Zehn Wahrheiten von ... Buzz Aldrin "Ich wollte nicht als erster raus"

Buzz Aldrin ist der Mann vom Mond. 600 Millionen Menschen sahen live im Fernsehen, wie er vor 40 Jahren den Erdtrabanten betrat - nach Neil Armstrong. SPIEGEL-Reporter Klaus Brinkbäumer traf den 79-Jährigen in St. Paul, Minnesota.


Herr Aldrin, wie fühlt sich das an, wenn ein ganzes Leben um einen Augenblick kreist, wenn zwei Stunden auf dem Mond alles bestimmen, was in den Jahrzehnten danach noch kommt?

1. "Es ist schwer auszuhalten. Ich war in der Form meines Lebens, aber zu jung, um den Mond zu verarbeiten. Man kann das ja gar nicht aushalten. Das Leben danach. Die Rückkehr zur Erde. Aber du kannst den größten Moment deines Lebens auch nicht verstreichen lassen, weil du nie wieder eine Chance wie diese haben wirst. Was danach kommt, nenne ich die Melancholie der erfüllten Aufgabe."

Damals sprachen die Astronauten der Apollo 11 Sätze, die Legende wurden: "The Eagle has landed." Oder: "Es ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Schritt für die Menschheit." Heute sitzt Buzz Aldrin in einem Hotel im Mittleren Westen, ein 79-jähriger Herr, klein und schlank, weißhaarig, blaue Augen, Hörgeräte rechts und links. Er trägt zwei Armbanduhren, einen Ring mit einem goldenen Halbmond, einen roten Schlips, und seine Krawattennadel ist eine kleine Raumfähre. Es ist Zeit für die Frage seines Lebens, eine Frage, auf die er in vier Jahrzehnten schon viele und sehr unterschiedliche Antworten gegeben hat:

Weshalb stieg der Kollege Armstrong 20 Minuten vor Ihnen aus?

2. "Es gab viele Geschichten. Es hieß, Neil habe den Ruhm für sich gewollt, dann hieß es, das habe jemand bei der Nasa in Houston so entschieden. Die Wahrheit war: Ich wollte da nicht als Erster hinaus. Ich wollte die Öffentlichkeit nicht, in Wahrheit wollte ich ja nicht mal mehr dabei sein bei dem ersten Flug. Der zweite wäre mir lieber gewesen."

Warum?

3. "Meine Mutter hatte sich kurz vor der Apollo-11-Mission umgebracht. Sie war depressiv, sie hatte Angst vor der Öffentlichkeit, vor dem Trubel, der nach der Mondlandung über sie hereinbrechen würde. Es gab keinen Brief. Ich habe das verdrängt. Aber meine Schwester hat es bestätigt, ja, das hat sie."

Aldrin kommt aus einer Militärfamilie. Der Vater war Pilot, die Mutter Hausfrau, der Vater wollte, dass auch der Sohn Pilot würde, und der Sohn sagt, er habe selbst schon als Zweijähriger Pilot werden wollen und niemals etwas anderes. Buzz Aldrins Mutter hieß Moon, es war ihr Geburtsname: Marion Moon.

Und Sie sind trotzdem geflogen. Wieso?

4. "Ich habe es nicht an mich herangelassen, damals. Wir waren Soldaten, Auftragserfüller. Ich war jung, klein, ehrgeizig, ich leistete etwas, und alles, was nicht nach meinen Wünschen ging, schluckte ich leise. Ich wollte nicht aussortiert werden. Es gab keinen Jubel über große Erfolge, keine Trauer bei so einem Vorfall. Nie einen Schrei, nie einen Ausbruch, einfach keine Emotionen. Ich will ja kein gefühlloser Pilot sein, aber ich kann nicht anders. Ich nehme Schläge stoisch hin, Siege auch. Vielleicht war es falsch, vielleicht habe ich nie eine Möglichkeit gehabt, auszudrücken, was ich fühlte, vielleicht war ich innerlich so unter Druck, randvoll, vielleicht war das die Wurzel von allem, was nach der Rückkehr zur Erde passierte."

Acht Tage lang war Apollo 11 unterwegs, nach der Rückkehr zur Erde mussten Armstrong, Aldrin und der dritte Astronaut Michael Collins in Quarantäne. Es kamen die Ehrungen, die Interviews, der Ruhm. Dann die Stille, die beiden Scheidungen, der Alkohol. Die Depressionen. Aldrin sollte dann Cadillacs in Beverly Hills verkaufen, er konnte das nicht, sagt er, kein einziges Auto habe er verkauft. Buzz Aldrin trinkt Kaffee und Orangensaft. Alles so lange her. Er ist seit drei Jahrzehnten trocken und seit zwei Jahrzehnten verheiratet; er lebt in Kalifornien.

Zum Autor
Martin Adolfsson
Klaus Brinkbäumer, geboren 1967 in Münster, arbeitet seit 1993 für den SPIEGEL. Seine Artikel und Reportagen wurden mehrfach ausgezeichnet. In loser Folge interviewt der Reporter und New Yorker SPIEGEL-Korrespondent Prominente - und entlockt ihnen jeweils "zehn Wahrheiten".
Was bedeutet Ihnen die Mondlandung heute? Blicken Sie abends verträumt hinauf?

5. "Ich denke jeden Tag daran. Ob ich auch davon träume, weiß ich nicht, morgens erinnere ich mich nicht. Der Mond ist ein Himmelskörper, mehr nicht, er ist auch nicht da oben, er ist dort draußen, weit fort. Ich hatte mit Eklipsen zu rechnen, war mit Geometrie beschäftigt, und Sie kommen mir mit Romantik? Ich werde immer ganz krank, wenn Kollegen in ihren Büchern schreiben, dass sie von oben auf die Erde geblickt und keine Grenzen und keine Kriege gesehen hätten. Wir hatten so viel zu tun, waren so konzentriert, alles andere ist Verklärung."

