Friedensbotschaft Captain Kirk ruft "Voyager 1"

Die "Voyager"-Sonden tragen seit 40 Jahren Botschaften der Menschheit ins All hinaus. Nun ist eine weitere dazugekommen - und zwar von jemandem, der sich mit interstellarer Kommunikation auskennt wie kein anderer.

William Shatner (2013)
AP

William Shatner (2013)


Ja, es ist pathetisch. Und ja, es ist PR. Und ein drittes Mal ja, höchstwahrscheinlich wird die ganze Sache auch nie jemand außerhalb der Erde mitbekommen. Aber trotzdem sollten zumindest die Nerds da draußen folgendes wissen: Captain Kirk alias William Shatner hat gerade eine interstellare Friedensbotschaft verschickt - mithilfe der Nasa-Sonde "Voyager 1". (Lesen Sie hier ein Interview mit Kirk beziehungsweise Shatner aus dem vergangen Jahr, es ging um seine Freundschaft zu Leonard Nimoy alias Spock.)

"Wir bieten über alle Sterne hinweg unsere Freundschaft an. Ihr seid nicht allein", lautete der kurze Text, den Shatner, 86, in seiner Eigenschaft als Kapitän von "Raumschiff Enterprise" am Dienstag im Nasa-Kontrollzentrum in Houston vorlas. Die Botschaft wurde anschließend an "Voyager 1" geschickt.

Insgesamt waren 30.000 Vorschläge für eine "Kurzbotschaft des guten Willens" bei der Nasa eingegangen, gesiegt hatte der Text von Oliver Jenkins. Anlass war der Jahrestag des Starts der Raumsonden "Voyager 1" und "Voyager 2" vor 40 Jahren ins äußere Sonnensystem. (Lesen Sie hier eine aktuelle Würdigung der Sonden mit Auflistung ihrer Rekorde.)

Beide Sonden beobachteten bereits Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun, beide haben auch schon Botschaften in 55 Sprachen, Lieder und Fotos von der Erde für mögliche Außerirdische an Bord.

Sehen Sie hier die wichtigsten Erfolge der Sonden:

Fotostrecke

14  Bilder
40 Jahre "Voyager"-Sonden: Monde entdeckt, Ringe fotografiert, interstellaren Raum erreicht

"Voyager 1" ist derzeit rund 21 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, vier Milliarden Kilometer mehr als "Voyager 2". So weit wie "Voyager 1" ist kein anderes von Menschen gebautes Objekt gereist. Die Sonden senden nach wie vor Messdaten zur Erde, obwohl die Hälfte der Instrumente an Bord mittlerweile defekt und deaktiviert ist.

Die Botschaften der "Voyager"-Zwillinge werden über das Deep Space Network der Nasa mit seinen teils 70 Meter messenden Antennen aufgefangen. Auf diesem Weg wurde die von Shatner verlesene Nachricht nun auch ins All geschickt. Es dauert 19 Stunden und 21 Minuten, bis sie bei der Sonde ankommt.

Die Energieversorgung der Sonden, die über Radionuklidbatterien läuft, wird immer schlechter. Gegen Ende des kommenden Jahrzehnts sollen daher auch die letzten Messgeräte abgeschaltet werden. Für die Sonden geht die Reise danach in aller Stille weiter: "Voyager 1" soll in etwa 40.000 Jahren den Stern Gliese 445 im Sternbild Giraffe erreichen.

