnden.

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insgesamt 65 Beiträge
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1. optional
hador2 16.05.2013
Es wäre vielleicht sinnvoll gewesen im Artikel zu erwähnen, dass Kepler eigentlich ohnehin nur bis Mitte 2012 hätte funktionieren sollen, das letzte Jahr war also bereits ein "Bonus" von dem so zu Beginn der Mission nicht auszugehen war. Das jetzt nach einer um fast 30% verlängerten Missionsdauer die Technik Probleme bekommt ist zwar schade, aber halt auch nicht wirklich überraschend.
2. Klasse Mission
Markus Landgraf 16.05.2013
Ich weiss noch, dass ich, als ich das erste Mal von Kepler hörte dachte: die finden nie etwas! Wie man sich irren kann .... Eine tolle Mission, die unbedingt eine Nachfolgerin braucht!
3. ...unmöglich
JEngbers 16.05.2013
früher waren nicht nur die Autos besser sondern auch die Weltraumteleskope. Die Schwungräder sind doch bestimmt absichtlich so konstruiert worden das sie so schnell kaputt gehen damit die NASA auch ja wieder einen neuen Satelliten bei JPL/Boeing/Lockheed oder wem auch immer kaufen muss. ;-)
4. Wo ist das Ding?
lug&trug 16.05.2013
Zitat von sysop<div class="spClearfix"><span class="sysopImage"><img src="http://cdn1.spiegel.de/images/image-182494-thumb-bwiu.jpg" /><span class="spCredit">AP/ NASA</span></span><span id="sysopText">Die Suche nach fremden Welten war das Ziel des Nasa-Teleskops "Kepler", und das Observatorium machte auch reiche Beute. Nun musste es seinen Betrieb wegen Technikproblemen einstellen - vermutlich für immer. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/weltraumteleskop-kepler-nasa-buesst-ihren-planetenjaeger-ein-a-900134.html</span></div>
Im ganzen Artikel ist keine Hinweis darauf, WO sich denn das Teleskop befindet, denn die (offensichtliche) Frage nach einer möglichen Reparatur als Alternative zur endgültigen Aufgabe des Teleskops hängt ja davon ab. Wäre Kepler ein (erdumkreisender) Satellit, wie der Text behauptet... ... könnte man ihn ja womöglich "einfangen" und flicken. Kepler ist aber in einem heliozentrischen Orbit (also kein Satellit*) und damit außer Reichweite. * Die gängige Definition ist, dass ein Satellit einen Planeten oder Mond umkreist (nicht einen Stern -- sonst wäre auch die Erde ein Satellit).
5.
marinero7 16.05.2013
SPON:"....Zuletzt hatten Forscher mit seiner Hilfe einen Planeten entdeckt, der komplett aus Wasser bestehen könnte.... Völliger Quatsch! Gemeint war wohl ein Planet, der komplett mit Wasser bedeckt sein könnte.
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