Wettlauf ins All Erste indische Mondrakete gestartet

Die aufstrebende Wirtschaftsmacht Indien hat am Mittwoch ihre erste Mondmission gestartet. Die Sonde "Chandrayaan-1" ist am frühen Morgen planmäßig vom südindischen Weltraumbahnhof Satish Dhawan abgehoben. Sie soll in fünf Tagen den Mond erreichen.


Hamburg/Neu Delhi - Indien ist beim asiatischen Wettlauf um die Präsenz im Weltall ein Stück weiter gekommen. Die erste indische Mondsonde startete am Mittwochmorgen zu einer zweijährigen Mission ins Weltall. Die Trägerrakete PSLV mit der unbemannten Mondsonde "Chandrayaan-1" hob um 6.22 Uhr Ortszeit (2.52 Uhr MESZ) planmäßig von der Basis in Sriharikota ab. "Das ist ein historischer Augenblick. Wir haben unsere Reise zum Mond begonnen", sagte der Präsident der indischen Raumfahrtorganisation ISRO, G. Madhavan Nair, unter dem Applaus der Ingenieure in Sriharikota. Die Sonde soll die Oberfläche des Mondes erkunden.

Start der indischen Trägerrakete: Wettlauf der Asiaten im All
AFP

Start der indischen Trägerrakete: Wettlauf der Asiaten im All

Laut Nair verlief der Start bei bewölktem Himmel genau nach Plan. 20 Minuten nach dem Abheben sollte die in Indien gebaute Rakete die Sonde in die Erdumlaufbahn bringen. "Chandrayaan-1" soll in zwei Wochen die Umlaufbahn des Mondes in 385.000 Kilometer Entfernung von der Erde erreichen.

Wissenschaftler besitzen selbst von der Oberfläche des Mars genauere Karten als von der des Mondes. "Chandrayaan-1" soll das ändern. Von der zweijährigen, umgerechnet rund 60 Millionen Euro teuren Mission versprechen sich die beteiligten Forscher eine detaillierte Karte der Mineralien und die Analyse chemischer Eigenschaften der Mondoberfläche sowie ihrer Geländeeigenheiten. An Bord befinden sich elf wissenschaftliche Instrumente aus Indien, Amerika und Europa, darunter auch das Infrarot-Spektrometer SIR-2 des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau.

Mit der Entsendung der Mondsonde will Indien seine asiatischen Konkurrenten China und Japan im Wettrennen um die Präsenz im Weltall einholen. Bislang liegt China unter den asiatischen Staaten weit vorn. Im September hatte das Land nach Russland und den USA erstmals einen Astronauten zu einem Weltraumspaziergang geschickt. Peking hat mehrmals sein Ziel verkündet, eine bemannte Mission zum Mond zu schicken. Außerdem will China als Konkurrenz zur Internationalen Raumstation ISS ein eigenes Weltraumlabor bauen. Japan hatte 2007 eine Sonde zum Mond geschickt und plant bis 2020 eine bemannte Mondmission.

Die indische Regierung will bis 2013 insgesamt 60 Weltraummissionen durchführen, darunter zum Mond und zum Mars. Der Subkontinent will auch einen heimischen Astronauten ins All schicken. Die Mission der Sonde "Chandrayaan-1" soll 2010 und 2012 wiederholt werden. Die Raumfahrt gilt unter den asiatischen Wirtschaftsmächten als Symbol nationaler Bedeutung und wirtschaftlicher Stärke.

Neben der Erforschung des Weltalls will Indien auch im Bereich der kommerziellen Satelliten Fuß fassen. Bislang teilten die USA, Russland, China, die Ukraine und die Europäische Raumfahrtbehörde Esa diesen lukrativen Bereich unter sich auf. Im April hatte Indien zehn Satelliten, darunter acht ausländische, ins All geschickt. Indien kassiert dafür weniger Gebühren als die Konkurrenz. Das indische Raumfahrtprogramm geht bis ins Jahr 1963 zurück, es beschränkte sich jedoch bislang auf die Entsendung eigener Satelliten ins All.

flo/AFP/dpa



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