Kosmischer Rekord Astronomen sichten bisher fernste Galaxie

13,1 Milliarden Jahre benötigte das Licht für seine Reise aus der sehr fernen Galaxie bis hin zur Erde. Astronomen berichten, was die Entdeckung der Sternenfabrik über die Kindheit des Universums verrät.

Ferne Galaxie (vergrößerter Bereich): 13,1 Milliarden Jahre war das Licht von "z8_GND_5296" aus unterwegs, ehe es die Erde erreichte
DPA/ V. Tilvi/ Texas A&M/ S. Finkelstein/ UT Austin/ CANDELS Team/ HST/ NASA

Ferne Galaxie (vergrößerter Bereich): 13,1 Milliarden Jahre war das Licht von "z8_GND_5296" aus unterwegs, ehe es die Erde erreichte


Astronomen haben die bislang fernste Galaxie entdeckt. Das Sternsystem hat eine so große Distanz zur Erde, dass sein Licht 13,1 Milliarden Jahre zu uns unterwegs war. Seine Reise begann also nur 700 Millionen Jahre nach dem Urknall. Damit ermöglicht die Galaxie mit der sperrigen Bezeichnung "z8_GND_5296" einen Blick zurück in die Kindheit des Weltalls. Weiter entfernt liegt nur ein bestätigtes Himmelsobjekt: Ein sehr massereicher Stern, der nur gut 600 Millionen Jahre nach dem Urknall explodierte, wobei ein Gammablitz entstand.

Im Fachmagazin "Nature" berichtet das internationale Team um Steven Finkelstein von der University of Texas, Austin, wie es die Galaxie ausfindig machen konnte. Mit Hilfe eines Spektrometers ("Mosfire") am Keck-Observatorium auf Hawaii überprüften die Astronomen 43 Kandidaten für weit entfernte Galaxien, die das "Hubble"-Weltraumteleskop aufgespürt hatte. Von diesen konnten sie nur einen bestätigen: "z8_GND_5296".

"Mosfire" (Multi-Object Spectrometer for Infra-Red Exploration"), das Strahlung im Infrarot misst, überprüfte die 43 Galaxie-Kandidaten in nur zwei Nächten. Das von fernen Galaxien ausgesendete Licht ist in der Wellenlänge verschoben. Deshalb ist das hervorstechendste Merkmal eines Sternensystems, das als Lyman-alpha-Linie bekannte Wasserstoffleuchten, bei sehr großen Distanzen im Infrarot messbar.

Galaxie "z8_GND_5296" (Illustration): Sternenproduktion in rasantem Tempo
V. Tilvi/ S.L. Finkelstein/ C. Papovich/ NASA/ ESA/ A. Aloisi/ The Hubble Heritage/ HST/ STScI/ AURA

Galaxie "z8_GND_5296" (Illustration): Sternenproduktion in rasantem Tempo

Dass die Forscher nur bei einem der Kandidaten ein entsprechendes Infrarot-Signal entdeckt haben, bedeutet nicht, dass alle anderen 42 Fehlalarme waren. Es könne beispielsweise sein, dass größere Mengen neutralen Wasserstoffgases die charakteristische Strahlung geschluckt habe, mutmaßen die Wissenschaftler.

Nach Angaben der Forscher produziert die Galaxie Sterne in einem erstaunlichen Tempo - die Jahresproduktion liegt bei rund 330 Sonnenmassen. Zum Vergleich: In der Milchstraße bringen es die in einem Jahr neu entstandenen Sterne zusammen auf lediglich auf das zwei- bis dreifache der Sonnenmasse.

Damit ähnelt die neu entdeckte Galaxie dem bisherigen Distanzrekordhalter, der in derselben Himmelsregion liegt. Auch jene Galaxie produziert in rasanter Geschwindigkeit neue Sterne. "Daraus lernen wir etwas über das junge Universum", sagt Finkelstein. "Es existierten viel mehr Regionen mit hoher Sternenentstehungsrate als bisher gedacht. Wenn wir zwei davon im selben Himmelsausschnitt finden, muss es eine ganze Reihe davon geben."

wbr/dpa



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