Was wäre eigentlich passiert, wenn dort draußen die Stelzen des Mondmoduls eingeknickt wären? Wenn das Ding umgefallen wäre? Wenn der Antrieb nicht mehr funktioniert hätte?

6. "Nicht viel, leider. Wir hatten jedenfalls keine Pillen dabei, die wir dann geschluckt hätten, das sind alles Mythen. Uns wäre einfach ganz langsam die Luft ausgegangen."

Wie hatten Sie sich unten auf der Erde von Ihrer Familie verabschiedet?

7. "Viel zu kühl, fürchte ich, brutal, egozentrisch. Geduld, Mitgefühl, Verständnis für andere muss man lernen, das waren sicherlich nicht meine Stärken in jenen Jahren."

Was hat die Menschheit gelernt aus der Mondlandung?

8. "Das ist die beste Frage! Privat habe ich gelernt, dass ich akzeptieren musste, dass ich mein Leben annehmen musste. Es fühlte sich lange so an, als sei ich das gar nicht gewesen, als sei ein anderer dort oben gewesen. 'Wenn es regnet, fang' lieber mal an, den Regen zu lieben, denn es könnte noch länger regnen', mein Therapeut hat das gesagt. Und beruflich: Wir haben viele, viele wissenschaftliche Erkenntnisse ermöglicht. Dass der Mond sich ganz langsam von der Erde entfernt, um 3,8 Zentimeter pro Jahr. Und vieles mehr. Wir haben bewiesen, was es braucht, wenn man etwas Großes erreichen will: Beharrlichkeit und Flexibilität, die richtige Mischung aus beidem."

Werden Sie das Jubiläum zusammen mit den einstigen Kollegen feiern, über die alten Zeiten reden?

9. "Nein."

Buzz Aldrin schweigt, nimmt das Saftglas, trinkt nicht, stellt es wieder ab. Dann, vorsichtig:

"Sagen wir es so: Wir haben uns in unterschiedliche Richtungen entwickelt, leben unterschiedliche Leben. Es ist in Ordnung."

Es läuft nicht gut mit der Raumfahrt . Seit dem Ende der Apollo-Missionen war niemand mehr auf dem Mond, seit der Space-Shuttle-Katastrophe wirkt die Nasa zerzaust und ziellos.

Hört niemand mehr auf die Pioniere von 1969?

10. "Erfahrung wird nicht hoch bewertet. Aber ich werde auch in Zukunft nicht schweigen, weil wir weiter machen müssen. So wie die Pilger mit der Mayflower nach Amerika kamen, müssen wir zum Mars. Irgendwann werden wir Menschen einen zweiten Planeten brauchen, einen Ersatz, wir sollten darauf vorbereitet sein."

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gloton7, 21.07.2009
1. Traurig - aber nachvollziehbar
Interessant, was Aldrin sagt. Man kann sich seine Gefühle gut vorstellen: Er fühlt sich schuldig, weil seine Mutter sich umbringt und macht doch weiter. Dadurch bekommt er außer den Berechnungen gar nichts mit. Es war als ob ein anderer oben gewesen wäre. Den Mars zu bevölkern ist allerdings Unsinn. Wir würden viele Milliarden in den Marssand setzen. Menschen, die solche Vorschläge machen, sollten erstmal versuchen, die Erdwüste zu bevölkern. Da es auf dem Mars kein Sauerstoff gibt, sollten diese Menschen als realistische Anpassung kein Wasser mitnehmen. Wer will es versuchen?
yourtalkmaster 21.07.2009
2. berührende Worte
Aldrin räumt mit einer Menge Legenden auf, die man so gerne in dieses Thema packt. Er war scheinbar einfach ein Mann, der seine Pflicht erfüllen wollte. Man kann nur hoffen, dass er nach all den Jahren seinen Frieden gefunden hat. Sein Traum von einer Marsmission wird sich wohl zu seinen Lebzeiten nicht erfüllen. Wird der Mond der erste und letzte Himmelskörper sein, den jemals Menschen betreten haben? Aldrin kann für sich in Anspruch nehmen, dass er dabei war. Wenngleich er Jahrzehnte brauchte, um auf der Erde Fuss zu fassen...
Boone 21.07.2009
3. Inszenierung
Alles Schwindel. Die Amerikaner waren nie auf dem Mond. Weiß doch heute jedes Kind, steht ja überall im Internet. :-)))
lpino 21.07.2009
4. NIEMAND war jemals auf dem Mond.
Der sogenannte Van Allen Strahlengürtel wurde von keinem Lebewesen je durchquert. Dies ist mit der heutigen Technik nicht möglich, mit der damaligen schon gar nicht. Die Leistung der NASA besteht darin, unbemannte Mondfähren tatsächlich zur Landung gebracht und den Laser-Reflektor installiert zu haben. Das "Apollo" Programm war eine Aktion im Kalten Krieg und diente dazu, Akzeptanz und Geldmittel für ballistische Trägersysteme von Atomwaffen (Interkontinentalraketen) zu erlangen.
deuterius 21.07.2009
5. Ach was
"Ich wollte nicht als erster raus" Nun, das ist ja mal was Neues. Alle Darstellungen bechreiben das Gegenteil. Es soll sogar ein richtiges Gezänke darum gegeben haben, ausgehend von Aldrin.
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