Experiment im All Whisky mit 15.000 Umdrehungen

Eine schottische Brennerei schickte eine Probe ihres Whiskys auf die Internationale Raumstation. Zweieinhalb Jahre lang reifte das Destillat in der Schwerelosigkeit. Zurück auf dem Boden ist der Geschmack unerwartet - erdig.

Whisky: Weltall-Variante erinnert an "Gummi und Lutschpastillen"
Corbis

Whisky: Weltall-Variante erinnert an "Gummi und Lutschpastillen"


Es ist die Mondlandung der Whisky-Forschung: Eine schottische Brennerei hat untersucht, wie Whisky in annähernder Schwerelosigkeit reift. Dafür schickte sie eine Probe ihres feinen Tropfens auf die Internationale Raumstation (ISS). Nun hat der Hersteller das Ergebnis veröffentlicht: Die Reifung im Orbit sorgt für einen wahrnehmbar anderen Geschmack. Auch die chemische Analyse offenbarte messbare Unterschiede zu irdischem Whisky.

Normalerweise wird zum Reifen das Destillat der Brennerei für mehrere Jahre in Eichenfässern gelagert. Das Destillat tauscht mit dem Holz Aromen aus und entwickelt erst dabei seinen charakteristischen Geschmack. Für die Hersteller lag offenbar die Frage nahe: Passiert dies auch in Mikrogravitation? Also annähernder Schwerelosigkeit, wie sie im Orbit herrscht?

Die schottische Brennerei Ardbeg ließ daher Ampullen mit ihrem Destillat zur ISS schicken. Mit an Bord waren auch Holzspäne ehemaliger Bourbonfässer. Als Vergleichsproben blieben einige identische Ampullen auf der Erde zurück.

Offiziell kein Whisky

Erst auf der ISS entfernten Astronauten die Trennung zwischen Destillat und Holz, zeitgleich geschah dies auch bei den Kontrollproben auf der Erde. Der Reifungsprozess konnte starten. Zweieinhalb Jahre lang flogen die Ampullen mit der ISS, sie umrundeten etwa 15.000 Mal die Erde. Offiziell darf das Destillat daher nicht als Whisky bezeichnet werden, denn so heißt es erst, nachdem es drei Jahre lang reifte.

2014 kamen die Ampullen zurück; Chromatografen und Massenspektrometer nahmen die Probe auseinander. Nun liegen die nicht begutachteten Ergebnisse vor - und sind eher ernüchternd. Die Mikrogravitation scheint den Austausch zwischen Destillat und Holz zu hemmen. Bis auf wenige Ausnahmen wurden weniger Holzaromen freigesetzt als in der Vergleichsprobe auf der Erde.

"Gezuckerte Zwetschgen"

Bei der Verkostung zeigte sich laut Hersteller ein wahrnehmbarer Unterschied zwischen kosmischer und irdischer Reifung. Der ISS-Whisky habe einen ganz eigenständigen Geschmack. Dies läge daran, dass der Reifungsprozess bei verschiedenen Stoffen unterschiedlich stark gehemmt wurde. Der Whisky erinnere an "antiseptischen Rauch, Gummi und geräucherten Fisch", habe "fleischartige Aromen" und schmecke nach "gezuckerten Zwetschgen". Am überraschendsten ist aber eine Umschreibung: Der Weltall-Whisky schmecke "erdig".

Ob man dieses Geschmackserlebnis demnächst auch kaufen kann, ist bislang nicht bekannt. Andere Betreiber sind diesen Weg schon früher gegangen: Ein Dufthersteller ließ untersuchen, wie eine Rose in der Schwerelosigkeit duftet, und verkauft seitdem ein Parfüm, das den Duft dieser Rose imitiert.

Seit 2001 können zahlungskräftige Kunden die ISS für kommerzielle Forschung nutzen. Die Projekte sollen Geld einbringen, die Labore an Bord auslasten sowie für die Raumstation werben. Im letzten August ging abermals eine Whisky-Lieferung an die ISS. Japanische Hersteller hoffen, durch die konstanten Bedingungen an Bord einen besonders milden Tropfen herzustellen.

mls

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