Zähe Maschinen Mars-Roboter bleiben sauber

Die Nasa-Rover "Spirit" und "Opportunity" sind seit mehr als zwei Jahren auf dem Mars unterwegs - ein Mehrfaches der ursprünglich geplanten Betriebsdauer. Ein beeindruckendes Selbstporträt von "Spirit" zeigt jetzt den Hauptgrund der Langlebigkeit.


Als "Spirit" und "Opportunity" im Januar 2004 auf dem Roten Planeten gelandet sind, hätte wohl keiner der Nasa-Ingenieure auch nur zu träumen gewagt, wie erfolgreich und vor allem wie langlebig die Fahrzeuge sein würden. Drei Monate hatte die US-Raumfahrtbehörde den beiden baugleichen Robotern eingeräumt, um ihre Hauptaufgabe - die Suche nach Spuren früherer Wasservorkommen - erfolgreich zu beenden.

Das war schon nach wenigen Wochen erledigt, und mittlerweile sind die Zwillinge seit mehr als zwei Jahren auf entgegengesetzten Seiten des Mars aktiv. Insgesamt legten die Sonden elf Kilometer zurück und funkten mehr als 100.000 Bilder zur Erde.

Ein fotografisches Selbstporträt von "Spirit" zeigt jetzt eindrucksvoll den Grund für die unerwartet lange Lebensdauer: Die Solarzellen sind noch immer nahezu blitzblank.

Fotostrecke

5  Bilder
Neues vom Mars: Blanke Rover und lange Krater

Die Nasa-Techniker waren eigentlich davon ausgegangen, dass der rötliche Staub des Mars die Energiespender nach relativ kurzer Zeit zudecken und die Roboter stoppen würde. Doch mittlerweile wissen die Ingenieure, warum das nicht geschehen ist: Auf dem Mars weht der Wind regelmäßig kräftig genug, um die Solarzellen der Rover immer wieder freizupusten.

So können "Spirit" und "Opportunity" weiterhin wertvolle Informationen zur Erde funken. "Diese Rover leben von geborgter Zeit", sagt Steven Squyres, der wissenschaftliche Leiter der Mars-Mission. "Wir haben die Garantiezeit lange überschritten." Jetzt werde jeden Tag versucht, alles aus den Sonden herauszuholen. "Wir leben von Tag zu Tag", sagt Squyres.

Rover überstanden technische Pannen

"Opportunity" machte die erste wichtige Entdeckung der Mission und fand den Beweis für die einstige Existenz ausgedehnter Wasservorkommen. "Spirit" ging in die Geschichtsbücher als erste Sonde ein, die einen außerirdischen Hügel bezwang. Im vergangenen Sommer war der Aufstieg auf den 82 Meter hohen Husband Hill abgeschlossen - und das, obwohl die Nasa befürchtet hatte, der Roboter werde dem Wetter nicht trotzen können.

Bei allen Erfolgen gab es natürlich auch einige technische Pannen. Bei "Spirit" funktionierte ein Vorderrad nicht richtig. Die Techniker lösten das Problem, indem sie die Sonde einfach rückwärts fahren ließen. "Opportunity" blieb bei dem Versuch, eine Düne zu erklimmen, im Sand stecken. Sechs Wochen gingen ins Land, ehe der Roboter befreit war.

Auch vor Alterserscheinungen sind die Sonden nicht gefeit. Im November blieb der Motor an einem Roboterarm von "Opportunity" stehen, und der Arm ließ sich nicht mehr ausfahren. Zwei Wochen später funktionierte alles wieder einwandfrei.

Nasa verlängerte Mission schon drei Mal

In den vergangenen zwei Jahren legte "Spirit" auf seinen sechs Rädern 4,8 Kilometer zurück und funkte 70.000 Bilder zur Erde, darunter Selbstporträts und Panorama-Aufnahmen. "Opportunity" fuhr 6,4 Kilometer und übertrug 58.000 Bilder. Die Nasa verlängerte die Mission schon drei Mal und stockte den ursprünglichen Missionsetat von 820 Millionen Dollar (695 Millionen Euro) auf 904 Millionen auf.

Die Erforschung der Geschichte des Mars ist noch lange nicht abgeschlossen. "Spirit" und "Opportunity" sollen weiterhin Minerale untersuchen. "Gesteinsschichten sind der Strichcode der Mars-Geschichte", erklärt John Grotzinger, ein Mitglied des wissenschaftlichen Teams. "Jede neue Schicht ist ein weiteres Teil des Puzzles."

Auch die Erforschung des Roten Planeten aus dem Orbit schreitet voran. Die europäische Raumsonde "Mars Express", die - ebenfalls seit Anfang 2004 - spektakuläre Bilder zur Erde funkt, hat jetzt Fotos eines gewaltigen elliptischen Kraters geschossen. Die rund 650 Meter tiefe Einschlagsnarbe zieht sich über mehr als 24 Kilometer Länge und 11 Kilometer Breite über eine Ebene namens Hesperia Planum.

Nach Einschätzung des Teams um den Berliner Planetenforscher Gerhard Neukum, der die hochauflösende Stereokamera von "Mars Express" betreibt, wurde die Oberfläche des Kraters nach dem Einschlag von Lavaströmen erneuert. Die längliche Form des Kraters weise darauf hin, dass ein Meteorit mit einem Winkel von weniger als zehn Grad aufgeschlagen ist.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.