Wettersatellit gestartet: "Metop" saust um die Pole

13 Mal am Tag umrundet "Metop" den Globus. Der neue europäische Wettersatellit ist auf seiner Umlaufbahn angekommen - endlich, nach monatelanger Verspätung. Anders als herkömmliche Wetter-Späher deckt er den gesamten Globus ab und misst auch Spurengase und Strahlung.

Im siebten Anlauf ist es endlich gelungen: Der neue europäische Wettersatellit "Metop" ist am gestrigen Donnerstagabend planmäßig um 18.28 Uhr MESZ ins All geschossen worden. Der über vier Tonnen schwere und mehr als sechs Meter hohe Satellit wurde an Bord einer russischen Sojus-Rakete in eine etwas mehr als 800 Kilometer hohe Umlaufbahn befördert.

Wettersatellit "Metop" (Computergrafik): Flug über die Pole
DDP

Wettersatellit "Metop" (Computergrafik): Flug über die Pole

Dem Start vorausgegangen war eine Serie von Pannen: Ursprünglich sollte "Metop" schon im Juli in seine Umlaufbahn geschossen werden. Doch der Start musste im Sommer viermal in Folge verschoben werden. Auch der fünfte Startversuch am vergangenen Dienstag wurde wenige Sekunden vor dem Abheben gestoppt - wegen eines softwarebedingten Fehlalarms. Der dann ersatzweise für Mittwoch angesetzte Starttermin wurde dann wegen starker Höhenwinde verschoben. Solche Winde über Baikonur seien nur sehr selten, sagte Francois Maroqueneder, Vizepräsident von Arianespace.

Der erfolgreiche Start wurde im Raumfahrtkontrollzentrum der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa in Darmstadt mit Applaus begrüßt. "Jetzt können wir erst einmal alle etwas aufatmen", sagte die Sprecherin des europäischen Wettersatellitenbetreibers Eumetsat, Livia Briese. In den Vollbetrieb wird der Satellit erst nach zwei und sechs Monaten gehen.

Bislang unerreichte Genauigkeit

Rund eine Stunde nach dem Start habe der Satellit ein erstes klares Signal gesendet, erklärte die Esa. Um 20.15 Uhr MESZ wurde das Sonnensegel ausgeklappt und der Strom angeschaltet.

"Metop" unterscheidet sich in seiner über die Pole führenden Bahn stark von den meisten der bisher üblichen Wettersatelliten, die sich auf sogenannten geostationären Umlaufbahnen in rund 36.000 Kilometern Höhe über dem Äquator befinden und von der Erde aus gesehen immer an der gleichen Stelle zu stehen scheinen. Der neue Wetterbeobachter ist sehr viel näher an der Erde und kann daher viel präzisere Aufnahmen machen. Vor allem aber wird er auch die Gebiete um die Pole exakt erfassen. Das können geostationäre Satelliten nicht. Daher erwarten die Wissenschaftler bei Eumetsat in Darmstadt von "Metop" Daten von bisher unerreichter Genauigkeit.

Seine Bahn über die Pole führt den Satelliten innerhalb von 110 Minuten einmal um den Globus, also 13 Mal am Tag. Nach fünf Tagen haben die Messinstrumente von "Metop" so die komplette Erdoberfläche erkundet.

Stürme früher vorhersagen, Ozon und Strahlung messen

Zu den Neuerungen an Bord gehört der Infrarotscanner Iasi, der in bislang nicht gekannter Präzision Daten über Temperaturen und Feuchtigkeit in der Erdatmosphäre liefern soll. So sollen drohende Stürme und andere Extremwetterlagen Stunden früher als bislang erkannt werden, sagte Kenneth Holmlund, Direktor der Wetterprogramme bei Eumetsat.

Die europäischen und US-amerikanischen Instrumente an Bord messen außer den eigentlichen Wetterdaten wie Temperatur, Luftdruck, Feuchtigkeit, Wolkenbildung und Windströmungen auch die Konzentration von Ozon, Methan und anderen Spurengasen in der Atmosphäre und die Intensität des Strahlungsgürtels um den Planeten. Zudem kann "Metop" Notrufe von Flugzeugen und Schiffen aufnehmen und weiterleiten.

Zeitversetzt liefert ein US-amerikanischer Satellit gleicher Bauart und fast gleicher Umlaufbahn ergänzende Daten. Der nun gestartete Satellit - offiziell "Metop A" genannt - soll rund fünf Jahre im Einsatz bleiben. Das gesamte Programm läuft nach Esa-Angaben mindestens bis 2020.

fba/stx/AP/dpa/rtr

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