"Mission for America": Raumfahrer sollen 2018 den Mars umrunden

Von Christoph Seidler

Kosmische Reisepläne: Einmal Mars und zurück Fotos
AP/ Inspiration Mars

Es wäre eine spektakuläre Reise, die kein Mensch zuvor unternommen hat: Ein Team um den Ex-Weltraumtouristen Dennis Tito hat Pläne für eine private Marsmission vorgestellt. Schon in fünf Jahren könnten zwei Raumfahrer den Roten Planeten umfliegen. Der Millionär selbst will aber nicht mit.

Einmal schon hat Dennis Tito Raumfahrtgeschichte geschrieben. Doch das ist ihm nicht genug. Als Finanzberater zu Geld gekommen, war der Amerikaner im Frühjahr 2001 für 20 Millionen Dollar zur Internationalen Raumstation (ISS) geflogen. Als erster Weltraumtourist überhaupt. Nun möchte er am 5. Januar 2018 eine Crew auf den Mars zum Weg bringen. Selbst reisen will der 72-Jährige aber nicht.

Unter dem pathetischen Titel "Mission for America" stellten Tito und sein Team ihre Pläne am Mittwochnachmittag in Washinton vor. Ein Mann und eine Frau sollen nach dem Plan der "Inspiration Mars Foundation" den Roten Planeten in einem kleinen Raumschiff umrunden.

Die beiden Raumfahrer würden dazu insgesamt 501 Tage in einer engen Kapsel verbringen. Zum Vergleich: Der bisherige Rekord für einen Langzeitaufenthalt liegt bei 437 Tagen, aufgestellt vom Russen Waleri Poljakow - in der zumindest leidlich geräumigen "Mir"-Station. Ein Marsflug wäre in jedem Fall eine medizinische Herausforderung. Es drohen:

  • Probleme durch Bewegungsmangel und die negativen Folgen der Schwerelosigkeit für Muskeln und Knochen,
  • Psychologische Schwierigkeiten in einer engen Röhre fernab der Erde

  • gesteigertes Krebsrisiko durch kosmische und solare Strahlung.

Berater wie Jonathan Clark vom National Space Medicine Biomedical Research Institute in Houston, der auch bei Felix Baumgartners Stratosphärensprung zum Team gehörte, sollen die medizinische Betreuung der Reise übernehmen.

Der Flug selbst wäre vergleichsweise einfach: Die Bahn der Mars-Kapsel, "free return trajectory" genannt, würde die Raumfahrer allein durch die Gravitationswirkung von Erde, Mars und Venus zu ihrem Ziel und zurück bringen. Das Raumschiff werde "wie ein Bumerang" fliegen, so Tito.

Außer kleineren Kurskorrekturen wären keine weiteren Manöver nötig - weil die Himmelskörper Anfang 2018 günstig stehen. Die beiden Reisenden würden nach Titos Angaben in ungefähr 160 Kilometern Entfernung am Mars vorbeifliegen, jedoch nicht in dessen Umlaufbahn einschwenken oder gar auf dem Roten Planeten aufsetzen. Dafür aber bräuchte das Raumschiff auch nur wenig Treibstoff. Und niemand müsste sich Gedanken über die Technik für Landung und Wiederaufstieg machen. Tito sprach daher von einer "ziemlich einfachen Mission".

Körperpflege mit dem Schwamm

Ob der geplante Flug tatsächlich Realität wird, lässt sich derzeit dennoch nicht sagen. Tito kündigte an, das Projekt zumindest für die kommenden beiden Jahre vollständig zu finanzieren. Später hoffe man unter anderem auf Geld aus Medien- und Sponsoringverträgen.

Zum Einsatz kommen soll existierende Technik, möglicherweise eine modifizierte "Dragon"-Kapsel von SpaceX. Die soll zwar eines Tages auch Menschen befördern, hat bisher aber nur unbemannte Flüge absolviert. Der nächste "Dragon"-Versorgungsflug zur ISS ist für Freitag geplant. Die für die Mars-Reise angedachte "Falcon Heavy"-Rakete von SpaceX hat sich bisher überhaupt nicht in der Praxis bewährt. Geschweige denn mit Astronauten an ihrer Spitze.

In den vergangenen Tagen und Wochen hatte es bereits Gerüchte um Titos geplante Mission gegeben. Befeuert wurden sie von der Ankündigung einer Präsentation auf der Luftfahrtkonferenz des Institute of Electrical and Electronics Engineers in Big Sky (US-Bundesstaat Montana). Dort wollen Tito und seine Mitstreiter ihre Pläne am Sonntag noch einmal vorstellen.

Das "New Space Journal" hatte vorab darüber berichtet. Demnach dürfte es auf der Reise recht rustikal zugehen. Aus Platzmangel könne nur das Nötigste mit an Bord. So sei geplant, dass sich die Raumfahrer mit einem Schwamm waschen - eine Dusche sei nicht vorgesehen. Chef-Technologe Taber MacCallum erklärte am Mittwoch, Wasser und Atemluft sollten immer wieder gereinigt und wiederverwendet werden.