chs/dpa



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PaulZ 06.09.2017
1. Nach Hause telefonieren...
Das Universum ist so obszön, unverschämt riesig, selbst wenn in nur einer von tausend Galaxien eine Zivilisation existiert, gibt es viel mehr davon, als Menschen auf der Erde. Wie wir uns allerdings in der Unendlichkeit finden sollen, ist eine andere Frage. /// Vielleicht ist aber alles viel einfacher. Vielleicht bräuchten die Physiker nur aufzuhören, die Existenz von Tachyonen zu verleugnen (tun sie seit 100 Jahren) und ein WLAN-Modul zu bauen. Dann gelangen wir ins intergalaktische Internet, die SETI-Bildschirme füllen sich mit Popups, und die Menschheit erlangt auf einen Schlag unermessliches Wissen darüber, wie man Tausende unterschiedlichster Geschlechtsorgane verlängern kann.
pklauss 06.09.2017
2. Leugnen?
Ich habe nicht den Eindruck, dass jemand etwas verleugnet. Tachyonen, so es sie denn gibt, haben allerdings das Problem, dass sie sich nie unter Lichtgeschwindigkeit bewegen können und sich in der Zeit rückwärts bewegen. Mit unserem Standardmodell können Sie nicht in Wechselwirkung treten, das macht es etwas schwierig.
schwerpunkt 06.09.2017
3.
Zitat von PaulZDas Universum ist so obszön, unverschämt riesig, selbst wenn in nur einer von tausend Galaxien eine Zivilisation existiert, gibt es viel mehr davon, als Menschen auf der Erde. Wie wir uns allerdings in der Unendlichkeit finden sollen, ist eine andere Frage. /// Vielleicht ist aber alles viel einfacher. Vielleicht bräuchten die Physiker nur aufzuhören, die Existenz von Tachyonen zu verleugnen (tun sie seit 100 Jahren) und ein WLAN-Modul zu bauen. Dann gelangen wir ins intergalaktische Internet, die SETI-Bildschirme füllen sich mit Popups, und die Menschheit erlangt auf einen Schlag unermessliches Wissen darüber, wie man Tausende unterschiedlichster Geschlechtsorgane verlängern kann.
Den Rest Ihres Beitrages mal ignorierend, haben Sie in Ihrer Abschätzung einen kleinen Rechenfehler: Unser uns sichtbares Universum hat zwischen 100 Milliarden und 1 Billion Galaxien. Wenn eine von tausend Galaxien als eine Zivilisation beherbergt, wären das also etwa 100 Millionen bis 1 Milliarde Zivilisationen. Derzeit gibt es mehr als 7 Milliarden Menschen auf der Erde ... Allerdings wären 100 Millionen Zivilisationen immer noch eine ganze Menge, aber durchschnittlich 17,3 Millionen Lichtjahre von einander getrennt. Das ist auch ne ganze Menge. Auf jeden Fall zu weit um mal eben um Frühstück hin und zurück zu fliegen.
inovatech 06.09.2017
4. Halbe Informationen
Und was genau passiert dann mit diesem Text ? Wird er von dort nochmal als "Funkspruch" ausgestrahlt ? Geht er im Speicher verloren ? Was soll so ein halber Artikel ?
permissiveactionlink 06.09.2017
5. Jetzt aber ganz ehrlich !
Mir kommen die Tränen vor Rührung ! Ich bin noch ganz benommen. Aber das ist wirklich das spektakulärste symbolische Signal, dass die Menschheit jemals ausgestrahlt hat ! Bedauerlicherweise war die 70m Schüssel auf Voyager1 gerichtet, und nicht auf den chinesischen Satelliten Nordkorea.... Egal. Von Sendefrequenz oder -leistung erfahren wir wie gewöhnlich nichts. Und natürlich wurde das Signal nicht isotop (in alle Raumrichtungen) ausgesandt, sondern nur in eine einzige Richtung. Ob da irgendein interessierter S- oder X-Bandhörer mit Facettenaugen und Riesenohrmuscheln lauscht ist eher zweifelhaft. Selbst wenn da ein Stern in 4 Lichtjahren Entfernung w ä r e , der einen bewohnten Planeten h ä t t e, dann wäre er schon 35064 Lichtstunden entfernt, im Ggs. zu Voyager 1mit 19,35 Lichtstunden. Deshalb käme das Signal auch um den Faktor 3.283.681 gedämpft (ca. 65 dB) leiser an als jetzt bei Voyager 1. Ist es nicht dennoch schön, zu träumen ? Aber ergreifend und bewegend war's irgendwie schon mit diesem reinen Showevent !
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