Spektakuläres Himmelsereignis Wie Sie die Jahrhundert-Mondfinsternis am besten beobachten können

Eine Stunde und 43 Minuten: Am Freitag steht die längste Mondfinsternis des Jahrhunderts bevor. Auch der Mars ist besonders gut zu sehen. Exakt so eine Konstellation gibt es im Schnitt nur alle 105.000 Jahre.

Blutmond (Archivbild)
DPA

Blutmond (Archivbild)


An diesem Freitag sind in Deutschland gleich zwei außergewöhnliche Konstellationen am Nachthimmel zu beobachten: Die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts steht bevor und der Mars ist der Erde so nah wie selten.

Der Vollmond geht am 27. Juli in Deutschland erst nach Beginn der Mondfinsternis auf. In Berlin erfolgt der Mondaufgang um 20.58, in Hamburg um 21.17, in Köln um 21.18, in Leipzig um 20.57 und in München ebenfalls um 20.57 Uhr. "Er ist gleich merklich röter und dunkler", sagt Astronomin Carolin Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg. "Es ist klar und deutlich zu sehen, dass er anders aussieht als sonst."

Der Mars geht eine Stunde nach dem Mond auf, steht aber nicht so hoch und erscheint sehr hell in rötlichem Licht. Zum Höhepunkt der Mondfinsternis um 22.22 Uhr sind sowohl der Mond als auch der Mars noch tief über dem Horizont. Am Ende der Finsternis um 23.13 Uhr stehen sie deutlich höher. Es ist dann dunkel, und beide Himmelskörper erscheinen rötlich am Himmel.

Hier sehen Sie die Mondfinsternis am besten

Zahlreiche Sternwarten, Planetarien, astronomische Vereine und Forschungsinstitute laden zum Beobachten des Spektakels ein. "Die Mondfinsternis endet kurz nach Mitternacht, Mars hingegen ist die ganze Nacht lang zu sehen", heißt es bei der Vereinigung der Sternfreunde im südhessischen Heppenheim.

Wer die Mondfinsternis beobachten will, sollte sich einen Ort suchen, der freien Blick Richtung Südosten gewährt und weit genug von Städten und anderen Lichtquellen entfernt ist. Da der Mond außerdem tief über dem Horizont steht, ist ein wolkenfreier Himmel besonders wichtig.

Die Chancen, das Himmelsspektakel zu sehen, sind nicht schlecht. In der Nacht zum Samstag ist es laut aktuellen Vorhersagen des Deutschen Wetterdiensts nur gering bewölkt - wenn überhaupt. In vielen Regionen rechnen die Meteorologen mit einer klaren Nacht. Nur an der Grenze zu den Benelux-Staaten sind für Samstagmorgen Schauer angekündigt. Da ist die Mondfinsternis aber schon längst vorbei.

Wer jedoch die allerbeste Sicht auf das Himmelsspektakel haben will, muss verreisen. Im Südosten Mitteleuropas, zum Beispiel in Wien, ist die Mondfinsternis etwas besser zu sehen, da der Mond dort 30 Minuten früher aufgeht als in Deutschland. Die besten Chancen haben allerdings die Menschen im südlichen Afrika und auf den Inseln des Indischen Ozeans.

Dieses Mal ist die totale Mondfinsternis besonders lang: Der Mond taucht für eine Stunde und 43 Minuten vollständig in den Erdschatten ein. Übertroffen wird diese Mondfinsternis-Dauer erst am 9. Juni 2123 - um drei Minuten.

"Der Mars ist der Star"

Dazu bietet sich ein außergewöhnlicher Blick auf den Mars. Er steht in Opposition, also mit Erde und Sonne auf einer Linie, und wird von der Erde auf der Innenbahn überholt. Zu dieser Konstellation kommt es im Durchschnitt nur alle 15 Jahre, zuletzt 2003. Darüber hinaus ist der Mars an diesem Freitag nur etwa 58 Millionen Kilometer von der Erde entfernt - der Minimalabstand. Am Himmel wird er besonders hell und vergleichsweiße groß zu sehen sein.

Der Mars ist weiter von der Sonne entfernt als die Erde. Anders als diese braucht er auf seiner Bahn nicht ein, sondern fast zwei Jahre, um die Sonne zu umrunden. Der Abstand vom Mars zur Sonne schwankt erheblich: An seinem sonnenfernsten Punkt ist er rund 250 Millionen Kilometer entfernt, am sonnennächsten nur etwas mehr als 200 Millionen Kilometer.

Wiederholung nur alle 105.000 Jahre

Dass eine derart lange Mondfinsternis und eine so günstige Konstellation des Mars auf eine Nacht fallen, ist äußerst selten. Eine Info-Seite zur Mondfinsternis hat berechnet: Im Schnitt wiederholt sich das Ereignis in dieser Form alle 105.000 Jahre.