Tito und seine Leute sind freilich längst nicht allein mit ihren Träumen vom Roten Planeten. Während die Nasa - sie hat ein Partnerschaftsabkommen mit der "Inspiration Mars Foundation" - erst in den 2030er Jahren dorthin aufbrechen will, wollen Privatleute das Ziel schneller erreichen:

  • Eine niederländische Stiftung treibt seit vergangenem Sommer das Projekt "Mars One" voran. Dabei würden Mars-Kolonisten ab 2023 unseren Nachbarplaneten besiedeln - allerdings ohne Rückflugticket. Der Rest der Menschheit soll ihnen dabei in einer Art Reality-TV zuschauen. Unter Experten gilt der Plan nicht zuletzt wegen der nötigen Milliardensummen als eher unrealistisch.

  • SpaceX-Chef Elon Musk schwebt gar eine Kolonie vor, in der einmal bis zu 80.000 Menschen leben sollen. "Auf dem Mars lässt sich eine selbsterhaltende Zivilisation starten und zu etwas richtig Großem entwickeln", so das Credo des umtriebigen Milliardärs. Die ersten Passagiere sollen in zehn bis fünfzehn Jahren starten - zum Ticketpreis von einer halben Million Dollar pro Nase. Auch hier sind betriebswirtschaftliche Zweifel angebracht.

Und es fehlt das geeignete Transportgerät. Die Mars-Reisenden sollen mit einer Weiterentwicklung der "Falcon"-Rakete von SpaceX auf den Weg gebracht werden. Doch die müsste wohl vollständig wiederverwendbar sein und senkrecht wieder landen können. Prototypen für den Landemechanismus gibt es zwar. Doch bisher können sie nur aus ein paar Metern Höhe wieder aufsetzen. Daher auch ihr Spitzname: Grashüpfer.

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insgesamt 162 Beiträge
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1.
steve_88 27.02.2013
Genial. Es wäre ein Anfang. Wenn der klappt, wird es ein Anfang von einer nächsten Stufe des Lebens. Hammer. Ich freue mich!
2. Man koennte
200MOTELS 27.02.2013
doch jetzt schon ein paar Tonnen Gras und Pflanzensamen zum Mars schiessen und in grosser Hoehe abwerfen, irgendwas wird schon wachsen!
3. .
TS_Alien 27.02.2013
Das ist ein unseriöses Unternehmen. In so kurzer Zeit können die technischen Probleme (Schutz vor Strahlungen, Mitnahme von genügend Sauerstoff, ...) nicht gelöst werden. Und ein solch genauer Kurs (zeitlich und räumlich) ist ein Himmelfahrtskommando, da muss vom Start weg alles zu 100 % funktionieren.
4. ohne wissenschaftlich-technologischen Nutzen
MtSchiara 27.02.2013
Zitat von TS_AlienUnd niemand müsste sich Gedanken über die Technik für Landung und Wiederaufstieg machen.
Auch über den wissenschaftlich-technologischen Nutzen einer solchen Operation muß man sich keine weiteren Gedanken machen: der ist nämlich NULL. Ein Roboter, der zum Mars fliegt, liefert die gleichen Bilder zur Erde, die die Passierge zu Gesicht bekommen. Und auf der ISS sammelt man die gleichen Langzeitflugerfahrungen wie in einer solchen Marskapsel. Der einzige Nutzen bestünde darin, das Thema mehr in die Öffentlichkeit zu holen, damit mehr Gelder in solche Projekte fließen. Am besten man wählt als Passagiere zwei bettlägige Greise. Für die ist das dann kaum eine Umstellung und man muß sich auch über Krebsrisiken keine Gedanken machen. Will man tatsächlich andere Himmelskörper besiedeln, dann sollte man mit dem Mond anfangen. Der liegt direkt um die Ecke und eignet sich auch für einen Kurzurlaub.
5.
Hermes75 27.02.2013
Zitat von sysopEs wäre eine spektakuläre Reise, die kein Mensch zuvor unternommen hat: Ein Team um den Ex-Weltraumtouristen Dennis Tito hat Pläne für eine private Marsmission vorgestellt. Schon in fünf Jahren könnten zwei Raumfahrer den Roten Planeten umfliegen. Der Millionär selbst will aber nicht mit. Weltraumtourist Dennis Tito: Zwei Menschen sollen 2018 Mars umrunden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/weltraumtourist-dennis-tito-zwei-menschen-sollen-2018-mars-umrunden-a-885913.html)
Und was ist jetzt der Nutzen wenn man zwei Menschen in eine Dose steckt und einmal um den Mars schießt? Angesichts der Kosten und des hohen Risikos für die Besatzung halte ich dies für ein eher zweifelhaftes Projekt, das maximal der Selbstbestätigung seiner Schöpfer dient. Wenn man Menschen zum Mars schickt, dann nur wenn man dort eine ausführliche und komplexe Forschungsmission durchführen will. Ansonsten sind unbemannte Missionen wirklich sinnvoller.
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