Wettlauf ins All China plant Schwertransport-Rakete

Eine neue Raketen-Generation mit bis zu 25 Tonnen Nutzlast soll China in die erste Liga der All-Spediteure hieven. Das ist wichtig für den Wettlauf im lukrativen Satellitenmarkt, gilt aber auch als Voraussetzung für eine eigene Raumstation.


Peking - Von der neuen Trägerraketen-Generation berichten am heutigen Montag staatliche Medien in China. Die Kapazität der geplanten Trägerraketen der Baureihe "Langer Marsch" sollen von 9,5 auf 25 Tonnen mehr als verdoppelt werden, schreibt die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua unter Bezugnahme auf einen namentlich nicht genannten Vertreter des staatseigenen Luft- und Raumfahrtausrüsters China Aerospace Science and Technology Corporation. Wann die neuen Raketen startbereit sein sollen, wurde nicht gesagt.

Die neuen Trägersysteme würden eine ausreichende Nutzlast befördern können, um auch Teile einer Raumstation in die Erdumlaufbahn hieven zu können, sagte der chinesische Raumfahrtexperte Huang Cunping zu Xinhua. Über Raketen, die bis zu 25 Tonnen tragen können, verfügen außer den USA und Russland noch Japaner und Europäer.

Im Oktober 2003 hatte China als dritte Nation nach Russen und US-Amerikanern aus eigenen Kräften einen Menschen in die Erdumlaufbahn gebracht. Das Raumfahrtprogramm des Landes gilt als sehr ambitioniert: China baut derzeit einen unbemannten Mondroboter, will in zehn bis fünfzehn Jahren einen Menschen auf den Mond bringen - rüstet aber nach Befürchtung von Beobachtern auch für den Krieg am Himmel. Im Januar demonstrierte Peking den Abschuss eines Satelliten.

Über eventuelle chinesische Pläne für eine eigene Raumstation ist indessen bislang nie berichtet worden. Eine viel profanere Erklärung für den Schwertransport-Vorstoß könnte das Engagement Pekings auf dem Markt für kommerzielle Satelliten sein. Kürzlich hatte China erstmals ein Komplettpaket aus Kommunikationssatellit, zugehöriger Bodenstation und Start ins All an einen ausländischen Kunden verkauft. Durch die Entwicklung einer 25-Tonnen-Rakete könnte Peking hier mit den wichtigsten Konkurrenten in dem lukrativen Markt gleichziehen.

stx/AP



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