Nicht nur der Mond und der Mars sind am Himmel gut zu sehen. Auch Jupiter und Venus sind sichtbar. Gleich wenn es dunkel wird, leuchten sie hell am Abendhimmel, sagt Astronomin Liefke. "Aber der Mars ist der Star."

Video: Die Kraft des Trabanten - Brauchen wir den Mond?

lpu/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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schwerpunkt 26.07.2018
1.
Der Mars :"Am Himmel wird er besonders hell und vergleichsweiße groß zu sehen sein. " Groß ist dabei relativ, da der Mars immer noch etwas zu weit entfernt ist, als dass ihn das menschliche Auge als Scheibchen auflösen kann. Er ist derzeit wirklich spektakulär orange Tönung, welche ihn auch für Astro-Laien unverwechselbar macht. Der Abendhimmel wird dagegen derzeit durch die Venus (Westen) und Jupiter (süd-westlich) bestimmt, welche beide ebenfalls erstaunlich hell am Himmel prangen.
schwerpunkt 26.07.2018
2.
Ja, eine solche Mondfinsternis ist toll anzusehen und nicht alltäglich, auch wenn sie nicht annähernd an das Spektakel einer totalen Sonnenfinsternis heran kommt. Aber selbst diese würde vom Eindruck in den Schatten gestellt werden, den eine Sonnenfinsternis auf dem Mond darstellen würde. Wären morgen Abend bereits Astronauten auf dem Mon, könnten diese eine lang andauernde Sonnenfinsternis beobachten, wenn sich von ihnen aus die gewaltige Erde vor die Sonne schiebt (von jedem Punkt des Mondes aus zu sehen). Dabei wird der Mondhimmel nicht vollkommen schwarz, sondern ein feuerroter Ring mit dem vierfachen Durchmesser des scheinbaren Monddurchmessers von der Erde aus, bleibt bedrohlich am Himmel zu sehen (durch Brechung des langwelligen Sonnenlichts durch die Erdatmosphäre. Ich freu mich schon darauf, wenn Astronauten irgendwann Bilder einer solchen Monster-SoFi mitbringen werden.
undnochmeinsenfdazu 26.07.2018
3. Ich frage mich schon...,
…, warum selbst in einem an sich anerkannten Medium wie SPON sich in solche Artikel jedesmal grobe Fehler einschleichen können,liest da keiner drüber?: »...auf den Mars. Er steht in Opposition, also mit Erde und Sonne auf einer Linie, und wird von der Erde auf der Innenbahn überholt. Zu dieser Konstellation kommt es im Durchschnitt nur alle 15 Jahre, zuletzt 2003. Darüber hinaus ist der Mars an diesem Freitag nur etwa 58 Millionen Kilometer von der Erde entfernt - der Minimalabstand.« Zu einer Oppositionn des Mars kommt es etwa alle zwei Jahre, nicht alle 15 ! Allein der Umstand, dass uns der Mars auf seiner sehr elliptischen Bahn diesmal sehr nahe ist, passiert etwa alle 15 Jahre... Diese Sachverhalte sind doch nicht so kompliziert, oder?
pitvater 26.07.2018
4. Und die ISS spielt auch noch mit...
Passend dazu zeigt sich dann noch die ISS, z. B. über Leipzig von 22.31 Uhr bis 22.38 Uhr. In dieser Zeit sehr hell, heller als Jupiter (-2,9 Mag) und nur wenig dunkler als die Venus (-4,6 Mag). Sie läuft von West nach Ost über den Himmel – fast durch den Zenit. Das kann man leicht nachvollziehen mit der ISS-Detektor App (die ISS-Detektor-App ist für Android und Apple kostenlos verfügbar) Viel Spaß beim Sterne gucken!
iimzip 26.07.2018
5. Auf die ISS wird viel zu selten hingewiesen.
Wobei für diesen Monat die meisten Überflüge (zu zivilen Zeiten) schon durch sind. Für App-Verächter hier ein Browser-Link https://heavens-above.com/passdetails.aspx?lat=50.7374&lng=7.0982&loc=Bonn&alt=65&tz=CET&satid=25544&mjd=58326.8571185126&type=V Ich habe ihn zentral für Bonn eingestellt: Je nach Standort kommt sie dann mal oberhalb, mal unterhalb des vorderen Deichselstern des grossen Wagens ( in der Karte fälschlich als Grosser Bär bezeichnet) vorbei. Auch interessant ist der dortige Link zur Bodenspur. Heute abend schon mal probegucken ab 23:23.
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