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Weltuntergang: Erde könnte im Planeten-Chaos sterben

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Alles hat ein Ende, auch die Erde: In fünf Milliarden Jahren dehnt sich die Sonne so weit aus, dass unsere Welt schmelzen wird. Es kann aber schon in 40 Millionen Jahren vorbei sein, haben Astronomen herausgefunden - wegen eines gewaltigen Planeten-Crashs.

Auf die Sonne war bislang Verlass: Seit mehr als vier Milliarden Jahren verschmelzen auf ihr Wasserstoffkerne zu Helium und versorgen so das Sonnensystem mit Energie. Das wird nicht ewig so weitergehen. In etwa fünf Milliarden Jahren, so schätzen Astronomen, wird unser Stern seinen Brennstoff verbraucht haben.

Ihr Ende - und damit auch unseres - ist programmiert: Die Sonne wird sich erst zu einem Roten Riesen aufblähen und die Planeten Venus und Merkur vernichten. Nebenbei wird die Erdkruste durch die zunehmende Hitze gekocht - spätestens dann wird die Stunde des irdischen Lebens geschlagen haben. Keine guten Aussichten. Aber bis es soweit ist, bleibt ja noch jede Menge Zeit.

Nun haben Astronomen schlechte Nachrichten: Computersimulationen haben ergeben, dass vielleicht doch nicht mehr ganz so viel Zeit bleibt - genauer gesagt: nur 40 Millionen statt fünf Milliarden Jahre. Der Grund: Die Planeten könnten aus ihren Bahnen geraten und das Sonnensystem destabilisieren. Dass die Planetenbahnen stabil bleiben, können die Wissenschaftler nur für die nächsten 40 Millionen Jahre garantieren. Was danach passiert, so schreibt das Team um Gregory Laughlin von der University of California in Santa Cruz und Jacques Laskar vom Observatoire de Paris in Frankreich, könne man nicht sagen.

Wie die Forscher in den Fachmagazinen "Icarus" und "Astrophysical Journal" schreiben, bestehe ein gewisses Risiko, dass danach der Merkur aus seiner Bahn geraten könne. Die Folgen wären katastrophal: Merkur könnte mit der Erde kollidieren oder mit seiner Gravitation die inneren Planeten aus ihrer Bahn werfen und so einen Zusammenstoß zwischen Erde und Mars verursachen. Die Sonne würde dann zwar weiter scheinen, aber auf eine möglicherweise gänzlich unbelebte Erde - wenn der Planet dann überhaupt noch existieren würde.

Denn was bei einem Crash zwischen Erde und Mars geschehen würde, kann man nur vermuten. So glauben Wissenschaftler, dass in der Frühzeit des Sonnensystems ein marsgroßer Körper mit der Erde kollidierte und das Material für den Mond aus ihr herausschlug. Die Erde sei dabei auf Temperaturen von Tausenden Graden aufgeheizt worden, ihre Oberfläche von einem Lava-Ozean bedeckt gewesen.

Die Planeten üben aufeinander Gravitationskräfte aus. Die Vorhersage der Bahnentwicklungen ist kompliziert, weil so viele Körper beteiligt sind - ähnlich wie bei einem Billardspiel. Kleinste Abweichungen können daher in der Zukunft riesige Auswirkungen haben.

Jacques Laskar spielte im Computer kosmisches Billard: In 1001 Computersimulationen schaute er sich die zukünftigen Bahnentwicklungen der Planeten an. Bei jedem Durchlauf setzte er geringfügig andere Startbedingungen an - aber alle lagen noch im Ungenauigkeitsrahmen realer Beobachtungen. Das Ergebnis: In ein bis zwei Prozent der Fälle vergrößerte sich - bedingt durch Jupiters Anziehungskraft - Merkurs Orbit. Das wiederum hatte Auswirkungen auf die Planeten Venus, Erde und Mars.

Merkur und Mars sind die Schwachstellen

Eine nur geringfüge Veränderung der Merkur-Bahn würde schon reichen, um ihn in die Nähe des Venus-Orbits zu bringen, meint US-Forscher Laughlin. Würden sich die Umlaufbahnen erst einmal kreuzen, taumele das ganze Sonnensystem ins Chaos: "Dann können schlimme Dinge passieren." Die Schwachstellen sind Merkur und Mars. Weil sie relativ geringe Massen besitzen, sind sie für die Gravitationskräfte der anderen Planeten besonders anfällig.

Laughlins Simulationen ergaben noch weitere Schreckensszenarien, die perfekte Vorlagen für Science-Fiction-Filme wären: In einer stürzte Merkur in die Sonne - und das schon in 1,3 Milliarden Jahren. In einer weiteren wurde der Mars aus dem Sonnensystem herausgeschleudert - in 820 Millionen Jahren. Keine 40 Millionen Jahre später kollidierte Venus mit Merkur.

"Es können eine Menge verschiedener desaströser Szenarien passieren", sagte Laughlin dem Magazin "New Scientist". "Und in jedem sehen die schrecklichen Details anders aus." Dennoch: Das Risiko, dass es so weit kommt, liegt bei einem bis zwei Prozent. Oder wie Laughlin es optimistisch formuliert: "Das Glas ist zu 98 Prozent voll - oder zu 2 Prozent leer."

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