Weltraumteleskop Nasa will "Hubble" doch retten

Das Aus des alternden Weltraumteleskops war längst beschlossen, nun hat die Nasa überraschend ihre Pläne geändert: Die US-Raumfahrtbehörde wird "Hubble" retten. Eine Space-Shuttle-Crew soll das Auge im All reparieren.


Washington - Das Ende für das Weltraumteleskop "Hubble" galt als unvermeidlich: Die Nasa wollte keinen Reparaturflug mit ihrer in die Jahre gekommenen Shuttle-Flotte riskieren. Das Risiko für die Astronauten sei zu hoch, argumentierte die US-Raumfahrtbehörde im Januar 2004 - und kündigte das Ende des Observatoriums an. Die Wissenschaftlergemeinde war empört, Forscher und Laien schrieben Protestbriefe - doch das Bitten schien vergeblich.

Jetzt hat die Nasa eine Kehrtwende vollführt, die sich bereits am Wochenende angedeutet hatte: Man wolle "Hubble" retten, erklärte Nasa-Direktor Michael Griffin am Dienstag im Goddard Space Flight Center bei Washington. Nach der erfolgreichen Wiederaufnahme der Shuttle-Flüge sei man nun überzeugt, das Weltraumteleskop doch noch auf sichere Art reparieren zu können. "Bei Weltraumflügen gibt es immer ein gewisses Risiko", sagte Griffin. "Aber der Wunsch, ein wirklich internationales Gut wie das 'Hubble'-Teleskop zu bewahren, macht diese Mission zur richtigen Entscheidung."

Die Reparaturmission soll den Plänen der Nasa zufolge zwischen Frühjahr und Herbst 2008 stattfinden, elf Tage dauern und umgerechnet rund 700 Millionen Euro kosten. Anschließend wird das Teleskop vermutlich noch bis 2013 weiterarbeiten können.

Bei "Hubble" müssen dringend Batterien und Teile der Kreiselstabilisatoren ausgetauscht werden, weil sonst der wissenschaftliche Betrieb in einer Zeit ab Ende 2008 nicht mehr fortgesetzt werden kann. Zudem sollen die Astronauten zwei neue wissenschaftliche Instrumente an Bord von "Hubble" installieren: Die "Wide Field Camera 3" für Beobachtungen im Bereich des infraroten und ultravioletten Lichts sowie den "Cosmic Origins Spectrograph" für Studien über Baryonen, die zu den Bausteinen von Atomen zählen. Die beiden Instrumente haben rund 200 Millionen Dollar (157 Millionen Euro) gekostet und warten seit Jahren auf ihren Einbau.

"Hubble" ist seit mehr als 16 Jahren in der Umlaufbahn. Aus 600 Kilometern Höhe blickt es ungehindert von den Luftschichten der Erde in die Tiefen des Alls. Nie zuvor gesehene Bilder von fernen Galaxien, sterbenden Sonnen und sogenannten Schwarzen Löchern verschafften den Astronomen neue Einblicke in die Entstehung und den Aufbau des Universums. Wissenschaftlern hat das Teleskop unter anderem ermöglicht, die Existenz von Schwarzen Löchern zu beweisen und das Alter des Universums zu bestimmen.

Das Observatorium wurde nach dem US-Astronomen Edwin Hubble (1889 - 1953) benannt und gemeinsam von der US-Raumfahrtbehörde Nasa und dem europäischen Pendant Esa entwickelt. Die Raumfähre "Discovery" brachte "Hubble" am 24. April 1990 in den Orbit. "Hubble" ist über elf Tonnen schwer und etwa 13 Meter lang. In 96 Minuten umkreist es einmal die Erde. Sein Hauptspiegel hat einen Durchmesser von 2,4 Meter. Für die Betriebsenergie sorgen Solarzellen.

Bereits kurz nach Betriebsbeginn wurden schwere Mängel festgestellt. Es stellte sich heraus, dass der Hauptspiegel falsch geschliffen wurde und verschwommene Bilder lieferte. Bei einer Reparatur-Mission konnte die Besatzung der Raumfähre "Endeavour" die Probleme 1993 weitgehend beheben - das Weltraumteleskop bekam eine "Brille" in Form einer Korrekturoptik.

hda/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.